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Prozess um Döbelner "Aladin"-Mord beginnt

Prozess um Döbelner "Aladin"-Mord beginnt

Zum Auftakt des Mordprozesses am Landgericht Chemnitz um den erschossenen Döbelner Bistrobetreiber Jamal A. Mortada hat der 32-jährige Angeklagte, Mahmoud E.

Chemnitz/Döbeln.

 

 

 

 

Anja D. blickte am 1. November 2011 in den Lauf einer geladenen Waffe. Zuvor hatte die 29-Jährige noch gesehen, wie ein vermummter Mann auf ihren bereits am Boden liegenden Chef, Jamal Al Mortada schoss. Als er damit fertig war, bemerkte er die Frau hinter dem Tresen. "Er hat zu mir geschaut und die Waffe auf mich gerichtet. Ich habe mich nur noch fallen lassen", sagte die junge Frau gestern als Zeugin vor der Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Simone Herberger.

Dort sitzt der 32-jährige Kurde Mahmoud E. auf der Anklagebank und muss sich wegen Mordes verantworten. D. kommt als Entlastungszeugin für den Mann in Betracht, der bereits seit mehr als zehn Jahren in Deutschland lebt und das Mordopfer seit 2001 aus dem Asylbewerberheim Leisnig kennt. Die Schwurgerichtskammer bemängelte das Aussageverhalten der Frau. Bei der Polizei sagte sie nichts von einem schlanken Mann mit dunklen, gegelten Haaren. Das tat sie erst bei einem Döbelner Rechtsanwalt, der ihre Schwester vertritt. Diese Schwester war zum Zeitpunkt des Mordes mit Jamal A. Mortada liiert.

Anja D. musste die eindringlichen Fragen der Kammervorsitzenden ertragen. "Was stimmt nun? Die Aussage bei der Polizei oder beim Rechtsanwalt?", löcherte Herberger. Im Vernehmungsprotokoll stehe nichts von schwarzen Haaren. Die Zeugin berichtete unter Tränen von 30 Stunden dauernden Vernehmungen. Sie könne sich nicht mehr erinnern, was sie damals bei der Polizei sagte. Rechtsanwalt Prof. Max Behnke, neben Enrico Brand Mahmoud E.s zweiter Verteidiger, beantragte schließlich eine Pause, weil die Zeugin am Rande des Zusammenbruchs stehe.

Im weiteren Verhandlungsverlauf korrigierte die Frau ihre Aussage schließlich. Zuvor belehrte sie die Kammervorsitzende über die strafrechtlichen Folgen einer falschen Aussage mit den Worten: "Dann sehen wir uns in einem Verfahren wieder, in dem ich Zeugin bin und Sie die Angeklagte." D. blieb aber dabei, dass der Angeklagte nicht dem Bild entspricht, das sie von dem Schützen hat. Das gab sie auf Antrag des Verteidigers Behnke wortwörtlich zu Protokoll.

Mahmoud E. bestritt den Tatvorwurf. "Ich habe diesen Mann nicht getötet und es tut mir sehr leid, dass er tot ist", sagte er. Während seiner fast zwei Stunden dauernden Einlassung bestritt er nicht, in Tschechien gewesen zu sein. "Wir waren sehr oft in Tschechien, um dort mit Frauen gegen Geld Geschlechtsverkehr zu haben", gab er als Grund für die Reisen an. Den Waffenkauf, den ihm Staatsanwalt Stefan Butzkies zur Last legte, habe er nur beobachtet. Einer seiner Begleiter auf den Tschechien-Touren habe eine Waffe im Motorraum des Autos versteckt. "Aus Angst um seine Bewährung hat mein Mandant dazu bisher geschwiegen", begründete Rechtsanwalt Enrico Brand, weshalb Mahmoud E. diese Angaben erst jetzt machte. Wegen Körperverletzung hatte der Kurde am Amtsgericht Döbeln eine Bewährungsstrafe kassiert.

Für Mahmoud E. liegen die Motive für den Mord in den Geschäftspraktiken, in die sein mutmaßlicher Mittäter Marwan M. verwickelt war, der jetzt wieder im Irak lebt. E. sprach dabei auch vom Verkauf gestohlener Autos nach Tschechien. Zumindest mehrere persönliche Konflikte verband Marwan M. mit dem Ermordeten: Zum einen jene Autogeschäfte und zum anderen die Schwester der unmittelbaren Tatzeugin. Mit dieser Frau war Jamal Al Mortada liiert, aber mehrere weitere Zeugen gaben an, dass sie außerdem mit ihrem Ex-Freund Marwan M. eine Beziehung pflegte. "Wenn es mit dem einen nicht so gut lief, ging sie zu dem anderen", beschrieb ein Zeuge das Dreiecks-Verhältnis.

Der Mord in der Pizzeria "Aladin" am 1. November in der Döbelner Rudolf-Breitscheid-Straße hatte einer Hinrichtung geglichen. Der 41-jährige Libanese Jamal Al Mortada war mit mehreren Schüssen aus nächster Nähe getötet worden. Die Polizei bildete eine anfangs 50-köpfige Sonderkommission - die Soko Aladin. Der Prozess wird am 10. September fortgesetzt. Es sind elf Verhandlungstage geplant.

Dirk Wurzel

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