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Döbeln Unglaublich: Menschensohn taucht in voller Kirche spurlos unter
Region Döbeln Unglaublich: Menschensohn taucht in voller Kirche spurlos unter
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00:01 03.04.2018
Da muss den Erzengeln etwas einfallen... Osterspiel in der Kirche Niederstriegis. Quelle: Steffi Robak
Niederstrriegis

Das Wichtige zuerst: Das blutige Gemetzel bleibt den Kirchgängern erspart. Beim Osterspiel geht es nicht ums Foltern. Es geht stattdessen ums Wesentliche. Also zurück zum Anfang. Schließlich hatte alles vielversprechend begonnen, mit Halleluja und „Euch ist heute der Heiland geboren“. Das war neulich zu Weihnachten, immer wieder gern wahrgenommener Anlass für den einzigen Kirchenbesuch des Jahres. Und dann das...

Ein Menschenleben später

Was sich ungefähr ein Menschenleben nach dem großen Halleluja an einem Wochenende im Frühling in Jerusalem abspielt - wer weiß das schon so genau. Macht nichts, es ist trotzdem der Stoff, aus dem die Evangelien sind und das Osterspiel in der Kirche von Niederstriegis. Hartmut Günther vom Männerkreis der Kirchgemeinde schreibt seit mehreren Jahren immer mal wieder ein Drehbuch dafür. Am Montag war die Kirche voll.

Nach dem Schlimmsten kommt das Unglaubliche

Das elende Ende vom vorangegangenen Kapitel liegt also knapp drei Tage zurück. Den damals Beteiligten stecken Entsetzen und Enttäuschung in allen Knochen. Die desaströse Bilanz: Der hochgelobte Heiland ans Kreuz genagelt, die beiden Marien am Boden zerstört, die meisten Jünger von der Bildfläche verschwunden. Was zu dem Zeitpunkt niemand auf dem Schirm hat: Da kommt noch Unglaubliches hinterher.

Kommentar: Das darf man, aber nur in der Kirche

Die Frage nach dem: „Darf man das?“ stellt sich durchaus zum Osterspiel in der Niederstriegiser Kirche. An Krippenspielen moderner Art hat sich schon mancher gestoßen, der es am liebsten ganz traditionell und konservativ mit Hirten und Engeln haben möchte, bloß nicht irgendwie modern. Als würden Kirche und Glauben nicht in die heutige Zeit passen. Da hat schon so mancher seine Schritte enttäuscht nach Hause gewendet nach dem Motto: Da geht man nun einmal im Jahr in die Kirche, und dann bekommt man dort nicht mal das Erwartete geboten. Dabei gab es in Niederstriegis durchaus das Erwartete. Osterspiele gibt es dort bereits seit vielen Jahren. Wohl gemerkt, keine Passionsspiele, und das ist auch gut so. Das biblische Szenario wartet schließlich mit extrem brutalen Details auf, so viel zu Karfreitag. Stellt sich die Frage: Darf man das Ostergeschehen ab dem Sonntag auf unterhaltsame Art darstellen? Natürlich darf man das in gewissen Grenzen, erst recht in der Kirche, wo das Menschen tun, die der Thematik nahe stehen. Jene also, denen die Gotteslästerung nicht aus jedem Knopfloch blitzt. Die das demnach einschätzen können, wie sie das entscheidende Kapitel der frohen Botschaft für ihre Mitmenschen nachvollziehbar verpacken. Und wenn das dann auch den Skeptikern etwas zu denken und zu erzählen gibt – um so besser.

Engel auf dem Baugerüst

Das ist für den Autor des Stückes eine harte Nummer: Wie bringt man eine Auferstehung den Zuschauern nahe? Geburt - damit können die Meisten etwas anfangen, das ist jedem schon passiert. Aber Auferstehen... Auf den ersten Blick sind die Bedingungen in der Kirche von Niederstriegis hervorragend: Erstens: Das verbarrikadierte Steingrab. Zweitens: Die römischen Soldaten, die einen Leichenraub verhindern sollen. Drittens: Engel. Ziemlich unbiblisch auf dem Baugerüst in Höhe der Predigtkanzel, stehen sie für die Menschen wahrnehmbar über den Dingen. Aber das täuscht.

Da ging echt was schief

Versetzt man sich in die Lage der damals Beteiligten, am Sonntagmorgen nach der Kreuzigung etwa zu Sonnenaufgang, hatte die Situation das Zeug zum „Ach du lieber Himmel, da ging mächtig was schief.“ Schwer zu glauben, dass aus dem Gestorbenen noch der große, verheißene Retter werden würde. Der kann sich ja nicht einmal selbst helfen. Im Gegensatz zu den Gottesdienstbesuchern weiß zu dem Zeitpunkt noch niemand, wie die Sache ausgeht.

Einer hat direkten Draht nach oben

Die Engel Gabriel und Michael jedenfalls sind mit der Gesamtsituation unzufrieden. Weihnachten das volle Programm mit Glanz und Gloria, und dann das hier. Der Dritte aus dem Schnellen Engel Kommando SEK Nahost, mit dem Namen wie aus der Waschmittelwerbung, hat als einziger den heißen Draht zu weiter oben. Per Telefon und Email empfängt Ariel Nachrichten, gibt den beiden anderen Anweisungen wie: „Jungs, ihr müsst da runter und was machen...“

Kurz vor der Entgleisung

Dann gehts per Himmelsleiter am Baugerüst hinab ins irdische Jerusalem. Die Aktion der Erzengel bei der Öffnung der Grabeshöhle persifliert einen Olsenbanden-Coup, mit Zündschnur und Dynamit. Da droht kurz die humoreske Entgleisung. Aber egal, die Soldaten müssen ausgeschaltet und der Stein beiseite geschafft werden, schließlich soll sich gleich eine Prophezeiung erfüllen, wie sie im Buche steht. Wie die Erzengel das lösen – das muss ihnen selber einfallen.

Wird schon irgendwie

Wenngleich die Szene in der Form bei den katholischen Passionsspielen in Oberammergau oder für evangelikale Kreise undenkbar wäre - im Mutterland der Reformation ist sie weder unfreiwillig komisch noch absichtlich brüskierend. Alles bleibt nah am Text. Die Engel handeln schließlich aus einer gewissen Ratlosigkeit - eben wie Menschen. Fakt ist: In einer Situation, die es so noch nicht gab, tun sie, was sie können. Irgendwie wird es schon werden.

Ende des Unglaubens kommt beim Handeln

Der Auftritt von Jesus, Tage nach seiner Kreuzigung, ist dann auch so ein eher stiller Hit: Seinen Jüngern begegnet er als gewöhnlicher Alltags-Typ, jemand aus ihrer Mitte. Und dort taucht er dann auch wieder unter, mitten unter den Menschen, in der voll besetzten Kirche. Die Jünger kommen erst später drauf, wen sie vor sich hatten, da ist es schon zu spät. Oder auch nicht, denn dran glauben kann man ja trotzdem noch, und es weiter erzählen. Nach dem Stück wird Günther den Anwesenden einen Satz mit auf den Weg geben, der sowohl auf die Stelle mit den Engeln als auch auf die mit den Jüngern passt, also auf die Menschen: Das Ende des Unglaubens kommt nicht beim Sehen, sondern beim Handeln - also beim Weitersagen.

Von Steffi Robak

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