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Propaganda-Relikte auf DDR-Plakaten

Propaganda-Relikte auf DDR-Plakaten

Was ist Propaganda auf einem Plakat, und was ist Kunst? Das mag sich im Laufe von Jahrzehnten ändern, gleich recht, wenn sich die Gesellschaftsysteme wandeln.

Leisnig.

Das können derzeit die Besucher der Burg Mildenstein in der Ausstellung "Im Osten geht die Sonne auf" nachvollziehen.

 

"Wozu nicht alles per Plakat aufgerufen wurde in der DDR", sagt Sabine Rötzsch vom Burgmuseum. Sie erinnert sich an Kampagnen zum Kartoffelstoppeln oder Kartoffelkäfer absammeln. So lässt die Ausstellung für jeden Betrachter andere Erinnerungsmomente aufscheinen. Der Kornhausboden eigne sich auf imposante Weise dafür.

 

Die Idee hatte Museologin Wiebke Glöckner zusammen mit Bernd Wippert, der neben der Burg Kriebstein auch Mildenstein leitet. Inspirieren ließen sie sich vom Buch "DDR Posters - Ostdeutsche Propagandakunst" des Engländers David Heather. "Der größte Teil der Ausstellungsobjekte kommt aus unserem eigenen Bestand", sagt Glöckner. Als sie als Museologin 2003 ihre Stelle auf Mildenstein antritt, gehört es zu einer ihrer ersten Aufgaben, Objekte aus dem Burgmagazin zu inventarisieren, darunter die DDR-Plakate. Die ersten stammen aus der Nachkriegszeit von 1945, als es die DDR noch nicht gab. "Es muss über Jahrzehnte hinweg immer jemanden von der Burgbesatzung gegeben haben, der die Plakate sammelte und archivierte", so Glöckner. Bis in die Mitte der 80er Jahre setzte sich das fort. Es handelt sich insofern um eine historisch gewachsene Sammlung.

 

Die Mildensteiner holen sich Dr. Sylke Wunderlich von der Stiftung Plakat Ost für die Ausstellung ins Boot. Die Berliner Kunsthistorikerin hat zu dem Thema promoviert, liefert die inhaltliche Konzeption zur Ausstellung. Die Idee, einige der Plakate reproduzieren und auf Litfaßsäulen aufziehen zu lassen, kommt von Glöckner und Wippert. Somit kann der Kornhausboden der Burg Mildenstein auch für die Präsentation optimal ausgenutzt werden.

 

"Auf diese Art waren diese Plakate noch nie zu sehnen. Es passt einfach hervorragend", sagt Glöckner. Mittlerweile habe sich die Ausstellung zu einem Selbstläufer entwickelt, der allein schon die Besucher anzieht.

 

Was früher auf den Bannern oder Plakaten zum ersten Mai stand - "Meine Hand für mein Produkt" oder "Mein Arbeitsplatz - mein Kampfplatz für den Frieden" - mancher Slogan wird in den östlichen Bundesländern mit Augenzwinkern angewendet und hält als geflügeltes Wort Einzug in den Sprachgebrauch - und das, als es die DDR noch gab. Plakate von heute schaffen das kaum, werden sie doch weniger zu Propaganda-Zwecken aufgehängt als vielmehr als Ankündigung für Discos, Stadtfeste oder anderweitige kurzweilige Ablenkung. Oder sie werben dafür, einen bestimmten Kandidaten bei einer Wahl anzukreuzen. So schnelllebig die Sprüche, so schnell sind sie vergessen. "Es lebe der 1. Mai" ist da von langlebigerem Kaliber. "Seht Großes ist vollbracht" zu 35 Jahren DDR hatte nach fünf Jahren auch sein Verfallsdatum überschritten. Die Ausstellung "Im Osten geht die Sonne auf" aus Mildenstein gibt einen Überblick über die Vielfalt der DDR-Plakate, über Tendenzen in der Gestaltung und der Aussageabsicht dieses Mediums. Übrigens: Besucher der Sonderausstellung "Freizeit, Schule, Haushalt - Alltagskultur in 40 Jahren DDR" auf der Burg Kriebstein erhalten beim Besuch der Ausstellung " Im Osten geht die Sonne auf" auf Burg Mildenstein einen Eintrittsbonus von 20 Prozent.

Steffi Robak

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