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Döbeln Premiere am Döbelner Theater: Vom Widerspruch zum Widerspruch
Region Döbeln Premiere am Döbelner Theater: Vom Widerspruch zum Widerspruch
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14:42 11.02.2019
daz schauspiel liederabend Quelle: Jörg Metzner
Döbeln

Die Unterzeile des Titels „Die letzte erfolglose Band und die Braut“ führt gehörig in die Irre. Wer ein Potpourri frechfröhlicher Lieder, eine harmlose Entspannung zum Wochenende vorgesehen hatte, musste seine Erwartung sogleich vergessen. Stattdessen wurde er oder sie Zeuge einer „kleinen Bestandsaufnahme“, wie bereits das Programmheft trefflich formuliert.

Lied- und Videokunst

Dreidutzend Lieder und eindrückliche Videosequenzen hielten in je wenigen Augenblicken die Gegenwart fest – die Bedrohung unseres Planeten durch Waffen- oder Vergnügungsgeschäfte, die Einsamkeit des Einzelnen wie die Sehnsucht nach Gemeinschaft der Vielen. Den außergewöhnlichen Theaterabend eröffnete und schloss Piazzollas Lied von den verlorenen Vögeln, die ins Jenseits fliegen, um sich in einem Himmel zu verirren. Fast nahtlos führte ein Lied ins andere, auch wenn dabei Schmerz und Liebe, Zukunftsangst und Hoffnung harsch aufeinander folgten.

Ein kluges Programm vom Widerspruch zum Widerspruch. Regisseurin Annett Wöhlert hat es mit sensiblem Mut inszeniert und dabei auf ebenso sensible wie kundige Zuschauer vertraut. Wenn Brecht 1934, als gerade Hitlers Aufstieg begonnen hatte, in pessimistischer Hoffnung singen lässt, dass der Regen vielleicht doch von unten nach oben fallen könnte, setzt Wenzel 2015 entgegen, dass vielleicht jedermann „dem eignen Traumbild gleichen“ werde.

Sechs Darsteller stehen für das Wir

Ein Glücksfall für die Inszenierung ist das Engagement von drei Gästen, die der musikalische Leiter und Pianist Peter Kubisch so einfühlsam führt, dass Musik, Liedtexte und die Leinwandbilder (!) scheinbar einander zuhören und sich verschwistern. Es spielen Beate Hofmann (Violoncello, Kontrabass), Georg Wieland Wagner (Percussion, Marimbaphon, Vibraphon) und Christoph Theusner (Gitarre, Sounds). Ausstatter Hans Ellerfeld präsentiert den sieben Darstellern eine offene Szene, das Irgendwo oder Überall unserer Erde. Im Hintergrund und an einer Seite eine transparente Gardine, auf der filmische Sequenzen oft die Lieder „begleiten“. Da singt vorn an der Rampe eine gute deutsche Hausfrau vom Kuchenbacken, während im Großformat europäische Nationalisten aufmarschieren.

Sechs Darsteller, von der Regisseurin als „Salz der Erde“ bezeichnet, stehen für das Wir, gleichsam für die fast acht Milliarden Menschen unseres Planeten. Die Schauspieler singen ihre Lieder präzise und in sachlichem Ausdruck, ohne die Texte durch darstellerische Zutaten nochmals zu unterstreichen. Es singen Anna Bittner, Almut Buchwald, Franka Anne Kahl, Martin Ennulat, Peter Peniaska, Ralph Sählbrandt.

Erde im Mittelpunkt der Inszenierung

Mittelpunkt der Inszenierung ist die Erde, von Susanna Voß mit wunderbarem musikalischem Fingerspitzengefühl verkörpert. Sie trägt einen Globus, unseren so verletzlichen Planeten. Seine Bedrohung haben wir gesehen, als das wütende Meer viel Unrat an den Strand spülte. Und wenn Susanna Voß am Ende an einem blauen Band gen Himmel klettert und hoch oben zu fliegen scheint, mag man die artistische Leistung bewundern oder ihr schwebendes Schattenbild mit dem Vogelzug auf der Leinwand genießen. So lässt dieses Schlussbild, anders als der spanische Text, die Hoffnung auf Zukunft für unseren Planeten gelten.

Von Roland Dressler

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