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Döbeln Personalsschlüssel ohne Aussagekraft
Region Döbeln Personalsschlüssel ohne Aussagekraft
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23:21 29.01.2014

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"Der Schlüssel bedeutet nicht, dass ab dem siebenten anwesenden Krippenkind in der Gruppe zwingend eine zweite Erzieherin eingesetzt werden muss oder in der Kindergartengruppe für 14 Kinder zwei Betreuer da sein müssen", sagt dazu Birgit Hummitzsch, Amtsleiterin für Schulen, Soziales und Familie. In der vergangenen Woche hatte die DAZ von Problemen in der Kindertagesstätte Spatzennest in Ziegra berichtet und den Personalschlüssel, den die Stadt auch streng überwacht, genau so gedeutet. In mehreren Kindereinrichtungen der Stadt hatten daraufhin Eltern aber auch Erzieher vorgesprochen und mehr Personal gefordert, weil in der Gruppe mit ihren Kindern gerade eine Erzieherin mehr als sechs Kleinstkinder oder mehr als 13 Kindergartenkinder zwischen drei und sechs zu betreuen habe.

Auch Rosemarie Mager, Leiterin des Kinderhauses am Holländer e.V. in Döbeln-Nord, der zweitgrößten Kindereinrichtung der Stadt, bekam das zu spüren. "Wir richten gerade aufgrund des großen Bedarfs eine zusätzliche Kinderkrippengruppe ein und strukturieren deshalb auch mehrere Gruppen um. Wir wollen vor allem den Eltern entgegenkommen, die aufgrund ihres Berufes schnell wieder Arbeiten gehen wollen", so die Einrichtungschefin. Die neue Krippengruppe wird acht Kleinstkinder haben und es werden auf den Tag verteilt eben nicht wie vermutet, immer zwei pädagogische Fachkräfte dafür da sein, sondern eine. "Das sagt der Personalsschlüssel von 1 zu 6 im Krippenbereich auch gar nicht aus", so Rosemarie Mager. Doch es sei eben schwer, das den Eltern zu erklären.

Amtsleiterin Birgit Hummitzsch aus dem Döbelner Rathaus kennt dieses Problem: "So einfach wie viele glauben, ist es mit dem Personalschlüssel nicht. Das Kindertagesstättengesetz legt den Personalschlüssel fest. Darin sind aber Urlaub, Weiterbildungstage und auch durchschnittliche Krankheitstage ein­gerechnet", so Birgit Hummitzsch. Das Rathaus erfasst jeden Monat für alle städtischen Kindereinrichtungen die Kinderzahlen der verschiedenen ­Altersgruppen und die Betreuungsdauer. Das sind im Kindergarten und Krippenbereich bis zu neun Stunden, im Hortbereich bis zu sechs Stunden. Über dieses Zahlenwerk wird dann der Personalschlüssel gelegt, um den Personalbedarf jeder Einrichtung zu ermitteln. Der Einsatz der Leute variiert dann auch tagsüber, etwa in den ganz frühen Morgenstunden und den späteren Nachmittagsstunden. "Der Personalschlüssel ist dafür entscheidend, wieviele Vollzeitstellen die Einrichtung vorhalten muss. Urlaubs, Weiterbildungs- und Krankheitstage der Beschäftigten stecken in diesem Schlüsselwert mit drin. Das heißt im Klartext, dass es für eine Erzieherin durchaus überschaubar ist, auch mal acht oder neun Krippenkinder über eine bestimmte Zeit zu betreuen oder 17 Kindergartenkinder", so Hummitzsch.

Das Kinderhaus Am Holländer, als frei getragene Einrichtung, verfährt genauso. Anhand aller angemeldeten Kinder, der Betreuungsdauer je Kind und der Altersgruppen ergibt sich ein aktueller Personalbedarf von 21,287 Fachkräften in der Einrichtung. 21,4 solcher Stellen hält die Einrichtung aktuell vor. Errechneter Personalbedarf und tatsächlich angestellte Erzieher sollten dabei möglichst wenig voneinander abweichen, denn die von Stadt, Eltern und Land finanzierten Betreuungskosten müssen die Gesamtkosten eines Betreuungsplatzes decken. Das würden die Eltern ansonsten auch in höheren Elternbeiträgen zu spüren bekommen, die jährlich vom Stadtrat anhand der tatsächlichen Kosten pro Betreuungsplatz angepasst werden müssen.

Eine Maximalzahl, wofür eine Erzieherin in der Gruppe die Obergrenze an zu betreuenden Kindern ist, hat der Gesetzgeber so ganz offensichtlich vermieden.

Auch Ute Behrisch, Leiterin des Evangelischen Kindergartens in Döbeln, kennt das Problem. Der Schlüssel von eins zu sechs in der Krippe oder eins zu 13 im Kindergarten ist eine Planungsgröße. "Viele Kinder werden in der Einrichtung jeden Tag neun Stunden betreut. Denn viele Eltern legen zu ihrer Vollzeitstelle lange Wege zurück. Sie sind darauf einfach angewiesen. Unsere Erzieherinnen arbeiten acht Stunden am Tag. Schon das muss im Personalschlüssel ausgeglichen werden", so die Leiterin. Eine Erzieherin mit acht Kinderkrippenkinden und im Kindergartenbereich eine Erzieherin mit 16 oder auch mal 18 Kindern seien normal in ihrer Einrichtung, wobei durch das offene Gruppenkonzept viel Ausgleichen möglich sei. Ute Behrisch wünschte sich, dass Eltern und Erzieher in einem Boot sitzen und nicht gegeneinander arbeiten, wenn es um einen besseren Personalschlüssel geht. "Der sächsische Bildungsplan für Kindertagesstätten ist sehr gut und sehr anspruchsvoll. Dafür brauchte man durchaus mehr zeitliche Ressourcen zur Vorbereitung oder für Elternarbeit etwa", findet sie. Sie weiß aber auch, dass ein besserer Betreuungsschlüssel sich ganz schnell auch auf die Höhe der Elternbeiträge durchschlagen würde. "Das ist ein schmaler Grat", so Ute Behrisch.

Thomas Sparrer

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