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Döbeln Polizeilicher Begleitschutz für den Schornsteinfeger
Region Döbeln Polizeilicher Begleitschutz für den Schornsteinfeger
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09:16 20.06.2014
Einsatzkräfte der Polizei Sachsen sichern den Einsatz des Schornsteinfegers bei einem uneinsichtigen Hausbesitzer ab. Quelle: Thomas Lieb

Der Mann will die fünf bewaffneten Männer und deren Gefolge nicht ins Haus lassen. Die Polizisten fordern den Besitzer mehrfach auf, das Tier in den Zwinger zu sperren. Andernfalls müsse man von der Schusswaffe Gebrauch machen und das Tier erschießen. Eine knappe Stunde dauert der Einsatz. Der Grund: Der Schornsteinfeger muss die Gasheizungsanlage des Hauses kontrollieren.

25 bis 30 Ersatzvornahmen im Jahr

Das Kopfschütteln der Mitarbeiter des Landratsamtes der Abteilung Ordnung und Sicherheit, der Polizisten aus dem Revier Döbeln und der beiden Döbelner Schornsteinfeger deuten von der Abstrusität des Einsatzes. Es ist nicht der einzige dieser Art an diesem Tag. Dieselbe Besatzung war zuvor am Terrassenstraße in Döbeln zu Besuch, um einen Verweigerer zur Räson zu bringen. "25 bis 30 solcher Ersatzvornahmen müssen wir im Jahr durchführen", berichtet Steffen Kräher, Abteilungsleiter Ordnung und Sicherheit im Landratsamt. Da hat der Schornsteinfeger bereits zum dritten Mal geklingelt. "Seit einem Jahr verweigert uns der Mann schon den Zutritt. Die Gasheizungsanlage in seiner Wohnung muss aber kontrolliert werden, ob ihm das nun gefällt oder nicht", so Kräher. Wer auf die erste Anhörung des Bezirksschornsteinfegers nicht reagiert, erhält einen Zweitbescheid. Bleibt auch der ohne Reaktion und Erfolg wird die Ersatzvornahme durch das Amt eingeleitet. Dann hat der schwarze Mann Begleitung. Kräher: "Nicht generell mit Polizei und Spezialkräften. Aber wir erkundigen uns vorab bei den örtlichen Polizeidienststellen nach dem möglichen Gefahrenpotenzial." Polizei und SEK kennen sich aus in der Döbelner Reichensteinstraße. Klingelten schon mehrfach an der Tür des Abtrünnigen. "Wir müssen davon ausgehen, dass es ungemütlich wird. Müssen uns entsprechend selbst schützen", rechtfertigt Kräher das Aufgebot.

Sonderkräfte greifen durch

Was dem Hausbesitzer daran nicht gefällt, dass der Schornsteinfeger zur regelmäßigen Kontrolle auf dessen Grundstück muss, ist den Behörden schlicht Wurst. Erst Recht, dass der Mann meint, die Bescheide nicht ernst nehmen zu müssen, weil sie von einer Institution eines Staates ausgestellt wurde, der gar nicht existiere. Die Fantasien über nach wie vor geltende Alliierten-Zonen, dass die BRD eine Firma sei - "seine Heizung muss er trotzdem prüfen lassen."

Nach sinnfreier Diskussion über die (Un-)Wirksamkeit eines behördlichen Schreibens mit der Staatsgewalt am Garagentor lässt der Mann den Schornsteinfeger unter Begleitschutz ins Haus. Zehn Mann folgen. Es wird laut. Der Mann schreit etwas von alliierter Sicherheitszone. Der Hund dreht durch. Kläfft durchs Haus. Der Schornsteinfeger sucht das Weite. Drinnen bringen die Beamten den Mann irgendwie zur Vernunft. Dessen Lebensgefährtin weigert sich dennoch den Rottweiler in den Zwinger zu sperren. "Ich schließ' ihn im Haus ein", ruft sie dem Polizisten zu, dessen offenes Pistolenhalfter erahnen lässt, was passiert, wenn Bello Ärger macht. "Wir müssen ihn erschießen", wiederholt der Polizist vom Einsatzkommando die Warnung.

Einsatz-Kosten werden berechnet

Eine knappe Stunde später und mehrere tausend Euro Steuergelder später ist die Gasheizung gecheckt. Die Rechnung für den Einsatz hat vorerst das Amt auf dem Tisch. "Es wäre unter Umständen möglich, dem Mann die Kosten aufzuerlegen." Allein der Konjunktiv, mit dem Steffen Kräher diesen Satz formuliert, lässt auf die Erfolgsaussichten dieser Rechnungslegung schließen.

Noch ein paar mehr solcher Verweigerer hat der Bezirksschornsteinfegermeister in seinem Bezirk. "Zum Glück geht es nicht bei allen so weit, dass wir die Männer in blau mitnehmen müssen oder wie hier sogar noch ein solches Handgemenge haben", sagt er. Insgesamt sechs Schornsteinfegerkehrbezirke gibt es im Altkreis Döbeln. Über 30 sind es im Landkreis Mittelsachsen. Das Messen und Kehren, das je nach Heizungsart einmal oder mehrmals im Jahr vorgeschrieben ist, kostet zwischen 50 und 70 Euro. Im Falle der Gasheizung von gestern wären es um die 50 Euro gewesen, wenn der Hausbesitzer den Schornsteinfeger wie vorgeschrieben einfach seine Arbeit zur Sicherheit der eigenen Heizungsanlage hätte ausführen lassen.

Thomas Lieb und Thomas Sparrer

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