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Ostraus Bürgermeister: "Vermieden, Königsmacher zu bedienen"

Ostraus Bürgermeister: "Vermieden, Königsmacher zu bedienen"

"Ich habe heute frei genommen, mich rasiert, angefangen meine Plakate abzuhängen und nicht damit gerechnet, wie viele Anrufe und Glückwunsch-SMS ich bekomme.

Döbeln/Ostrau.

 

Ich glaube, darauf kann man sich gar nicht vorbereiten", räumt Dirk Schilling (CDU) ein. Die DAZ sprach mit dem neu gewählten Ostrauer Bürgermeister.

Frage: Herr Schilling, wie fühlen Sie sich nach der Wahl zum Bürgermeister der Gemeinde Ostrau?

Dirk Schilling: Ich bin erleichtert, bei zwei Gegenkandidaten können einem auch Zweifel kommen. Ich bin froh, dass der Wahlsieg mit deutlichem Abstand entschieden wurde - das lässt keine Fragen offen. Ich hätte einen anderen Ausgang ebenfalls sportlich genommen.

Was unterscheidet diesen Montag vom Montag letzter Woche?

Vergangenen Montag stellte ich mich auf eine schwierige Ortschaftsratssitzung in Schrebitz ein. Dort wurde ich mit vielen, ehemaligen Entscheidungen konfrontiert. Der Wahlkampf lief - letzte Plakate wurden angebracht. Heute entferne ich sie. Nach einer spontanen Wahlparty habe ich kurz, aber recht gut geschlafen. Ich hatte schon unruhigere Nächte...

Hatten Sie Wahlkampfstress?

Ich bin es durch meine Arbeit im Gemeinderat und die Mitgliedschaft in Vereinen gewohnt, fast jeden Abend bei einer anderen Veranstaltung zu sein. Für mich ist das normal. Es stellt sich aber schon die Frage, was man tun kann, um die Menschen von seinen Ideen zu überzeugen, ohne leere Versprechungen zu machen. Ich habe gesagt, was geht oder nicht geht und dabei vermieden, Königsmacher zu bedienen.

Was war anders am Wahlkampf vor sieben Jahren?

Der lief unter anderen Vorzeichen. Ich hatte mich gezeigt und danach Konstanz bewiesen, vielleicht hat mir das diesmal zum Vorteil gereicht. Damals stand ein Wahlsieg nicht wirklich zur Debatte. Diesmal hatte ich eine Niederlage nicht eingeplant - die Hoffnung auf einen solchen Ausgang war durchaus da. Positiv überraschte mich der Wahlkampf vom Newcomer Tino Sachse.

Wie geht es nach dem Wahlkampf für Sie weiter?

Ich mache meinen Job zunächst weiter, daneben das Tagesgeschäft als Gemeinderat und zweiter stellvertretender Bürgermeister, bis zur Amtseinführung im April. Ich möchte den Übergang als gleitenden Prozess gestalten. Ein genaues Datum zum Ausscheiden aus meiner jetzigen beruflichen Tätigkeit ist noch nicht festgelegt. Der Rückhalt unter den Kollegen und seitens des Arbeitgebers waren herausragend, wie auch jetzt die Resonanz auf meine Wahl. Das berührt mich stark. Mit der amtierenden Bürgermeisterin Frau Reibig ist eine Amtseinführung geplant. Außerdem werde ich den einen oder anderen Lehrgang besuchen. Das wäre kein Muss, aber in dieser verantwortungsvollen Position, wird es nicht ausbleiben. Ein gesundes Maß an Präsenz als Bürgermeister und Weiterbildung ist mir wichtig.

Gibt es politische Vorbilder an denen Sie sich mit Ihrer Arbeit orientieren?

Vorbilder in dem Sinne gibt es nicht, ich möchte nichts kopieren. Generell respektiere ich eher Menschen, die in der Lage sind, schwierige Situationen und verantwortungsvolle Tätigkeiten mit Ruhe und Souveränität zu bewältigen. Ich hätte kein Problem damit, in verschiedenen Angelegenheiten andere Amtskollegen um Rat zu fragen. Ich bin niemand, der Harmonie um jeden Preis braucht. Grenzen müssen manchmal aufgezeigt werden. Das Wohl der Gesamtgemeinde sollte über persönlichen Befindlichkeiten stehen. Mit einem erhöhten Kommunikationsniveau sind Probleme eher lösbar. Eine klare Positionierung ist besser als eine Stimmenthaltung. Ich habe mir schon im Kreistag diesen Luxus nicht geleistet und werde auch als Bürgermeister eine eigene Meinung vertreten.

Was wird für Sie die erste Herausforderung im neuen Amt sein?

Dass ich mich gut ins Amt einfinde. Ich möchte als Chef nicht im Vordergrund stehen, sondern der Verwaltung viel Eigenverantwortung übertragen. Das heißt nicht, dass alles im freien Lauf funktioniert. Ich bin loyal und verlange das natürlich von anderen.

Welches sind die wichtigsten Themen auf der Agenda als Bürgermeister?

Ich muss keine Themen erfinden, die gibt es natürlich schon. Die Einführung der Doppik ist ein solcher Punkt; die Fördermittel für den Schulneubau. Da haben wir aufgrund der zahlreichen Fördertöpfe ein großes Plus. Ein bauwilliger Investor für einen Supermarkt in der Oschatzer Straße steht in den Startlöchern. Jetzt hängt es am Genehmigungsverfahren, denn das Gelände liegt in der Trinkwasserschutzzone.

Müssen die Jahnataler Blasmusikanten in Zukunft auf Sie verzichten?

Nein, ich empfinde das nicht als Belastung. Im Gegenteil: Ich brauche die Musik und die Musiker mehr, als sie mich. Ich schöpfe aus diesem Hobby viel Kraft. Es ist fast wie eine Sucht und das gemeinsame Musizieren ist wie Zusammenarbeiten an einem guten Ziel.

Ihre Frau hat Sie mit einem Geschenk zur Wahl überrascht. Was gibt es im Gegenzug zum Valentinstag?

Ja, ich bekam Karten für ein Udo Lindenberg Konzert. Normalerweise schenken wir uns nichts, sondern unternehmen etwas gemeinsam. Wir wollten eigentlich essen gehen, aber heute ist Gemeinderatssitzung.

Interview:

 

 

Ostrauer Wahlausschuss bestätigt Endergebnis

q 3315 Wahlberechtigte

q 1845 Wähler, davon 221 Briefwähler

q 1819 gültige Stimmen, 26 ungültige Stimmen

q Wahlbeteiligung: 55,7 Prozent (Wahl 2005: zirka 63 Prozent)

q Dirk Schilling: 1080 Stimmen,

(59,4 Prozent)

q Torsten Boin: 461 Stimmen,

(25,3 Prozent)

q Tino Sachse: 278 Stimmen,

(15,3 Prozent)

q Damit wird festgestellt, dass Dirk Schilling mit 1080 gültigen Stimmen mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten hat und somit zum Bürgermeister der Gemeinde Ostrau gewählt ist.Quelle: Gemeindeverwaltung Ostrau

Natasha G. Allner

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