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Döbeln Portal zur Faschingszeit: Politiker-Wettbewerb im Internet
Region Döbeln Portal zur Faschingszeit: Politiker-Wettbewerb im Internet
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21:46 15.02.2012

Dem wollte ein britischer Jungunternehmer nicht tatenlos zusehen und stellte den ersten Schönheitswettbewerb für den Deutschen Bundestag online. Auf der Seite sexybundestag.de fragt Francis Boulle seit einem halben Jahr die Nutzer: "Mit welchem Politiker oder welcher Politikerin würden Sie lieber...? Damit verlangt der 23-jährige Engländer eine Entscheidung zwischen zwei Politikerfotos: "Wählen Sie". Statt auf Fachkompetenz, Erfahrung im Amt oder Einsatz für den Wähler zählen allein Optik und Sex-Appeal.

Wer Geschlechterdiskriminierung ablehnt, kann auch nur männliche oder weibliche Abgeordnete anklicken. Der Brite wolle niemandem zu nahe treten, sondern dazu beitragen, die Politiker im Land bekannter zu machen.

Die ersten 68 Plätze der Gesamtliste belegen ausschließlich Bündnisgrüne Politiker. Den Grünen dicht auf den Fersen ist Veronika Bellmann (CDU). Weit abgeschlagen dagegen im dreistelligen Bereich rangiert Kanzlerin Angela Merkel. Veronika Bellmann hält die Aktion für "ganz witzig und unterhaltsam, aber oberflächlich. Mir wäre es lieber, Politiker würden durch Bewertung ihrer Arbeit bekannter gemacht, als durch Attraktivität oder Sexappeal".

Was ausgerechnet einen Briten veranlasst Abgeordnete des Bundestages bekannter machen zu wollen, fragt sie sich ernsthaft. "Wenn er damit demonstrieren wollte, dass deutsche Politiker im langweiligen Alltagsgrau versinken, hat er sich wohl geschnitten. Natürlich kann ein Bild oft mehr aussagen als 1000 Worte. Gesichtsausdruck, Körpersprache, angemessene Kleidung verraten einiges übers Selbstverständnis und den Charakter eines Menschen - aber eben nicht alles. Und schon lange nicht, ob er mit seiner Arbeit zum Volksvertreter taugt oder nicht."

Eine Volksvertreterin aus Sachsen liegt noch vor Veronika Bellmann. Die Bündnisgrüne Monika Lazar aus Leipzig, die Sachsens Grüne in Berlin vertritt.

"Da ich die Liste selber nicht verfolgt habe, weiß ich nicht, wo meine grünen KollegInnen 'gelandet' sind", sagt die Sprecherin für Frauenpolitik. Ob durch diese Aktion Abgeordnete bekannter geworden sind, wie es der Erfinder vorhatte, vermag Lazar nicht zu beurteilen. Einfluss auf Debatten oder das Aussehen von Abgeordneten konnte die Leipzigerin nicht feststellen. Sie hält den Wettbewerb für eine "eher eine kurzfristige und kurzweilige Ablenkung vom stressigen politischen Alltag".

Im dreistelligen Bereich wie seine Chefin Angela Merkel liegt auch Manfred Kolbe. Der CDU-Abgeordnete repräsentierte vor der Neuaufteilung der Wahlkreise auch die Region Döbeln im Bundestag. Seinen aktuellen Platz kennt Kolbe nicht. "Ich habe keinen Überblick. Für mich hat dieser Wettbewerb keine Relevanz." Schönheit könne kein Maßstab für politische Arbeit sein. Allerdings: "Es ehrt mich, dass ich mit meinem gesetzten Alter mit dabei bin", meint Kolbe schmunzelnd. Und wie erklärt sich der Polit-Profi, dass die ersten 60 Plätze fest in grünen Händen sind? "Besonders sexy sind die nicht, zeigt aber, dass die Grünen nicht genug zu tun haben. Stattdessen sitzen sie in ihren Büros und klicken auf solchen Seiten herum."

Den Verdacht hegt auch Veronika Bellmann: "Ich habe auch schon gehört, dass in Abgeordnetenbüros Wetten laufen und gevotet wird, was das Zeug hält." Ansonsten scheint der Schönheitswettbewerb im Internet am Bundestag vorbei zu gehen. "Wenn der Wettbewerb doch mal Medienschlagzeile ist, gibt es am Tag darauf auf den Gängen ein paar ironische Bemerkungen und damit hat sich das meistens. Zum Debattenthema reicht das nicht", hat Veronika Bellmann festgestellt. Und überhaupt habe die Politikerin "keine Lust ewig im Internet zu suchen und Spieglein, Spieglein an der Wand - wer ist die Schönste im ganzen Land, zu spielen. Dass mein Mann und ich nach fast 33 Ehejahren mit allen Höhen und Tiefen noch und immer wieder, richtig verliebt sind, das hat für mich Rankingplatz Nr.1 ...und ist echt sexy...

Kathrin König

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