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Döbeln Nach Anschlag auf Döbelner AfD-Büro: Anwohner sind schockiert
Region Döbeln Nach Anschlag auf Döbelner AfD-Büro: Anwohner sind schockiert
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17:38 04.01.2019
Bei Jens Leopold zerstörte die Druckwelle der Explosion die Scheiben der Wohnzimmerfenster, als die Familie gerade beim Abendessen saß. Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Eine schwere Explosion hatte sich Donnerstagabend, gegen 19.20 Uhr, auf der Bahnhofstraße in Döbeln vor dem AfD-Büro ereignet. In diesem Zusammenhang nahm die Polizei noch am gleichen Abend drei tatverdächtige Personen vorläufig fest. Es handelt sich dabei um drei deutsche Männer im Alter von 29, 32 und 50 Jahren. „Die Festnahme erfolgte in Döbeln nach sofort eingeleiteten Fahndungsmaßnahmen“, sagte Kathlen Zink, stellvertretende Pressesprecherin des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen. Es soll sich um Personen handeln, die aus der Region stammen. Die Tatverdächtigen sind aber möglicherweise schon wieder auf freiem Fuß. Denn die Staatsanwaltschaft Chemnitz stellte keinen Haftantrag, wie eine Sprecherin Freitagnachmittag bestätigte. Die Haftgründe seien nicht ausreichend. Die Männer sind im Döbelner Revier vernommen worden und gelten weiterhin als tatverdächtig.

Erheblicher Sachschaden

Personen wurden bei der Explosion nicht verletzt. „Doch viel habe nicht gefehlt“, sagt Silke Forbrigger, Büroleiterin der AFD in Döbeln. „Wenige Sekunden vor dem Anschlag filmte die Kamera vor dem Schaufenster einen Passanten, der mit seinem Hund an der Leine vorbeiläuft. Den hätte es treffen können“, sagt sie noch immer schockiert. Silke Forbrigger war wenige Minuten nach dem Anschlag vor Ort. Sie übergab der Polizei auch einen Stick mit den Videoaufnahmen. „Darauf sind Personen mehrmals zu sehen, die offenbar vorher das Büro ausgekundschaftet haben. Auch nach dem Knall und dem Feuerball sind die wegrennenden Personen zu sehen“, sagt Rolf Weigand. Der Landtagsabgeordnete der AFD betreibt das Wahlkreisbüro gemeinsam mit seinem nach einem Schlaganfall noch erkrankten Bundestagskollegen Heiko Hessenkämper.

Am Gebäude, in dem sich im Erdgeschoss das Büro der AfD befindet, entstanden erhebliche Schäden, so an der Tür, am Rollladen und an der Fensterscheibe. Im Büro gerieten laut Polizei Werbematerialien in Brand. Der Brand konnte durch die herbeigeeilte Feuerwehr gelöscht werden. Durch die Explosion wurden außerdem das Nachbargebäude und zwei vor dem Gebäude geparkte Transporter beschädigt.

Mieter kamen mit Schrecken davon

„Ich wohne seit 43 Jahren in diesem Haus, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“, ist ein 77-jähriger Mieter noch immer schockiert. Sieglinde Schmidt (63) wohnt direkt über dem Büro und wollte gerade den vierjährigen Enkelsohn zu Bett bringen, als es heftig knallte. „Weil aus dem Büro unten Qualm kam, habe ich dem Kleinen Schuhe und Wintersachen über den Schlafanzug gezogen und wir sind mit ihm in den Döner-Imbiss gegenüber gegangen. Dort haben wir dann ausgeharrt, bis wir wieder ins Haus konnten“, erzählt sie.

Bei Jens und Sophie Leopold gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite hat die Druckwelle der Explosion zwei der Wohnzimmerfenster zertrümmert und das Schlafzimmerfenster beschädigt. Das Paar wartete gestern noch, dass die Schäden dokumentiert werden. Scherben und die abgestürzten Schwibbögen lagen noch im Wohnzimmer. Die Scheiben wurden notdürftig mit Folien abgedichtet.

„Wir saßen gerade beim Abendbrot. Unsere 17-jährige Tochter war gerade fertig und hatte ihren Platz unter dem Fenster gerade verlassen als es krachte und die Scherben ins Zimmer flogen. Sie hätte diese sonst abgekriegt“, schildert die Hausfrau. Ihr Mann Jens schimpft: „Wer macht so was und gefährdet Menschenleben“, fragt der Lagerist.

Verdacht auf politisch motivierte Straftat

Da wegen der herbeigeführten Explosion der Verdacht auf eine politisch motivierte Straftat bestand, informierte die Polizeidirektion Chemnitz sofort die Task Force Gewaltdelikte des Polizeilichen Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrums (PTAZ) im Landeskriminalamt Sachsen. „Die schnelle Einbindung der Task Force und die zielführenden polizeilichen Maßnahmen der Kollegen der Polizeidirektion Chemnitz führten sehr schnell zur Festnahme von drei Tatverdächtigen. Ich freue mich über diesen Ermittlungserfolg und sehe ihn als Ergebnis der intensivierten Zusammenarbeit zwischen den Polizeidienststellen und die konsequente Nutzung der polizeilichen Ressourcen!“, erklärte Petric Kleine, Präsident des LKA Sachsen. „Die Task Force verfügt über eine Rufbereitschaft, ist also rund um die Uhr erreichbar. Die Kräfte konnten somit schnell die Polizisten vor Ort unterstützen. Nun müssen wir sehen, wie dieses erste Ergebnis durch die weiteren Ermittlungen verfestigt werden kann“, ergänzt Polizeisprecherin Kathlen Zink. Diese Ermittlungen führen LKA-Beamte des Polizeilichen Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrums.

Schädigung von Menschen in Kauf genommen

In den zurückliegenden Wochen gab es etliche politisch motivierte Angriffe auf Büros der AfD in Sachsen, zum Beispiel in der Silvesternacht in Freiberg, vorher in Bautzen, Zittau oder in Riesa. Dabei handelte es sich vorwiegend um Sachbeschädigungen an den jeweiligen Gebäuden. Menschen kamen bislang nicht zu Schaden. „Der Anschlag auf das AfD-Büro in Döbeln ist aber insofern ein Novum, da durch die herbeigeführte Explosion die Schädigung von Menschen bewusst in Kauf genommen wurde“, erklärt Kathlen Zink vom LKA.

Der AfD-Landtagsabgeordnete Rolf Weigand bestätigt. „In der Silvesternacht war unser Freiberger Büro Ziel eines Angriffs und einige Wochen davor wurden uns in Mittweida die Scheiben des Büros eingeworfen. Aber das hier in Döbeln hat eine neue und extrem gefährliche Dimension bekommen. Wenn im Donnerstagabend in der durch mehrere Gaststätten recht belebten Straße hier Passanten im falschen Moment vorbeigegangen wären, hätte es Tote und Schwerverletzte geben können.“ Solche Angriffe auf Personen und Sachen nennt der AfD-Landtagsabgeordnete ein Armutszeugnis für die Demokratie. „Wir haben doch Debatten mit Worten zu führen, aber nicht mit Gewalt.“ Er hofft, dass der Rechtsstaat die Täter hart bestraft.

Oberbürgermeister ruft zu Besonnenheit auf

Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer äußerte sich am Freitag betroffen über das Geschehen an der Bahnhofstraße in Döbeln: „Leicht hätten bei der Aktion Personen zu Schaden kommen können.“ Die Freiwillige Feuerwehr Döbeln und das Ordnungsamt der Stadtverwaltung waren unmittelbar nach Bekanntwerden des Geschehens vor Ort und unterstützten die Polizei bei ihrer Arbeit. „Es ist inakzeptabel, unterschiedliche politische Auffassungen mit Gewalt auszutragen. Gewalt erzeugt häufig neue Gewalt. Es ist nun Besonnenheit gefordert in unserer ohnehin angespannten, emotionalen Zeit“, so Oberbürgermeister Egerer.

„Die CDU – Mittelsachsen verurteilt den Angriff auf das AfD – Büro in Döbeln auf das schärfste“, sagte der CDU-Kreischef und Landtagsabgeordnete Sven Liebhauser. Die politische Auseinandersetzung dürfe immer nur mit Worten, niemals aber mit Gewalt erfolgen! Mit solchen Straftaten wollten die Täter Angst und

Anwohner der Bahnhofstraße in Döbeln sind schockiert.

Beunruhigung in unserer Bevölkerung schüren. Das sei auch ein Angriff auf unsere Demokratie.

„Ich bin dankbar, dass keine Menschen bei dieser Explosion verletzt wurden und hoffe auf eine schnelle Aufklärung dieses Angriffes“, so Sven Liebhauser abschließend.

Kommentar: Mitmenschlichkeit ist die Antwort

Das war infam und gemeingefährlich. Wer eine solche Explosion vor einem Parteibüro auslöst, kann nicht damit rechnen, dass ein Gericht das als Dumme-Jungen-Streich mit Feuerwerksresten wertet. Sondern eher versuchter Mord. Die herbeigeführte Explosion war gemeingefährlich. Wer so handelt, nimmt billigend in Kauf, dabei Menschen zu töten. Mit Ablehnung der AfD hat so etwas nichts mehr zu tun. Deshalb meldeten sich zurecht nahezu alle Parteien zu Wort und verurteilten die Tat auf das Schärfste. Denn die Auseinandersetzung mit der AfD geht nur mit demokratischen Mitteln, mit Argumenten, keinesfalls mit Verbrechen. Auch allen, die in sozialen Netzwerken relativierten oder gar jubelten, sei ins Stammbuch geschrieben: Gewalt darf niemals ein Mittel der Auseinandersetzung sein, weder gegen Büros von Parteien oder Vereinen, ob links, rechts oder populistisch, noch gegen Zeitungsredaktionen, wie es auch diese Zeitung schon betraf.

Der Anschlag ist ein Schlag ins Gesicht aller, die sich mit demokratischen Mitteln mit der AfD auseinandersetzen. Denn eine solche gemeingefährliche, extremistische Aktion hat das Weltbild der Partei und ihrer Anhänger noch bestätigt. Das war also nicht nur ein Anschlag auf die AfD sondern auch einer auf alle ihre demokratischen Gegner.

Wenn jetzt etwas wichtig wäre, ganz gleich wo man politisch steht, dann wäre das ein Dialog miteinander und die Erkenntnis, dass jeder auch mit einer anderen Meinung in erster Linie ein Mitmensch und als solcher zu achten ist.

th.sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer und Olaf Büchel

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