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Philharmonie wandelt auf neuen Pfaden: Weihnachtskonzert im Theater

Philharmonie wandelt auf neuen Pfaden: Weihnachtskonzert im Theater

Das Weihnachtskonzert der Mittelsächsischen Philharmonie hielt einige Überraschungen bereit. Schon beim Lesen des Programmzettels wurde den Besuchern klar: Endlich mal ein Konzert abseits des völlig ausgetretenen Bach-Oratoriums.

Die Mittelsächsische Philharmonie hielt im Konzert am zweiten Weihnachtstag einige unerwartete Stücke bereit. Dabei hatte sich Generalmusikdirektor Jan-Michael Horstmann zwar im wahrsten Sinne des Wortes vergriffen - im übertragenen Sinne aber ganz und gar nicht.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. Barockmusik aus Deutschland, Frankreich und Italien war zu hören. Generalmusidirektor Jan-Michael Horstmann suchte Kompositionen von Marc-Antoine Charpentier, Arcangelo Corelli und Antonio Vivaldi heraus. Sicher: Bach durfte bei einem Weihnachtskonzert nicht fehlen. Allerdings spielte Horstmann mit den Streichern der Philharmonie Werke von Johann Georg Bach. Das ist ein Cousin des bekannten Thomaskantors. Auf den stieß Horstmann eher zufällig. Wie er während des Konzerts erklärte, wollte er eigentlich Ouvertüren des berühmten Cousins kaufen, legte sich aber Aufnahmen von Johann Georg in den Korb. Vergriffen hatte er sich nicht - wie sich im Theater im Bürgersaal (TiB) herausstellte, dort wurde das Weihnachtskonzert in diesem Jahr aufgeführt. Vielmehr war es wohltuend, einmal andere Klänge als die ach so oft gespielten zu hören. Erst recht als Horstmann Charpentier ankündigte. Die Besucher sollten sich vorstellen, sie säßen im Spiegelsaal des Schlosses Versailles und bekämen von jemandem ein Glas Champagner gereicht. Eine wahrlich meisterliche Gedächtnisleistung, die Horstmann einforderte, angesichts des spärlich eingerichteten TiB und des immer wieder zu hörende Motorenlärms von der angrenzenden Straße. Aber spätestens als die ersten Streicher der Philharmonie und Horstmann am Cembalo die ersten Noten spielten, erstrahlte der schwarze Saal im hellen französischen Lichterglanz. Die Besucher ließen sich ins Reich des Sonnenkönigs entführen und genossen die Kompositionen.

Horstmann versprach Überraschungen. Und lieferte. Der Generalmusikdirektor nahm den Mund nicht zu voll, als er die Fagottistin Mei-Chu Lai ankündigte. Sie sei neu im Ensemble. Dafür schillernd. Gleich zu Beginn ihres Auftritts, sie hatte ihrem Instrument noch nicht einen Ton entlockt, entlockte sie den anwesenden Damen einige Ahs und Ohs. Sie kam in einem beerenfarbenen Traum von Abendkleid, das so manches Frauenauge noch etwas mehr strahlen ließ. Und als sie dann auch noch bewies, dass sie ihr Fagott allzu meisterlich beherrscht, brachen alle Dämme.

Mei-Chu Lai interpretierte die eher unbekannten Vivaldi-Kompostionen für Fagott spielerisch leicht. Fast schon tänzerisch glitt sie über die Tastatur ihres Instruments. Selbst der dauerlächelnde Horstmann strahlte nach dieser Darbietung noch ein bisschen mehr. Einzelne Zuhörer forderten eine Zugabe. Die leider von der Musikerin nicht gewährt wurde. Dafür gab es noch einige Stücke von Corelli. Der voluminöse Abschluss des Weihnachtskonzertes. Fast zumindest. Denn ganz zum Schluss musste Horstmann noch eine Überraschung auspacken. Betrat doch noch ein paar ausgetretene Pfade und stimmte mit der Philharmonie "O, du fröhliche" und "Vom Himmel hoch" an. Okay, es ist Weihnachten, das muss dann wohl sein. Mancher Besucher jedenfalls schien es noch einmal zu genießen und präsentierte seine eigenen Sangeskünste.

Heiko Stets

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