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Polizeichef Wagner: „Roßwein ist eine ruhige Kleinstadt“

Kriminalität Polizeichef Wagner: „Roßwein ist eine ruhige Kleinstadt“

Die Zahl der Kriminalfälle ist 2016 in der Muldestadt gesunken. „Roßwein ist eine ruhige Kleinstadt“, sagte der Leiter der Polizeireviers Döbeln, Andrée Wagner, der in der Ratssitzung am Donnerstag die Kriminalstatistik öffentlich vorstellte. Er verschwieg dabei nicht, das viele Fälle mit dem mittlerweile aufgelösten Flüchtlingsheim zusammenhingen.

Die Polizei informiert über die Kriminalstatistik von Roßwein.

Quelle: Symbolbild

Rosswein. Die Zahl der Kriminalfälle ist 2016 in der Muldestadt gesunken. „Roßwein ist eine ruhige Kleinstadt“, sagte der Leiter des Polizeireviers Döbeln, Andrée Wagner, der in der Ratssitzung am Donnerstag die Kriminalstatistik öffentlich vorstellte. Er verschwieg dabei nicht, das viele Fälle mit dem mittlerweile aufgelösten Flüchtlingsheim zusammenhingen.

In Roßwein bestand laut Wagner im Vorjahr eine „große Diskrepanz zwischen der tatsächlichen und der gefühlten Kriminalität“. Mit 281 Fällen (2015: 339 Fälle; Rückgang um 17 Prozent) liege die Stadt hinter Döbeln, Waldheim und Leisnig erst an vierter Stelle. Viel von dieser gefühlten Gefahr, Opfer einer Straftat werden zu können, ist nach den Worten des Revierchefs „fremdgesteuert“ und „hochgepuscht“ gewesen. Er meinte damit einerseits die vorangegangenen flüchtlingsfeindlichen Demonstrationen in der Stadt: „Die 2015 gesäte Saat ist aufgegangen.“ Aber auch die nach Wagners Auffassung unverhältnismäßige Berichterstattung einer Tageszeitung zu diesen Themen habe dazu beigetragen. Berichte, wonach sich Roßweiner nachts nicht mehr auf die Straße trauten oder die sich mit einer Schlägerei vor einer Diskothek befassten, waren nach seiner Meinung überzogen: „In Deutschland gibt es vor Diskotheken täglich Schlägereien. Diese mediale Aufmerksamkeit hatte Roßwein insgesamt nicht verdient.“

Der Revierchef appellierte an jeden einzelnen, seinem gesunden Menschenverstand zu vertrauen und sich auch mal zu fragen: „Was habe ich selbst erlebt? Was hat meine Familie erlebt?“

Andrée Wagner verschwieg auf der anderen Seite nicht, dass es etliche Vorfälle im damaligen Flüchtlingsheim an der Döbelner Straße gab, mit denen sich die Polizei auseinandersetzen musste und die die Roßweiner Kriminalitätsstatistik negativ beeinflussten. „Da waren Menschen aus Nationen aus halb Asien untergebracht“, beschreibt der Revierleiter das damalige Konfliktpotenzial. So gab es beispielsweise bei Körperverletzungen einen Anstieg von 28 auf 55 Fälle, der vor allem auf das Heim zurückgeht. Streit über die Auslegung des Korans oder die Absicht, durch Gewaltaktionen die Unterkunft wechseln zu können, seien einige Ausgangspunkte gewesen.

Bei der Rauschgift-Kriminalität stieg die Zahl der Fälle deutlich von zwei auf zwölf. Wagner sprach von zwei Komplexen. Bei dem einen handelte es sich um einheimische Rauschgifthändler. Bei dem anderen wurden aus dem Flüchtlingsheim heraus Betäubungsmittel verkauft. Die Polizei ermittelte gegen den Verkäufer. Andrée Wagner: „Ehe das Ausmaß noch größer werden konnte, wurde diese Person auf den Balkan zurückgeschickt.“

Für sehr bedenklich hält der Revierchef Strukturen, in denen einzelne Roßweiner „an vorderster Front mitmischen“. Es handele sich um die auch auf Facebook präsente Bewegung mit der Bezeichnung „Ein Volk hilft sich selbst“. Das ist laut Wagner eine lose Vereinigung von Personen aus der NPD, der Jungen Nationalen, aus Pegida-Kreisen und von AfD-Leuten aus Sachsen-Anhalt und Thüringen. „Unter dem Deckmantel eines Spendenprojektes versucht diese Gruppe, ihre Ideologie an die schwächsten Glieder unserer Gesellschaft zu bringen“, sagte der Revierleiter. Der Zulauf zu der Aktion sei derzeit ungebremst. Neben anderen Städten in der Region habe es auch in Roßwein schon zwei solcher Veranstaltungen gegeben.

 

Von Olaf Büchel

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