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Pillen-Anschlag in Döbeln: Angeklagte scheitert in der Berufung

Justiz Pillen-Anschlag in Döbeln: Angeklagte scheitert in der Berufung

Auch das Landgericht Chemnitz ist überzeugt, dass eine 42-jährige Döbelnerin auf ihre Arbeitskollegen in einem Schweinezuchtbetrieb einen Pillen-Anschlag verübt hatte.

Mit dem starken Beruhigungsmittel Tavor hat eine 42-jährige Döbelnerin ihre Arbeitskollegen vergiftet. Das stand nun auch in der zweiten Gerichtsinstanz fest, die sich mit dem Fall beschäftigte.

Quelle: Dirk Wurzel

Döbeln/Chemnitz. Mit dem starken Beruhigungsmittel Tavor hat eine 42-Jährige in einem Döbelner Schweinezuchtbetrieb Schindluder getrieben. Das steht nun auch nach der Berufungsverhandlung am Landgericht Chemnitz fest. Dort verhandelte am Montag die 6. Kleine Strafkammer unter Vorsitz von Richter Kay-Uwe Sander den Fall in zweiter Instanz. „Die Kammer hat die Berufung im wesentlichen verworfen. Es ist bei dem Strafmaß des Amtsgerichtes geblieben“, teilt Marika Lang, Richterin am Landgericht und dessen Pressesprecherin, auf Nachfrage der Döbelner Allgemeinen Zeitung mit. Tavor oder Lorazepam ist deutlich stärker als der im Faustan beziehungsweise Valium enthaltende Wirkstoff Diazepam. Es wird als Psychopharmaka eingesetzt, zum Beispiel um stark erregte Patienten zu beruhigen.

Rabatt bei Gesamtstrafe

Mehrfach hatte die Deutsche ihre Arbeitskollegen mit dem starken Beruhigungsmittel vergiftet. Das stand für Strafrichterin Christa Weik im August vergangenen Jahres im Amtsgericht Döbeln fest. Sie sprach die Frau der mehrfacher gefährlichen Körperverletzung schuldig und verurteilte sie zu 14 Monaten bedingter Haft. Zwei Jahre dauert die Bewährungszeit. Den Unterschied zur einfachen Körperverletzung macht hier die Tatsache aus, dass die 42-Jährige ihre Kollegen mit dem Tavor vergiftet hatte. Sie hätte sie auch mit einem Knüppel oder gemeinsam mit anderen verprügeln können, um in den Genuss des höheren Strafrahmens kommen zu können, den das Gesetz für die gefährliche Körperverletzung vorsieht. Der beginnt bei sechs Monaten Haft. Weil das Gericht nicht einfach addiert, wenn es eine Gesamtstrafe für mehrere Taten bildet, spiegelt das Strafmaß nicht die ganze Bandbreite der strafbaren Handlungen wieder, die das Gericht der Angeklagten nachweisen konnte. Bei Gesamtstrafen gibt es Rabatt.

Der Tatnachweise ging bei der Frau aus Döbeln nur über die Indizien. Ihr Verteidiger hatte bereits in der ersten Instanz am Amtsgericht Döbeln auf Freispruch plädiert, weil seiner Mandantin die Tatvorwürfe nicht nachzuweisen seien. Die Berufung gegen das anderslautende Urteil zielte naturgemäß auf Freispruch.

Sechs Mal mehr, als der Arzt verschreibt

Bereits der Prozess am Amtsgericht offenbarte eine weitgehend lückenlose Indizienkette. Einen Großteil der Ermittlungsarbeit haben die Kollegen in dem Betrieb geleistet. Nachdem sich der Verdacht erhärtet hatte, installierte der Abteilungsleiter eine Überwachungskamera im Pausenraum. Die Angeklagte hatte für ihre Kollegen meistens den Cappuccino zubereitet. Die Kameraüberwachung war nicht das einzige Mittel, mit der die Kollegen des Betriebes die Angeklagte zu überführen suchten. Die Mitarbeiterin, die sonst immer das Ziel der Giftpanscherei war, tauschte mit ihrer Kollegin den Kaffee. Der ging es dann schlecht. Die Hauptgeschädigte ging zum Drogenscreening, das positiv auf Lorazepam ausfiel. Außerdem stellten die Kollegen Cappuccino sicher, den die Polizei untersuchen ließ. Ergebnis: Eine Probe enthielt sechs Milligramm des Wirkstoffs. Höchstens zweieinhalb Milligramm verschreiben Mediziner bei Schlafstörungen.

Von Dirk Wurzel

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