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Döbeln Obermarkt Döbeln: Make-up für den letzten Pickel
Region Döbeln Obermarkt Döbeln: Make-up für den letzten Pickel
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21:39 20.01.2013

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Direkt am Obermarkt, gegen Tauben und bröckelnde Dachteile weitgehend gesichert, steht das ehemalige Café Ecke. Der bisherige Besitzer Manfred Dittmann war selbst traurig über den Zustand des Hauses und hatte viel Ärger damit. Zuletzt als im Herbst die Feuerwehr die klirrenden Scheiben gegen Sturmböen sicherte. Seine Frau gehörte zu den Miterben des Hauses. Nachdem die Erbengemeinschaft ausgezahlt worden war, gab es schon vor der Flut 2002 viele Ideen, die sich wieder zerschlagen haben. "Wir sind auch gerade wieder in Verhandlungen, um das Gebäude zu verkaufen. Doch ich bin in der Zwischenzeit sehr zurückhaltend, denn schon mehrfach platzte ein Verkauf im letzten Moment", sagte Manfred Dittmann noch im Sommer 2012.

Doch offenbar sind die Verhandlungen jetzt erfolgreich gewesen. Der neue Besitzer hält sich aber noch bedeckt. Doch Makler sind bereits auf Mietersuche für das an gleicher Stelle neu entstehende Haus, wie die DAZ erfahren hat. Die Rede ist von zwei bis drei Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss und Wohnungen.

"Es ist gut, dass jetzt Bewegung in die Sache kommt", sagt Döbelns Baudezernent Thomas Hanns. Ein Bauantrag liege im Rathaus zwar noch nicht vor. Aber der Bauherr könne mit dem Wohlwollen der Stadt rechnen "Ein Wohn- und Geschäftshaus ist an der Stelle unabhängig von Sanierung, Abriss oder Ersatzneubau möglich. Wir sind sehr froh, wenn es losgeht und der östliche Obermarkt durch diese Investition gestärkt wird", sagt Thomas Hanns. Immerhin steht das riesige Gebäude seit 22 Jahren leer und gilt als letzter Pickel im Gesicht des Obermarktes.

Das Make up könnte von der Stadt kommen. 2014 soll das Sanierungsgebiet Döbelner Innenstadt abgeschlossen werden. Gerade hat die Stadtverwaltung die vorfristige Ablösung von Sanierungsbeträgen auf den Tisch bekommen. 857 000 Euro haben die Grundstücksbesitzer der Innenstadt schon freiwillig abgelöst. Zwar muss durch eine Änderung des Gutachtens davon ein Teil wieder zurückgezahlt werden.

Doch das vorzeitig bezahlte Geld darf die Stadt noch in ihrem Sanierungsgebiet Innenstadt bis 2014 einsetzen. "Da geht noch was. Im Prinzip wäre hier auch für den neuen Eigentümer und seine Pläne am Obermarkt 22 durchaus noch eine Förderung in letzter Minute aus dem Sanierungsprogramm Innenstadt möglich. Wir sollten uns, sobald die Pläne des Käufers konkret sind mit der Stadtentwicklungsgesellschaft Dresden (Steg), die uns als Sanierungsträger fachlich begleitet, zusammensetzen", regt Baudezernent Thomas Hanns an.

Seit 22 Jahren steht das Eckhaus am Obermarkt 22 leer. In besten Zeiten war hier das Café Ecke untergebracht. Seit Jahren konnte die Immobilie nur notdürftig gesichert werden mit Netzen gegen Tauben und brückelnde Gebäudeteile.

Wenn diese Ruine jetzt einem Ersatzneubau weicht, bleibt auf der Muldeninsel im Stadtzentrum nur noch die unansehnliche ehemaligen Zoohandlung in der Marktstraße übrig.

Es wäre das Ende eines leidigen Kapitels, das die Döbelner Innenstadt seit den Bemühungen zur Innenstadtsanierung umtreibt. Mit Beginn der aufwändigen Sanierung von Ober- und Niedermarkt konnte sich die Stadtverwaltung zumeist auf Immobilienbesitzer verlassen, die die Komplexität der Muldeninsel-Entwicklung erkannten und in die Sanierung der Gebäude investierten. Nicht immer geht das so selbstverständlich. Nicht immer gibt es eine Flut, die Förder- und Versicherungsgelder ins Kapital spült. Und nicht immer gelingt dem Eigentümer die erfolgreiche Vermarktung seiner Immobilien.

Welche Hintergründe dafür gesorgt haben, dass der Dornröschenschlaf am Objekt Obermarkt 22 über zwei Jahrzehnte dauerte, ist für die gute Nachricht letztlich unwichtig und Privatangelegenheit. Wichtig allein ist das Bekenntnis aus dem Rathaus, hier auch als Kommune förderlich zu unterstützen. Ein Bekenntnis, das durchaus beim Wort genommen werden darf. Denn in Sachen Innenstadtsanierung hat Döbeln wenig anbrennen lassen und die Ansprüche sehr früh sehr hoch gelegt. Der Makel am Obermarkt blieb bislang fehlendes Puzzlestück - es scheint gefunden.

t.lieb@lvz.de

Von Thomas Lieb

Thomas Sparrer

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