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November 2011: Aladin-Mord hielt Döbeln wochenlang in Atem

25 Jahre DAZ November 2011: Aladin-Mord hielt Döbeln wochenlang in Atem

Die DAZ begeht am 1. August ihren 25. Geburtstag. Für die Redaktion ist das Anlass, in den nächsten Wochen in loser Folge auf besondere Ereignisse, Orte und Menschen dieser Zeit zurückzublicken. Heute erinnert sich Döbeln-Redakteur Thomas Sparrer an die dramatischen Geschehnisse um den sogenannten Aladin-Mord.

Während die Spurensicherung noch den Tatort inspiziert, haben Freunde des Mordopfers ein Bild von ihm auf dem Dach seines Autos aufgestellt.

Quelle: Wolfgang Sens/Archiv

Döbeln. Manchmal liegt der Feierabend schon in Sichtweite. Der Lokalteil für den nächsten Tag ist fast fertig. Als Spätdienst hatte ich an diesem 1. November 2011 nur noch ein paar Kleinigkeiten wie die lokalen Anrisse auf der Titelseite zu schreiben und das Titelseitenfoto zu betexten. Ein Tippgeber riss mich kurz nach 20 Uhr am Telefon aus meiner Feierabendplanung. „Du Sparri, in der Rudolph-Breitscheidt-Straße wird gerade eine Polizeiabsperrung aufgebaut. Das ist bestimmt interessant für dich.“ So stapfte ich los, um nachzusehen und war der erste Journalist, der über den Mord an Jamal Al Mortada, den Betreiber der Pizzeria Aladin, berichtete. Wir tauften den Fall dann „Aladin-Mord“.

Doch von Informationen war ich an diesem kalten Novemberabend hinter der Polizeiabsperrung noch weit entfernt. Unerbittlich lief die Uhr gegen mich. Der Andrucktermin der Ausgabe rückte immer näher. Doch Polizeisprecher Michael Hille mauerte stundenlang. Ich konnte berichten, was ich sah: Unmengen an anrückenden Polizisten, Tatortermittler, die eifrig Koffer in den Döner-Imbiss schleppten, neugierige Passanten hinter der Absperrung. Ich hatte auch von einem Mord gehört. Doch die offizielle Bestätigung von Polizei und Staatsanwaltschaft blieb aus. Ein Telefonat mit Polizeipräsident Bernd Merbitz machte dann aus dem Gerücht vom Mord einen Fakt. „Pizzeria-Betreiber in Döbeln erschossen“, „Gebürtiger Libanese stirbt in seinem Lokal in der Rudolf-Breitscheid-Straße / Täter war maskiert und ist flüchtig“ lautete am nächsten Morgen unsere Überschrift. Ein riesiger Medienrummel begann. Während Fernsehteams den ganzen Tag vor Ort Passanten und Freunde des Opfers interviewten, ging die Spurensuche am Tatort weiter. Zudem durchkämmten zwei Staffeln der Bereitschaftspolizei mit etwa 60 Polizisten die Umgebung des Tatortes. Die Polizei bildete die 50-köpfige Sonderkommission „Aladin“. Polizeipräsident Bernd Merbitz besuchte einen Tag später seine Ermittler in Döbeln. Ein Phantombild wird veröffentlich. An Straßensperren in der Innenstadt befragen Polizisten 400 Autofahrer nach möglichen Beobachtungen. Die Mordwaffe wird schließlich an der Mulde gefunden.

Im Januar 2012 fallen im „Aladin“ erneut Schüsse. Die Polizei stellt den Mord nach und schießt mit der Tatwaffe in Sandbehälter, um die Lautstärke der Schüsse zu messen, von denen Zeugen berichteten.

Am 13. März 2012, vier Monate nach der Tat, wird Aiman E. als Tatverdächtiger festgenommen. Er wird am 15. März 2013 vor dem Landgericht in Chemnitz zu fünf Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord verurteilt. Der mutmaßliche Haupttäter Marwan H., ein Geschäftspartner im Autohandel des Mordopfers, hatte sich in den Irak abgesetzt. Als Motiv für den Mord gelten geschäftliche Streitigkeiten und Eifersucht, weil Marwan H. und das Mordopfer ein Verhältnis mit der selben Frau hatten. Das Urteil gegen Mittäter Aiman E. wird vom Bundesgerichtshof kassiert. Er wird 2014 in Dresden zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt. Die Strafe sitzt er in Waldheim ab. Marwan H. ist noch immer flüchtig. Die Pizzeria in der Rudolph-Breitscheid-Straße wurde umgebaut und hat heute neue Betreiber.

Von Thomas Sparrer

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