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Döbeln Personalnot in Mockritzer Kindertagesstätte
Region Döbeln Personalnot in Mockritzer Kindertagesstätte
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00:19 30.07.2017
Die Personalnot in der Mockritzer Kindertagesstätte ist akut. Zuletzt musste eine Verwaltungsmitarbeiterin aushelfen. Quelle: dpa
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Mockritz

Der Arbeitsmarkt der Erzieher ist leer. Das musste Cornelia Weichold, die das Haupt- und Personalamt der Gemeinde Großweitzschen leitet, auf die harte Tour erfahren. In der Kindertagesstätte in Mockritz fehlt es in Sachen Personal an allen Ecken und Enden. Vier Krankmeldungen zeitgleich, unqualifizierte Vertretungen – das rief Eltern betroffener Kinder der Einrichtung auf den Plan. Sie äußerten ihre Bedenken in Richtung Gemeindeverwaltung. Als Anlass dient die Aushilfe einer Verwaltungsmitarbeiterin, die kurzfristig in der Mockritzer Kita einsprang. „Ich hätte die Einrichtung sonst schließen müssen“, betont Cornelia Weichold. Das Problem: Die Verwaltungsmitarbeiterin genoss keine pädagogische Ausbildung. Doch den Eltern geht es nicht darum, eben jene Mitarbeiterin an den Pranger zu stellen. Im Gegenteil: „Sie macht das toll. Die Kinder lieben sie. Aber das kann doch keine Lösung sein. Wir bezahlen 100 Prozent, bekommen dafür aber nicht die volle Leistung“, richtete sich Susan Braune als betroffene Mutter an die Gemeindeverwaltung. Ständig wechselndes Personal, dazu noch kurzfristige Änderungen. „Oft erfahren wir erst am selben Tag, wenn es personelle Schwierigkeiten gibt. Da wünschen wir uns einfach, informiert zu werden“, ergänzt Tobias Kühn. „Wir richten derzeit unseren Alltag nach der Kita. Das geht nicht.“ So müssen die Eltern derzeit in Listen eintragen, wann sie ihre Kinder in die Mockritzer Einrichtung bringen. „Das hilft uns, eine gewisse Planungssicherheit zu bekommen“, so Bürgermeister Ulrich Fleischer (parteilos). Oftmals lasse sich aber eben nicht wochen- oder tagelang voraussagen, wann das Kind in der Einrichtung ist und wann es eben doch zuhause bleiben kann.

Betreuungsschlüssel ist Kernproblem

Das Kernproblem sei das zu geringe Personal. Stichwort: Betreuungsschlüssel. Der beträgt in Sachsen aktuell 1:5 in der Krippe, das heißt, eine vollbeschäftigte pädagogische Fachkraft für fünf Kinder. Sieben sind es aktuell in der Krippe in Mockritz. Ab nächstem Jahr steigt die Zahl der Krippenkinder sogar auf zehn. „Die Erzieherinnen wechseln durch die Gruppen, da muss Beständigkeit her“, so Susan Braune. Cornelia Weichold von der Gemeindeverwaltung kümmerte sich bereits um eine zusätzliche Kraft. „Der Arbeitsmarkt an Erzieherinnen ist leer. Und von den wenigen, die sich beworben haben, habe ich vier Absagen bekommen.“ Trotzdem werde ab dem 1. August eine Fachkraft eingestellt, so Weichold. Den entsprechenden Beschluss fassten die Gemeinderäte in ihrer Sitzung am vergangenen Dienstag.

Knapp auf Kante kalkuliert

Susan Braune: „Das ist alles so knapp auf Kante kalkuliert. Was ist, wenn in Zukunft mal wieder ein Engpass entsteht?“ Eine Verwaltungsmitarbeiterin als Aushilfe kann nicht die Lösung sein. Stattdessen brachten die anwesenden Eltern Vorschläge, die zur Entspannung der Lage führen könnten. Zum einen wäre es denkbar, Rentner einzustellen, die die pädagogischen Fachkräfte unterstützen. Der Bürgermeister regte an, in den Nachbargemeinden nach freien Erzieher-Kapazitäten anzufragen. „Das im Notfall gehandelt werden muss, ist völlig klar. Aber das sollte nicht zur Gewohnheit werden. Es muss eine Lösung gefunden werden“, so Tobias Kühn. Eben jene Lösung soll die ab nächster Woche angestellte Fachkraft sein. Bei vier Krankmeldungen gleichzeitig erscheint das dennoch nur wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Und auch hier führt vieles wieder zum Betreuungsschlüssel zurück. Zu wenig Personal führt zu mehr Arbeit, das wiederum zu Überlastung und Ausfällen. Ein Teufelskreis. Ändern kann das die Gemeinde Großweitzschen nicht. Stattdessen müsse man sich an den Freistaat Sachsen wenden, denn der gibt den Betreuungsschlüssel vor. „Der ist zu knapp bemessen. Urlaub und Krankheit werden dort gar nicht eingerechnet“, weiß Gemeinderätin Susann Munz. Sie schlug vor, das Bundesprogramm „KitaPlus“ genauer zu studieren. Möglicherweise gebe es dort Chancen, Förderungen für mehr Betreuungspersonal zu bekommen.

Von Stephanie Helm

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