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Döbeln Premiere in Döbeln: Elternstress im Klassenkampf
Region Döbeln Premiere in Döbeln: Elternstress im Klassenkampf
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23:40 11.11.2012
Die Eltern wollen, dass Frau Müller die Klasse abgibt. Doch das Blatt wendet sich. Nancy Spiller, Julia Klawonn, Franka Anne Kahl, Ralph Sählbrandt, Christian Weber und Susanna Voß (v.l.) bei der Premiere des Stückes. Quelle: Jörg Metzner

Fünf Eltern haben die Klassenlehrerin zu einer Aussprache eingeladen. Im Namen (fast) aller Eltern werden sie von ihr verlangen, die Klasse abzugeben. Hat sich doch in den letzten Monaten das Klima verschlechtert, sind die Zensuren abgesackt. Daran ist die Lehrerin schuld - Frau Müller muss weg! Doch die altgediente Pädagogin leistet Widerstand. Unerwartet wendet sich der Elternabend-

Pädagogische Konzepte allein würden den deutschlandweiten Theatererfolg des Stückes nicht tragen. Vielmehr wirft Autor Lutz Hübner, scheinbar so ganz nebenbei, ein Schlaglicht in die Elternhäuser. Da steht plötzlich die Realität des Jahres 2012 in der östlichen Bildungsrepublik Deutschland zur Debatte - ungeschönt und pointensicher. Ein ebenso bedenkenswertes wie vergnügliches Theaterereignis.

Das wird das Stück nun auch im Döbelner Theater. Regisseurin Annett Wöhlert spult die Redeschlacht nicht eins zu eins ab, sondern hebt sie in die Groteske. Doch nur so viel, dass die Figuren ihre Bodenhaftung nicht verlieren und immer noch wie die Nachbarn von nebenan erscheinen. Ausstatter Hans Ellerfeld kleidet sie stilsicher von der Stange bei AWG ein.

Franka Anne Kahl als Lehrerin Müller: Mit ungedeckeltem Eifer ist ihr die pädagogische Berufung zur Natur geworden. Wenn sie ihren Gesprächskreis erläutert, malen die Hände den Kreis, begreiflich auch für die hinterste Bank. Selbst als sie ihrer Anklagerede zuhört, neigt sie nachsichtig den Kopf, den Brillenbügel zwischen den Lippen, als müsste sie einen Schülervortrag benoten. Eine Frau, die alles in allem in ihrem Berufe bleiben sollte!

Kopf der elterlichen Verschwörung ist Jessica (Susanna Voß), aus Mannheim importiert, im höheren Verwaltungsdienst rhetorisch geschult, zielführender Gang, vom "kleinen Monster zu Hause" bisweilen überfordert. Das Kontrastprogramm lebt der sächselnde Ossi Wolf (Christian Weber). Allzu gutgemeint behütet er seine Tochter. Im ersten Teil schien seine täppische Eleganz ein wenig zu viel Körpersprache, im zweiten Teil anrührend, wie buchstäblich seine Knie weich werden, als er an das Damoklesschwert Mittelschule denkt. Das Ehepaar Jeskow spielen Julia Klawonn und Ralph Sählbrandt. Sie, bio-kultiviert und hörbar Rheinländerin, erfährt sich im Osten noch immer im Ausland, er kämpft mit dem Hosenbund, weil wohl zu wenig Hintern in der Hose, wie seine Frau offenbart. Katja (Nancy Spiller) hätte keinen Grund zur Lehrer-Kritik, schließlich besetzt ihr Sohn die Poleposition. Aber sie hat hierzulande Anpassung gelernt. Wagt sie ein Widerwort, weicht sie sogleich wieder drei Schritte zurück.

Sechs Leute wie von der Straße geholt - ein Stück Leben mit Kunstverstand auf der Bühne gespiegelt.

Roland Dreßler

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