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Döbeln Ostrauer bringen 1156 Spender auf die Beine
Region Döbeln Ostrauer bringen 1156 Spender auf die Beine
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19:47 10.04.2016
Ulrich Dürasch und Ulrich Horn von den Ostrauer Kalkwerken (r.) übergaben einen 40 000 Euro-Scheck an Bürgermeister Dirk Schilling, Konstanze Burkhard und Theresa Wolf. Quelle: Sven Bartsch
Ostrau

Diese Zahl ist eine Sensation. 1156 Menschen ließen sich gestern in der Schulturnhalle in Ostrau für die Deutsche Knochenmark-Spenderdatei typisieren. „Das ist ein supertolles Ergebnis“, strahlte Ostraus Bürgermeister Dirk Schilling mit Konstanze Burghard von der DKMS und mit Theresa Wolf um die Wette. Theresa hatte mit ihrem Lebensgefährtin Felix Pittelkow die Typisierungsaktion für ihre Mutter Beate Wolf angeschoben. Die 46-jährige Verkäuferin aus Ostrau ist im Ort bekannt und beliebt. Am 2. Februar hatte sie die Diagnose Leukämie erhalten. Eine Stammzellenspende könnte ihr Leben retten. Doch dafür muss ein geeigneter Spende gefunden werden.

Mit den 1156 neu typisierten Menschen ist diese Suche gestern ein ganzes Stück weiter gekommen. Es war gegen 15.10 Uhr als die Menschen und die ehrenamtlichen Helfer in der Sporthalle einen Countdown rückwärts zählten. Da war die 1000. Vier-Millimeter-Blutprobe abgenommen und damit die Zielstellung, in Ostrau 1000 neue Spender zu gewinnen, erreicht. Bis 16.10 Uhr wuchs die Zahl um weitere 156 registrierte potenzielle Knochenmarkspender an. Und noch ein Rekord kann die kleine Gemeinde Ostrau seit gestern für sich verbuchen. Die Kosten für die Typisierungen von etwa 40 Euro pro Blutprobe sind definitiv Dank vieler kleiner und größerer Spender schon bezahlt. „Das ist einfach irre, was hier in einem so kleinen Dorf, weit außerhalb der Großstädte auf die Beine gestellt wurde“, ist Konstanze Burkhard von der DKMS tief beeindruckt. Fast 5000 Euro Spenden gingen schon im Vorfeld der Aktion auf dem eigens von der Gemeinde Ostrau eingerichteten Spendenkonto ein. Ein Scheck über glatte 40 000 Euro überreichten zudem gestern die beiden Geschäftsführer der Ostrauer Kalkwerke, Ulrich Dürasch und Ulrich Horn, an die DKMS. „Es ist eine tolle Aktion, die in jedem Falle Menschen hilft, den Blutkrebs zu besiegen. Natürlich hoffen wir ganz fest, dass für Beate Wolf ein geeigneter Spender dabei ist“, so die beiden Geschäftsführer. Beate Wolfs Vater arbeitete einst bei den Ostrauer Kalkwerken.

Unzählige Menschen, ganze Familien, Vereine und Gruppen lässt das Schicksal von Beate Wolf nicht kalt. Sie kamen ab 11 Uhr in Scharen. Die erste Mannschaft des Roßweiner SV traf sich vor dem Spiel in Naunhof extra eine Stunde früher in Ostrau. Alle Spieler und Mannschaftsbetreuer ließen sich in die Armbeuge pieksen. „Wir haben als Sportler im Verein auch eine soziale Verantwortung. Und die geht über Stadt- und Vereinsgrenzen hinaus“, sagen Fußballabteilungsleiter Jens Arnold und der stellvertretende Mannschaftsleiter René Müller. Mitspieler Benjamin Brambor vom gleichnamigen Pflegedienst übergab eine 900 Euro-Spende für die Typisierungskosten der Roßweiner Fußball. Weiteres Geld hatten sie in den letzten Wochen bei ihren Fußballspielen in Spendenbüchsen gesammelt.

Zimmerermeister Mike Sachse (45) und seine Frau Anja aus Pulsitz kamen in Familie zur Typisierung. „Mein Schwiegervater ist vor einigen Jahren an Krebs gestorben. Wer das einmal erlebt hat, weiß wie wichtig es ist, etwas gegen Krebs zu unternehmen“, sagt er. Holger Dahms aus Ostrau hat ebenfalls ein Röhrchen Blut abgegeben. „Wir haben das Glück Gesund zu sein. Deshalb wollen wir davon etwas abgeben, damit Beate Wolf oder auch andere Erkrankte gesund werden können“, sagt er. Gleich im Trupp rückten Kameraden der Döbelner Feuerwehr an. „Das ist eine tolle Aktion und so haben wir uns ganz privat und spontan entschlossen dabei zu sein“, so Heiko Hentschel.

Ulrich Thiel aus Mochau war mit weiteren Motorradfreunden nach Ostrau geknattert, um sich typisieren zu lassen. Wie viele andere auch lobte er die perfekte Organisation. An zehn Tischen wurden Fragebögen ausgefüllt und Spenderdaten aufgenommen. An einer zweiten Station kontrollierten Ehrenamtliche die Daten nach und verwalteten zwei zum Schluss sehr gut gefüllte Spendenbehältnisse. Station drei sicherten zahlreiche Freiwillige aus medizinischen Berufen ab, darunter Krankenschwestern des Klinikums Döbeln. Oberärztin Dr. Claudia Eichhorn vom Klinikum stand für alle Fälle bereit, falls einem Spender beim Blutabnehmen, schlecht wird. An einer vierten Station wurden schließlich, die mit einem Barcode versehenen Röhrchen entgegengenommen und ein vorläufiger Spenderausweise der DKMS ausgestellt.

Im benachbarten Jugendclub Ostrau hatten die Erzieherinnen der Ostrauer Kindertagesstätte sowie Verkäuferinnen der Bäckerei Jung an einem riesigen Kuchenbasar Position bezogen. Von Eltern der Kindereinrichtung sowie von vielen Ostrauern gebackener Kuchen wurde hier zugunsten der Typisierungsaktion verkauft. Die Freiwillige Feuerwehr Ostrau sorgte am Grill fürs leibliche Wohl, am Nachmittag lösten die Kameraden der Ortswehr Rittmitz sie ab.

„Hier geht was“, hatte Ostraus Bürgermeister Dirk Schilling bei der Organisation der Spendenaktion gegenüber der DKMS betont. „Wir sind ein dynamischer Ort und eine tolle Region. Das hat sich heute bewiesen“ sagte Schilling am Ende der Aktion. Radiomoderator Thomas Böttcher vom Sender R.SA hatte der Bürgermeister eine Wette angeboten. „Wenn wir keine 1000 Spender schaffen, moderiere ich für ihn in einer Morgensendung. Schaffen wir es moderieren Thomas Böttcher und Uwe Fischer beim Ostrauer Kartoffelfest am 17. September. Thomas Böttcher, der mit seiner Frau Nancy am Nachmittag privat zu der Spendenaktion kam, versprach im Terminkalender zu schauen, ob der 17. September noch frei ist.

Die 1156 Blutproben aus Ostrau gehen jetzt nach Köln und werden in den Labors der DKMS ausgewertet. Die Spender erhalten per Post noch ihren druckfrischen Spenderausweis und sind dann in der weltweiten Datenbank registriert. „Es war eine tolle und komplett ehrenamtlich organisierte Aktion. Wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt“, verspricht DKMS-Sprecherin Konstanze Burkhard.

Beate Wolf geht es den Umständen entsprechend. Weil ihr Immunsystem in der Hoffnung auf eine mögliche Stammzellenspende bereits heruntergefahren wurde, konnte sie aufgrund der damit verbundenen Infektionsgefahr nicht vorbeikommen. „Sie hätte heute sicher gern, viele Hände gedrückt. Aber so viel Kontakt wäre im Moment sehr riskant“, so ihre Tochter Theresa, die sich in ihrem Namen bedankte.

Von Thomas Sparrer

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