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Döbeln Pferd statt Diesel: Roßweiner Gerüstbauer warnen vor Fahrverbot
Region Döbeln Pferd statt Diesel: Roßweiner Gerüstbauer warnen vor Fahrverbot
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19:03 11.09.2018
Dirk Eckart, Geschäftsführer der Roßweiner Gerüstbaufirma (r.), mit Kolonnenführer Markus Muschke an der Baustelle „Spin Tower“ in Frankfurt am Main. Quelle: meeco Communication Services
Frankfurt/Rosswein

Blankes Entsetzen herrscht bei Gemeinhardt Gerüstbau Service. Der Grund: das vorige Woche richterlich verhängte Dieselfahrverbot für Frankfurt/Main, das ab nächstem Jahr gelten soll. Das Gerüstbau-Unternehmen mit Stammsitz in Roßwein hat Niederlassungen in Braunschweig und in Frankfurt, ist damit direkt betroffen.

Schwarze Wolken ziehen auf

„Für Frankfurt und unser Unternehmen sehen wir schwarze Wolken aufziehen“, sagt Ingolf Stuber, Leiter der Frankfurter Niederlassung. „Mit drei Fahrzeugen unserer Flotte dürften wir aufgrund des Gerichtsurteils demnächst nicht mehr ins Stadtzentrum fahren. Da Nachrüsten nicht möglich ist, müssten wir uns neue Lkw zulegen“, erklärt Stuber weiter. Bei einem Stückpreis von rund 100 000 Euro sei das nicht gleich umsetzbar.

Nach dem Motto „Zurück ins Mittelalter“ hatte die Firma erst kürzlich eine Aufsehen erregende Aktion in der hessischen Bankenmetropole gestartet. Mitarbeiter transportierten große und schwere Gerüstteile nicht mit dem Laster, sondern mit dem Pferdefuhrwerk in die Frankfurter Innenstadt. Nachdem sie ein Spezialgerüst von Deutschlands ältester von der Bahn befahrenen Steinbogenbrücke über die Nidda in Frankfurt-Nied abgebaut hatten, kutschierten die Gerüstbauer die Teile acht Kilometer weit bis zum Spin-Tower in der Nähe des Hauptbahnhofes. Für die Fahrt braucht ein Lkw normalerweise rund 20 Minuten, ein Fuhrwerk benötigt zwei Stunden. Der Lkw schafft locker 15 Tonnen bei einer Tour, das Pferdegespann muss mehrfach fahren.

Mittelstand aufrütteln

„Mit dieser Aktion wollten wir den Mittelstand in Deutschland aufrütteln, sich von der Politik nicht alles gefallen zu lassen. Der von uns initiierte Protest richtet sich gegen das scheinbar nicht mehr aufzuhaltende und nicht nur für uns Handwerker existenzbedrohende Diesel-Fahrverbot“, sagt Ingolf Stuber.

Für die Firmenleitung sei es nicht nachzuvollziehen, wie man aufgrund solcher Urteile Firmen dazu zwingt, ihre Dieselfahrzeuge stillzulegen.

Fahrverbot nicht hinnehmbar

„Ein Fahrverbot wäre für uns nicht hinnehmbar. Unsere acht Mitarbeiter in der Frankfurter Region müssen bis zu 120 Baustellen gleichzeitig händeln können. Da es zudem immer schwieriger wird, fähige Fachkräfte zu finden, wäre das Dieselfahrverbot tödlich viele deutsche Handwerksfirmen“, verdeutlicht Dirk Eckart, Geschäftsführer von Gemeinhardt Gerüstbau Service.

Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hatte nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe vorigen Mittwoch entschieden, dass Dieselautos mit den Abgasnormen Euro 1 bis 4 ab 1. Februar 2019 nicht mehr in Frankfurt fahren dürfen. Sieben Monate später beginnt das Verbot für Diesel der Klasse 5. Die zu hohen Stickstoffdioxid-Emissionen soll so verringert werden.

Von Olaf Büchel

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