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Döbeln Projekt in Waldheim: Mit VR-Brille zur ersten eigenen Wohnung
Region Döbeln Projekt in Waldheim: Mit VR-Brille zur ersten eigenen Wohnung
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17:45 18.10.2017
Brille auf und umschauen in der Wohnung: Waldheimer Schüler lernen bei Andy Zemmrich (rechts), was beim Abschluss eines Mietvertrages zu beachten ist. Quelle: Sven Bartsch
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Waldheim

Im Klassenzimmer Brille auf, und schon findet man sich in einem anderen Raum wieder. In einer Wohnung zum Beispiel. Mit dem Rücken zur Tür reicht der Blick durchs Fenster bis in die Baumwipfel vorm Haus. Dieses befindet sich ganz wo anders in der Welt. In der „virtual reality“, der scheinbaren Wirklichkeit, geht das alles. Für Andy Zemmrich vom gleichnamigen Immobilienservice mittlerweile alltägliches Arbeitsgerät, wurde die VR-Brille zum Unterrichtsmittel in der Waldheimer Oberschule, als Zemmrich dort unterrichtete.

VR-Brille macht Schüler neugierig

Für das Fach Wirtschaft/Technik/Hauswirtschaft der Neuntklässler organisierte dies Lehrerin Nadine Müller zusammen mit dem Schulförderverein, bei dem Zemmrichs Mutter Gaby Mitglied ist. Für den Unterricht mit den Neuntklässlern musste die VR-Brille unbedingt mit. „Das interessiert die Schüler. So möchte ich sie für das Thema Mieten interessieren. Spätestens, wenn es in die Lehrzeit geht und mancher außerhalb lernt, ist das ein ernstes Thema.“ Vom Lehrlingsgeld sollte man zum Beispiel nicht mehr als ein Drittel fürs Wohnen ausgeben. Viele Vermieter legen zudem bei so jungen Leuten darauf wert, dass die Eltern als Bürgen zur Verfügung stehen.

Junge Leute brauchen das Rüstzeug

Mit Andy Zemmrich hatten die Schüler einen Lehrer vor sich, der erst rund zehn Jahre älter ist als sie. Es ist noch nicht lange her, da war Zemmrich in der Situation wie sie. Er besuchte dieselbe Schule. Seine Lehre zum Elektroniker für Betriebstechnik nach der zehnten Klasse absolvierte er außerhalb Waldheims. Nach dem späteren Studium liegt dem 27-jährigen Immobilienfachwirt viel daran, jungen Leuten das Rüstzeug für die ersten Schritte im eigenen Leben mitzugeben – optimale Voraussetzungen für die spezielle Art Unterricht.

Von Selbstauskunft bis Vermieterrecht

Zemmrich: „In meiner beruflichen Praxis stelle ich immer wieder fest, dass junge Mieter bis zu dreimal länger brauchen, um den Mietvertrag und das Drumherum zu verstehen. Was eine Selbstauskunft ist zum Beispiel, welche Rechte ein Vermieter hat und wo die Grenzen verlaufen – spätestens in zwei Jahren müssen manche der Schüler schon wissen, wie es läuft.“ Schon beim Aussuchen einer passenden Wohnung lauern verschiedene Fallstricke. Auch das wird im Unterricht thematisiert.

Projekt fest im Unterrichtsstoff verankern

Zudem ändere sich die Rechtslage häufig. Bei den Waldheimer Schülern schlug diese Art Unterricht offenbar gut ein. Natürlich wollte die VR-Brille jeder einmal tragen und in der virtuellen Welt unterwegs sein. Schule und Verein denken darüber nach, wie sie diesen praktischen Unterricht für kommende Jahre in den Stoff fest einbauen. Zemmrich dazu: „Die jungen Leute haben gut mitgearbeitet, mir hat es gefallen. Ich komme gerne wieder.“

Kommentar: Praktisch lernen in der virtuellen Welt

Sie ist also doch zu mehr dienlich, als zum Spielen, die virtuelle Realität. Waldheimer Schüler lernen damit für ihr Leben. Jedenfalls leistete die VR-Brille in den jüngsten Unterrichtsstunden an der Waldheimer Oberschule gute Dienste – möglicherweise mehr als alles, was ein Lehrer mit Kreide an die Tafel schreiben kann. Natürlich ist das digitale Herumstromern in einer Wohnung in der Netzwelt erst die halbe Miete, genau genommen nicht einmal das. Digitale Technik, von Kindern und Jugendlichen zuerst als Spielgerät und Unterhaltungsmedium wahr genommen, vermitteln erst im Zusammenhang mit den Informationen rund um den Mietvertrag: Unrealistische Vorstellungen sollten sich junge Leute lieber nicht von ihrer ersten eigenen Wohnung machen, zumal wenn sie diese selbst finanzieren müssen.

Das jüngste Waldheimer Unterrichtsprojekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie lebenspraktische Tipps in der nicht selten von Lehrern kritisch beäugten virtuellen Welt als Lerninhalt transportiert werden. Das Lernen kommt also auch dort hin, wo Kinder bisher nur zum Spielen sind. Sollte digitale Kommunikationstechnik geeignet sein, brauchbares Wissen jungen Leuten nahe zu bringen, statt sie von der Lebenswirklichkeit fern zu halten? Selbstverständlich ist sie das. Es kann, muss jedoch nicht immer ein Lehrer sein, der den Lehrstoff vermittelt. Wahrscheinlich sind es gerade die Praktiker, welche praktische Lerninhalte in und aus der virtuellen Welt am besten erklären. Steffi Robak

Von Steffi Robak

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