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Döbeln Porträt Kerstin Härtel: Visionärin mit neuen Zielen
Region Döbeln Porträt Kerstin Härtel: Visionärin mit neuen Zielen
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20:43 19.10.2012
Wer viele Ideen hat, braucht einen guten Durchblick, um diese umzusetzen. Den besten Durchblick hat die Harthaerin Kerstin Härtel natürlich, wenn das Wasser sauber ist, wofür sie sich schon seit Jahren einsetzt. Auch in ihrem künftigen Job hat sie mit diesem Medium zu tun. Quelle: Wolfgang Sens

Oft sagen die Bilder, die ein Mensch in seinem Büro oder Zimmer hängen hat, viel über die Person selbst aus. Das ist bei der 46-Jährigen nicht anders. Ein Plakat in ihrem geräumigen Chefzimmer im Leisniger Gewerbegebiet gefällt ihr besonders gut. Es zeigt drei Steinmetze beim Bearbeiten eines gleich aussehenden Steinquaders. Alle Drei haben die gleiche Tätigkeit - doch sie denken dabei anders. Der Erste: Ich behaue einen Stein. Der Zweite: Ich arbeite an einem Spitzbogen. Der Dritte: Ich baue eine Kathedrale. Die Überschrift: Auf die Vision kommt es an! "Ich hatte schon Leute hier am Tisch sitzen, die haben dieses Plakat nicht verstanden", sagt Kerstin Härtel kopfschüttelnd mit ihrer angenehmen Direktheit. Dabei ist sie überzeugt: "In einer Führungsposition muss man Visionen, sollte man Ideen haben."

Das Plakat, das der Verbandschefin ein guter Freund geschenkt hat, hat sie bereits abgenommen. "Ich werde es mitnehmen ins neue Büro in Leipzig", sagt Härtel. Nach reichlich zehn Jahren verlässt sie den Leisniger Zweckverband. Ab Februar wird sie bei der Oewa Projektleiterin für Unternehmensentwicklung und Vertrieb für ganz Sachsen. Also wieder eine leitende Funktion. Weshalb sie geht? Na klar gibt es die Standard-Antwort: "Um mich beruflich noch mal zu verändern." Dabei bleibt sie in dem Versorgungsunternehmen zumindest den Medien Abwasser und Wasser treu. Doch da ist eben auch diese direkte Art, ohne persönlich zu werden: "Als ich nach dem Hochwasser 2002 auf eine Anfrage von Bürgermeister Heiner Stefan hier anfing, da ging es um die Sache, da haben alle unbürokratisch an einem Strang gezogen. Man konnte auf kurzem Dienstweg etwas erreichen, da waren finanzielle Mittel vorhanden. In diese Zeit schaue ich ein bisschen wehmütig zurück." Heute werde vieles juristisch zerredet, statt Verantwortung zu übernehmen, werde sich hinter Paragrafen versteckt, die finanzielle Lage sei schwieriger geworden.

Klingt fast ein wenig nach Resignation. Doch es ist eher der Ärger über diese Situation. Da sich Kerstin Härtel ungern ärgert, von Haus aus ein Mensch ist, der sich lieber gütlich einigt und auf Harmonie bedacht ist, wechselt sie einfach den Arbeitgeber und das Aufgabengebiet - wo sie, davon geht die taffe Frau aus, Visionen verwirklichen kann.

Resignation würde auch gar nicht zu Härtels Lebenslauf passen. Nach dem Abi studierte sie in Merseburg Verfahrenstechnik. Den Ingenieur in der Tasche, begann sie 1990 als Technologin im Aropharmwerk in Niederstriegis. Dumm nur, dass das nur wenige Monate später abgewickelt wurde. "Zur falschen Zeit am falschen Ort", kann die Mutter zweier Söhne heute darüber schmunzeln. Im Westen hätte sie sofort neue Arbeit gefunden, doch "rüber" wollte sie nicht. Zum Umweltschutz-Fachberater weitergebildet, gelang ihr im Sachgebiet Wasserrecht des Landratsamtes der berufliche Wiedereinstieg. Ein wichtiger Schritt für den späteren Sprung in den Chefsessel. Was die Fortbildung angeht, hat sich die Geschäftsführerin auf diesem "Sessel" keineswegs ausgeruht. Drei Jahre anstrengendes Abendstudium der Betriebswirtschaftslehre liegen gerade hinter ihr. In einer Woche erhält sie die Urkunde zum Diplom-Betriebswirt. "Ich hatte überhaupt keine kaufmännische Ausbildung, in leitender Stelle sollte man auf diesem Gebiet aber mitreden können", beschreibt Kerstin Härtel ihren Antrieb.

Ein anderes Bild in ihrem Büro - eine Fotografie - verrät ein paar Sehnsüchte der Harthaerin. Es zeigt einen Sonnenuntergang an einem See: Natur, Ruhe, Entspannung, Schweden. Seit vielen Jahren fährt sie mit ihrem Mann Thomas, einem Konstrukteur, nach Skandinavien und kann nicht mehr davon lassen: "Ausruhen, schwimmen, angeln, Romane lesen, nichts machen", beschreibt Härtel diese Urlaube in einem "traumhaft schönen Land". Nicht einmal im Jahr, sondern einmal in der Woche geht das seit 24 Jahren verheiratete Ehepaar tanzen in einem Mittweidaer Studio. "So kommen wir mal raus und bekommen den Kopf frei, weil wir uns nur auf unsere Füße konzentrieren müssen." Langsamen Walzer und Rumba tanzt sie am liebsten.

Bliebe noch ihre Nachfolge im Zweckverband zu klären. Die Bewerbungsgespräche laufen gerade und es gibt einige, die ihren Job haben wollen. Sollte es wieder eine Frau sein? Das ist der Noch-Chefin egal. Erstes Kriterium ist für sie die fachliche Kompetenz. Außerdem müsse der Nachfolger Stehvermögen gegenüber Behörden und viel Fingerspitzengefühl für die Verbandsräte sowie für die Bürger haben. Auch wenn sie geht, liegt Kerstin Härtel viel daran, dass eine solche Person gefunden wird. "Am Zweckverband hängt eine Menge Herzblut!" Olaf Büchel

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