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Döbeln Per Drehleiter zurück ins Nest
Region Döbeln Per Drehleiter zurück ins Nest
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23:07 23.06.2014

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Dafür sorgten gestern Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer, Stadtwehrleiter Thomas Harnisch, Feuerwehr-Maschinist Uwe Frenzel und Naturschützer Ingolf Pönitz aus Waldheim.

Wie zum Dank kreisten gestern Nachmittag das Falkenpärchen und einer der jungen Falken um den Rathausturm sowie den Balkon am Dienstzimmer des Oberbürgermeisters. Die Falkenfamilie, die in einem der insgesamt drei Nisthilfen im Rathaus lebt, ist wieder vollzählig.

Die Chronologie der Rettung: Am Sonntagvormittag nach dem Stadtfesttrubel machen Anwohner den Oberbürgermeister auf den kleinen Falken aufmerksam, der völlig erschöpft seit dem frühen Morgen auf einem Autodach in der Marktstraße hockt. Mit einem Tuch und einem Katzenkorb fängt ihn Stadtoberhaupt Hans-Joachim Egerer ein. Tierärztin Dr. Sabine Franz in Döbeln-Ost hat Wochenendbereitschaft und kümmert sich um den kleinen Kerl. Er ist unverletzt, aber erschöpft und verängstigt. Am Sonntagnachmittag treffen sich die Tierärztin und der Oberbürgermeister beim Stadtfest. Falco, wie der kleine Falke zwischenzeitlich genannt wird, hat bei Sabine Franz gut gefressen und erholt sich schnell. Die Idee wird geboren: Er soll irgendwie zurück in sein Nest gebracht werden.

Am Abend nimmt der Oberbürgermeister Kontakt zu seinem alten Freund Ingolf Pönitz auf. Gemeinsam haben die beiden Männer einst den Beruf des Werkzeugmachers erlernt. Ingolf Pönitz (59) war viele Jahre im Sachgebiet Naturschutz des Landratsamtes Döbeln tätig und gilt als Experte für Greifvögel. Er soll helfen, den kleinen Falken nach Hause zu bringen.

Am Montagmorgen beginnt die Operation "Falco". Im Rathaus wird in die drei Nistkästen geschaut, die für die Falken aus Naturschutzgründen Anfang der 90-er Jahre errichtet wurden. Gleichzeitig sollten die Falken als natürliche Taubenabwehr rund um das sanierte Rathaus dienen. Zwei der Kästen befinden sich im Rathausturm, einer an der Giebelseite über dem Ratskeller. Der Kasten am Giebel ist bewohnt. Hinter der mit Stoff verhangenen Plexiglasscheibe am hölzernen Nistkasten sind drei Jungfalken zu sehen. Ganz sicher ist Falco der vierte der Geschwister.

Mit der Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr Döbeln wird am Vormittag ausprobiert, ob das Einflugloch von außen erreicht werden kann.

Um 15 Uhr ist es so weit: Bei Tierärztin Dr. Sabine Franz wird der Jungfalke abgeholt. Maschinist Uwe Frenzel bringt die Drehleiter der Feuerwehr in Position. Ingolf Pönitz und Stadtwehrleiter Thomas Harnisch fahren im Korb der Leiter mit dem kleinen Falken im Käfig die 18 Meter hinauf zum Einflugloch der Falkenwohnung. Vorsichtig nimmt Ingolf Pönitz das Jungtier und setzt es in das Nest. Alles klappt. "Ein toller Moment. Aus dieser Perspektive habe ich ein Falkennest noch nie gesehen", sagt Ingolf Pönitz gerührt.

Als die Leiter mit den beiden Männern wieder herunterfährt, sitzt ein anderer Jungfalke vor dem Einflugloch und putzt sich. Die Falken-Eltern kommen laut rufend angeflogen. Mit dem wahrscheinlich ältesten der Jungtiere drehen sie, wie zum Dank, eine Runde um das Rathaus. Begeistert schauen die Falken-Retter von unten zu. "Es war ganz toll, dass du mich angerufen hast und ich dabei sein konnte", bedankt sich Ingolf Pönitz bei Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer.

Der Naturfreund schätzt, dass die Falkenmutter Ende April im Abstand von einigen Tagen die Eier ins Nest gelegt und mit dem Brüten begonnen hat. Nach 28 Tagen schlüpfen die kleinen Falken. Durch die unterschiedlichen Legetage sind die Jungvögel auch unterschiedlich entwickelt. Es könnte sein, dass der bei seinen ersten Flugversuchen völlig erschöpfte Falco so etwas wie das Nesthäkchen der Falkenfamilie ist.

Normalerweise fliegen die jungen Turmfalken nach 28 bis 32 Tagen aus und sind dann auf sich gestellt. Das könnte bei Nesthäkchen Falco in den nächsten zwei Wochen so weit sein.

Die Rettung des Jungfalken hat in den sozialen Netzwerken Begeisterungsstürme ausgelöst. Kommentare von DAZ-Facebook:

Berno Ploß: "Ich wusste es, der OB ist ein Grüner!"

Kari Wa: "Super gemacht...."

Rene Förster: "Ganz große Klasse, na dass der Retter gerade der OB ist, ist sicherlich Zufall. Aber er hat dem jungen Greifvogel geholfen und das sagt mir, dass der OB ein Herz für Tiere hat. Das ist das Wichtigste."

Rene Kordos: "Sehr gut, nur dass die Altvögel ihre Jungen weiter füttern. Selbst wenn sie nicht mehr im Nest sind."

Matthias Herr von Mildenstein: "mal gute presse."

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