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Döbeln PlusBus statt Zug: Regierung uneins über Nahverkehr nach Döbeln
Region Döbeln PlusBus statt Zug: Regierung uneins über Nahverkehr nach Döbeln
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09:17 13.07.2018
Mit dem Zug oder Bus nach Döbeln? Die sächsische Staatsregierung scheint über diese Frage entzweit. Quelle: Fotos/Montage: Sven Bartsch Fotograf
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Region Döbeln

Der Zug nach Meißen spaltet anscheinend die Regierung. Der Ministerpräsident will die Eisenbahn, das SPD-geführte Wirtschaftsministerium setzt auf den Bus. SPD-Leute in der Kommunalpolitik machen sich wiederum für den Zug stark.

Meißen für Bus

Matthias Rost wollte es wissen. Der Meißner Kreis- und Stadtrat ist ein richtige Eisenbahnfan. Und ein großer Kritiker der Stilllegung der Strecke zwischen Meißen und Döbeln durch den Zweckverband des Verkehrsverbundes Oberelbe (ZVOE). Als Matthias Rost von den Ankündigungen des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmar (CDU) in Freiberg hörte, er werde sich für eine Anbindung Döbelns an den Zugverkehr einsetzen – schließlich könne man nicht Landesbehörden wie den Rechnungshof im ländlichen Raum ansiedeln, diesen aber vom öffentlichen Personennahverkehr abkoppeln – fragte Matthias Rost im CDU-geführten Landratsamt Meißen nach und erkundigte sich nach aktuellen Sachstand auf der ehemaligen Linie der RB 110. Ergebnis: „Nach der Privatisierung der Strecke Meißen – Nossen hat der ZVOE die Bedingungen für eine Wiederaufnahme überprüft und die bisherige Entscheidung zur Abbestellung des Schienenpersonennahverkehrs bestätigt. Aktuelle Aktivitäten und Beschlusslagen zur Wiederaufnahme des Schienenpersonennahverkehrs auf dem gebiet des ZVOE gibt es nicht.“ Das teilte ihm die Meißner Vizelandrätin Janet Putz mit. In dem Antwortschreiben lobt sie den Busverkehr außerdem sehr.

Kreisrat Rost setzt auf Regionalexpress

„Das geht gar nicht!“, sagt Matthias Rost. „Eine ordentliche Verbindung nach Döbeln schafft man mit dem Bus nicht. Das geht nur mit einem Regionalexpress, der an den wichtigen Stationen Döbeln, Roßwein, Nossen und Meißen hält.“ Fragte Matthias Rost im Ministerium nach, dass sein Parteifreund Martin Dulig führt, würde er von dort auch Lobgesänge auf den Omnibus hören. „Das Gutachten war nach Auswertung unterschiedlicher Szenarien zu der Einschätzung gelangt, dass die Umstellung der SPNV-Leistungen zwischen Döbeln und Meißen auf ein räumlich und zeitlich verbessertes Busangebot die wirtschaftlich wie verkehrlich beste Lösung darstellt. Der Kostendeckungsgrad lag seinerzeit auf dem SPNV-Abschnitt unter zehn Prozent. Gemäß der Untersuchung erreichen Busangebote gleiche oder kürzere Reisezeiten nach Dresden, der Zuschussbedarf ist darüber hinaus wesentlich geringer“, antwortet Marco Henkel, Referent im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA), auf Nachfrage der DAZ.

WLan im Bus

Das Verkehrsministerium will die „Versorgung der Regionen Sachsens mit alltagstauglichen ÖPNV-Leistungen schnell und umfassend verbessern.“ Als wichtig gilt dem Ministerium dabei ein landesweites Busnetz aus Plus-Bus und Taktbus. „Von diesem untereinander und mit dem Schienenpersonennahverkehr vertakteten Busnetz würde auch Döbeln samt seines Umfeldes stark profitieren“, sagt Marco Henkel. Ein Konzept sieht nach seinen Worten vor, die Stadt Döbeln durch zwei PlusBus-Linien (Döbeln – Nossen – Dresden und Döbeln – Roßwein – Nossen - Freiberg) sowie zwei TaktBus-Linien (Meißen – Lommatzsch – Döbeln und Mügeln - Döbeln) anzubinden. In den Bussen sollen die Fahrgäste Fahrräder mitnehmen können und kabellos im Internet surfen können. Verkehren sollen sie einmal pro Stunde oder aller zwei Stunden.

Kommentar: Zug kann attraktiv sein

Woran soll man sich halten, bei den Aussagen über den Nahverkehr nach Döbeln aus Richtung Dresden? An das SPD-geführte sächsische Verkehrsministerium oder an CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer, der auf die Eisenbahn setzt?

Eher an Letzteren. Er hat die Richtlinienkompetenz und kann zur Not auch mal mit der Faust auf den Tisch hauen. Zudem dürften die Lobgesänge auf Busse aus Martin Duligs Verkehrsministerium Schläge ins Gesicht der SPD-Leute sein, die sich auf kommunaler Ebene für die Wiederbelebung des Zugverkehrs zwischen Döbeln und Meißen einsetzen. Fakt ist: Das Mittelzentrum Döbeln braucht mit seinem Umland eine zügige Anbindung an die Oberzentren. Ob Busse das leisten können, die dann über die Dörfer tuckern oder auf der Autobahn im Stau stehen, ist zweifelhaft. Das geht bei der Eisenbahn schneller, gescheit getaktet und ans Fahrgastaufkommen angepasst, vielleicht mit einem Zubringer-Bus kombiniert, kann das den Verkehr auf der Schiene attraktiver machen.

Der Verkehrsverbund Mitteldeutschland blickt über den Tellerrand. Brennstoffzellenzüge für nicht elektrifizierte Strecken sind angedacht. Leider ist in Döbeln Schicht, solange der Verkehrsverbund Oberelbe nur seine tollen S-Bahn-Verbindungen im Elbtal im Blick hat.

In der Staatskanzlei setzt man dagegen weiter auf den Zug. Auf die Frage der DAZ, ob Ministerpräsident Kretschmer zu seinem Wort steht, sich für die Wiederbelebung der Bahnstrecke zwischen Döbeln und Meißen einzusetzen, antwortet Regierungssprecher Ralph Schreiber: „Natürlich steht der Ministerpräsident zu seinem Wort.“

Von Dirk Wurzel

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