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Oktober 1990: Ostraus Gewerbegebiet macht Schule

25 Jahre DAZ Oktober 1990: Ostraus Gewerbegebiet macht Schule

Die DAZ begeht am 1. August ihren 25. Geburtstag. Für die Redaktion ist das Anlass, in den nächsten Wochen in loser Folge auf besondere Ereignisse, Orte und Menschen dieser Zeit zurückzublicken. Heute im Fokus: Das Gewerbegebiet Ostrau.

Der Hammer-Fachmarkt war 1991 das erste Unternehmen auf dem Ostrauer Gewerbegebiet. Noch heute ist er da und der Gewerbeverband nutzt den Vorplatz für seinen Markt alle sechs Wochen.

Quelle: Chronik Ostrau 1190-2015

Ostrau. Es war nicht nur das erste seiner Art im damaligen Landkreis Döbeln, sondern ist auch eine der großen Erfolgsgeschichten für die Gemeinde, es seinerzeit selbst in Auftrag gegeben hat. Die meisten Unternehmen von damals sind bis heute geblieben. Bernd Sonntag, Chef des Gewerbeverbandes Ostrau, blickt auf die Entwicklung des Standortes an der B 169 zurück.

Die Bauflächen im Groben

Die Bauflächen im Groben: So sah der Plan auf der Werbetafel für das Gewerbegebiet 1990 aus.

Quelle: Chronik Ostrau 1190-2015

Für den ganzen Kreis Döbeln ist der 17. Oktober 1990 ein historischer Tag. Genau zwei Wochen nach Unterzeichnung des Einheitsvertrages zwischen der Bundesrepublik und der nun endgültig dahingeschiedenen DDR, wird der erste Spatenstich für das Gewerbegebiet Ostrau getan. „Wir haben gesagt, wir brauchen ein Gewerbegebiet. Wir haben die B 169 und es ist nicht weit zur Autobahn“, erinnert sich Bernd Sonntag, heute Vorsitzender des Ostrauer Gewerbeverbandes, lebhaft an die Diskussionen im am 31. Mai 1990 neu gewählten Gemeinderat mit Bürgermeister Manfred Kiefer an der Spitze. Kiefer war einer der großen Befürworter für das Gewerbegebiet, hatte in den unvorhersehbaren Zeiten nach 1989 den Weitblick in dieser Frage.

„Wie bei jedem Vorhaben gab es Befürworter und Gegner. Nach 26 Jahren kann ich sagen, es war richtig, es so zu machen, sonst wäre die Gemeinde viel schlechter gestellt“, ist Sonntag überzeugt. Allein die derzeit 22 Unternehmen auf dem Areal brachten 2015 1,2 Millionen Euro Gewerbesteuer in die Gemeindekasse. Auch ein Grund dafür, dass die Kommune im Vergleich zu anderen Landgemeinden finanziell gut dasteht und fleißig seine Schulden aus der Nachwendezeit abbaut. Zum Vergleich: 1991 lagen die Gewerbesteuereinnahmen gerade einmal bei 300 000 D-Mark – für die gesamte Gemeinde.

Mitten auf dem Feld neben Bundesstraße entsteht in sechs Monaten Bauzeit das Gewerbegebiet mit Straßen, Wasser- und Stromanschlüssen. Zuerst eingezogen ist Mitte Oktober 1991 die Unternehmensgruppe Schlau und Hammer. Der Hammer-Fachmarkt für Malerbedarf und Innenausbau steht noch heute auf dem Gelände und feiert seinen 25. Geburtstag mit einem großen Fest am 23. Oktober. Auch andere Firmen der ersten Stunde wie Huf Hülsbeck & Fürst (heute: Quick Mix), die düfa Farben und Lackfabrik oder m+a Rohr- und Warmluftanlagen haben noch das runde Jubiläum vor sich.

Anders ergeht es dem ersten Lebensmitteldiscounter der Gemeinde. Der Plus-Supermarkt besteht bis 2010, seither steht die 600 Quadratmeter große Filiale leer. „Der Gewerbeverband bemüht sich sehr, dort wieder etwas hineinzubekommen. Doch die Strategien der Großmärkte haben sich in 20 Jahren sehr geändert. Es wird kaum noch unter 800 Quadratmeter Verkaufsfläche gearbeitet“, erklärt Sonntag. Zudem stehe das Objekt in zweiter Reihe und habe zu wenige Parkplätze. Ähnlich schwierig sei es im Fall des leer stehenden früheren Schlecker-Marktes. Hier hofft Sonntag zumindest auf einen neuen Drogisten in den nächsten Jahren.

Doch die Erfolgsgeschichten des Gewerbegebietes überwiegen. Einmalig in der Region ist die Wein- und Sektkelterei Ostrau, die bis heute mit ihrem Werksverkauf mittwochs und freitags die Anwohner anzieht. Hier werden Weine aus aller Welt veredelt und abgefüllt, bevor sie in Supermärkten in Deutschland und Osteuropa landen.

Beim Nachlesen im DAZ-Archiv sind zum Thema Gewerbegebiet aus heutiger Sicht auch einige Schmunzler zu finden. Ein Beispiel: Am 18. April 1997 konnte die DAZ verkünden, dass die Telekom endlich eingelenkt habe und einen öffentlichen Fernsprecher für das Gewerbegebiet plane. Zuvor hatte es in Ostrau nur eine Telefonzelle gegeben. Erster Satz damals: „Anlieger und Geschäftsleute im Ostrauer Gewerbegebiet fordern schon lange einen öffentlichen Fernsprecher, damit Kraftfahrer und andere Durchreisende nicht ständig in den Geschäften darum bitten müssen, dringende Anrufe tätigen zu dürfen“.

Eine Zäsur, die weitaus länger Bestand haben dürfte, erlebt das Gewerbegebiet derzeit. Das komplette Areal wird von Öl- auf Gasversorgung für die Beheizung der Unternehmen umgestellt. 20 Unternehmen beteiligen sich. Eine große Ausdehnung des Areals ist dagegen nicht mehr vorgesehen. Für zwei bis drei neue Firmen wäre noch Platz. in 25 Jahren wissen wir mehr.

Von Sebastian Fink

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