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Opelfahrer soll Radlerin umgefahren haben – Richter stellt Verfahren ein

Prozess nach Unfall in Döbeln Opelfahrer soll Radlerin umgefahren haben – Richter stellt Verfahren ein

Eine Sekunde unaufmerksam und schon hat es gekracht. Ein Mensch ist schwer verletzt und man ist schuld daran, wird womöglich bestraft. Sobald der Motor läuft, sitzt jeder Autofahrer mit einer Backe seines Hinterteils auf der Anklagebank. Aber nicht alle Strafprozesse enden auch mit Strafurteilen, wie der Fall eines 54-jährigen Döbelners zeigt.

Wegen fahrlässiger Körperverletzung war jetzt 54-jähriger Döbelner angeklagt. Er soll eine Radfahrerin auf der Bursgtraße in Döbeln umgefahren haben. Die brach sich bei dem Sturz einen Lendenwirbel, ist aber zum Glück nicht querschnittsgelähmt.

Quelle: dpa

Döbeln. Den 7. Oktober 2015 wird eine 62-Jährige Döbelnerin nicht so schnell vergessen. Sie stürzte mit dem Fahrrad auf der Burgstraße, brach sich einen Lendenwirbel. „Platten und Schrauben habe ich seitdem drin“, sagte die Frau jetzt im Amtsgericht Döbeln. Dort saß ein 54-Jähriger Döbelner auf der Anklagebank. Er habe nicht richtig aufgepasst und sei deswegen mit der Frau auf dem Rad kollidiert, als er von der Ausfahrt des Arbeitsamtes mit seinem Opel-Astra auf die Burgstraße fahren wollte. So legte es ihm Staatsanwalt Maximilian Schneider zur Last. Der Mann hatte bereits ein schriftliches Urteil ohne Hauptverhandlung namens Strafbefehl kassiert. Demnach sollte er 20 Tagessätze á 50 Euro Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung zahlen. Dagegen hatte der Opelfahrer Einspruch eingelegt. Und so verhandelte Strafrichter Janko Ehrlich die Sache.

Falschradeln in der Einbahnstraße?

„Bevor ich auf die Burgstraße eingebogen bin, habe ich angehalten, habe nochmal auf die Straße geschaut. Dann habe ich einen Schatten gesehen“, sagte der Mann. Er habe wahrgenommen, wie etwas seinen Wagen streifte und eine Frau auf einem Fahrrad gesehen. „Die ist noch ein Stück gefahren und dann umgekippt. Und ich dachte: Um Gottes Willen, jetzt hast Du jemanden umgefahren“, sagte der 54-Jährige. Nach dem Sturz der Frau verhielt er sich vorbildlich. Anstatt abzuhauen, wie dies nicht gerade wenige Autofahrer nach einem Unfall tun, kümmerte sich der Mann um die Verletzte, brachte eine Decke für die auf der Straße Liegende. Ein anderer Kraftfahrer legte ihr ein Kissen unter den Kopf. Der Opelfahrer hatte nicht mit den schweren Verletzungen gerechnet. „Ich dachte, sie hat Schürfwunden, wollte sie ins Krankenhaus fahren.“ Die Frau schilderte, sie sei mit Rad auf dem Radweg gefahren, dann kam ein Auto die Arbeitsausfahrt hochgefahren, sie wollte ausweichen und sei gestürzt. Sie sei stadteinwärts geradelt – also entgegen der Fahrtrichtung der Einbahnstraße. „Dürfen Sie das denn?“, fragte Richter Ehrlich. Die Frau ging davon aus, das sie nichts falsch gemacht habe, sagte aber, dass es auch sein könne, dass sie in die andere Richtung unterwegs gewesen sei. Später legte sie sich wieder auf eine stadteinwärtige Fahrtrichtung fest.

Geschädigte am Unfall mitschuldig?

Die Frage des Richters lenkte den Blick jedoch auf die missverständliche Verkehrsregelung für den Radwegstreifen an der Burgstraße. Bei der Polizei steht ein Schild, der ihn als beidseitig ausweist. Etwa 50 Meter vor dem Kreisel endet der Weg und in diesem Bereich steht auch kein weiteres Schild mehr, wie der Radweg in Einbahnstraße zu befahren ist. Staatsanwalt Schneider hatte sich vor der Verhandlung bei einer Zuschauerin kundig gemacht. Die Frau war der Meinung, man dürfe auf dem Burgstraßenradweg nicht stadteinwärts fahren. Schließlich habe sie einmal ein Polizist darauf hingewiesen. Der Staatsanwalt unterstellte, dass dies stimmt. Damit sei die Geschädigte mitschuldig am Unfall. Er regte an, das Verfahren gegen eine Geldaufauflage wegen geringer Schuld einzustellen. Dieses Angebot anzunehmen, konnte Rechtsanwalt Karsten Opitz seinem Mandanten erfolgreich vermitteln. Während er dies in einer Verhandlungspause tat, entspann sich eine rege Diskussion unter den Zuschauern und der gestürzten Radfahrerin, ob man auf der Burgstraße nun stadteinwärts radeln darf oder nicht

„Jeder Mensch macht Fehler“

Der Opelfahrer sollte nun die 500 Euro schwere Geldauflage abstottern. Wenn er dies getan haben wird, wird er weiterhin als unschuldig am Sturz der Frau gelten. Schließlich hat ihn das Gericht ja nicht schuldig gesprochen und verurteilt. Die gestürzte Radlerin war übrigens nicht sonderlich interessiert daran, dass der Autofahrer bestraft wird. Ihren Strafantrag hatte sie zurück genommen. „Jeder Mensch macht Fehler. Was habe ich davon, ihn anzuzeigen?“

Von Dirk Wurzel

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