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Otzdorfer Damm: Schützt er mehr, als er kostet?

Hochwasserschutz Otzdorfer Damm: Schützt er mehr, als er kostet?

Bevor der im Januar 2011 gebrochene Hochwasserschutzdamm neu gebaut werden kann, ist eine Kosten-Nutzen-Analyse erforderlich. Diese und zudem umfangreiche Vermessungen für den Damm hat der Technische Ausschuss der Stadt Roßwein jetzt in Auftrag gegeben.

Das Otzdorfer Dammbauwerk hielt einem Hochwasser im Januar 2011 nicht stand.

Quelle: Wolfgang Sens

Otzdorf/Rosswein. Bevor der im Januar 2011 gebrochene Hochwasserschutzdamm neu gebaut werden kann, ist eine Kosten-Nutzen-Analyse erforderlich. Diese und zudem umfangreiche Vermessungen für den Damm hat der Technische Ausschuss der Stadt Roßwein jetzt in Auftrag gegeben.

Der Niederstriegiser Ortsvorsteher Heinz Martin (Freie Wähler) ist kein eifriger Kirchgänger. Doch Gebete gen Himmel schicken, das möchte er in letzter Zeit bestimmt hin und wieder. Zum einen Stoßgebete, dass es hoffentlich bald mit dem Neubau des geborstenen Dammes losgehen kann. Zum an deren Dankes-Gebete, dass die Otzdorfer Region in den letzten Jahren weitgehend von Hochwasserereignissen verschont geblieben ist. „Wir haben bislang Glück gehabt, sollten es aber auch nicht zulange herausfordern“, sagt Martin.

Der jetzt kaputte Damm im Südosten von Otzdorf war erst 2008 errichtet worden. Zuvor hatten extreme Niederschläge den sonst dahin plätschernden Eulitzbach zu einem reißenden Fluss anschwellen lassen, der dann Grundstücke, Häuser, Anlagen und Wege überflutete. Das Dammbauwerk sollte Abhilfe schaffen, hielt aber Anfang 2011 selbst den Wassermassen nicht stand. Es gab im Nachhinein viele Untersuchungen. Haftbar gemacht wurde für die Katastrophe niemand. Es sei nicht nachweisbar, ob jemand bei der Planung und/oder der Ausführung Fehler begangen hat, hieß es erst wieder in der jüngsten Ausschusssitzung.

In dieser gingen die Räte zumindest einen nächsten Schritt, um den Damm neu errichten zu können, was rund eine halbe Million Euro kosten würde. „Es geht hier noch nicht um den Bau selbst“, warnte allerdings Roßweins Bauamtsleiterin Petra Steurer vor vorschneller Euphorie. Eine Kosten-Nutzen-Analyse muss nach den aktuell gültigen Richtlinien her, um an Fördermittel für den Dammbau zu kommen. Rechtfertigen die zu schützenden Werte entlang des Fließgewässers die hohen Kosten, die ein Dammbau mit sich bringt? Diese Frage soll geklärt werden. Dabei sieht die Analyse unter anderem das Aufstellen eines digitalen Geländemodells für das Untersuchungsgebiet und Wasserspiegellagenberechnungen für den Zustand mit und ohne Schutzdamm vor. Dafür sind Vermessungen notwendig, die der Ausschuss ebenfalls in Auftrag gab. Analyse und Vermessung kosten zusammen rund 47 700 Euro, was förderfähig wäre, wenn es zum Dammbau kommt.

Bei der Analyse wird übrigens nicht nur Otzdorf betrachtet. Der Eulitzbach geht in den Rudelsdorfer Bach über, dieses Gewässer mündet in den Gebersbach und der wiederum in der Waldheimer Niederstadt in die Zschopau. Bis dorthin müssen die Untersuchungen erfolgen. Denn ein Damm am Rand von Otzdorf würde sich nicht nur auf diesen Ort, sondern auch auf nachfolgende Anrainer der Bachläufer auswirken.

„So eine Analyse muss es doch auch schon vor dem ersten Dammbau gegeben haben“, wollte Stadtrat Hubert Paßehr (CDU) wissen. „Es gab Planungen und Genehmigungen. Aber Untersuchungen der Bachgebiete waren damals nicht erforderlich“, erklärte Heinz Martin. „Und was passiert, wenn die Kosten-Nutzen-Analyse ergibt, dass kein Damm gebaut wird. Bleiben wir dann auf den Planungskosten sitzen?“, fragte Stadträtin Iris Claassen. „Wir bekommen dann keine Fördermittel“, bestätigte Roßweins Bürgermeister Veit Lindner. Darauf Ortsvorsteher Martin: „Wenn gesagt wird, der Dammbau ist nicht notwendig, dann hieße das für uns, gegen den Freistaat klagen zu müssen. Denn seinerzeit ist der Damm genehmigt worden. Es wäre idiotisch, wenn es jetzt nicht zum Neubau käme.“

Von Olaf Büchel

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