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Puccinis „La Bohème“ feiert in Döbeln Premiere: Oper aller Opern rührt zu Tränen

Theater Puccinis „La Bohème“ feiert in Döbeln Premiere: Oper aller Opern rührt zu Tränen

Wer bei dem markerschütternden finalen Schrei, mit dem sich der junge Mann über die Verstorbene beugt, keine Träne im Auge hat, der hat auch kein Herz im Leib. Es ist einfach immer wieder ergreifend zu sehen und zu hören, in welch faszinierend musikalisches Gewand Giacomo Puccini in La Boheme seine Liebesgeschichte kleidet. Die Opern-Premiere in Döbeln war vielumjubelt.

La Boheme feierte am Döbelner Theater Premiere.

Quelle: JOERG METZNER

Döbeln. Bei einer weltweiten Umfrage nach der Oper aller Opern käme „La Bohème“ wohl unangefochten auf den ersten Rang: Es ist einfach immer wieder ergreifend zu sehen und zu hören, in welch faszinierend musikalisches Gewand Giacomo Puccini die Geschichte von der Künstler-WG kleidete, in der der Schriftsteller Rodolfo die todkranke Stickerin Mimi so schnell lieben lernt, wie er sie später auch wieder verliert. Wer bei dem markerschütternden finalen Schrei, mit dem sich der junge Mann über die Verstorbene beugt, keine Träne im Auge hat, der hat auch kein Herz im Leib.

Insofern scheint es eine sichere Bank zu sein, dass das Mittelsächsische Theater diesen Klassiker nach mehr als zehn Jahren erneut auf den Spielplan hebt – „La Bohème“ funktioniert immer. Warum dann doch zur Premiere im Großen Saal des Döbelner Theaters eine ganze Reihe von Plätzen frei bleiben, ist deshalb kaum verständlich: An den Sängern, an der Inszenierung, am Orchester und am Dirigenten jedenfalls liegt es nicht.

Regisseurin Arila Siegert vertraut bei ihrer Arbeit ganz der Musik und dem Text, erzählt mit wenigen, genau pointierten Mitteln die Geschichte einer Liebe, die vom Anfang an vom Tod bedroht ist. Vermag sich Mimi im Angesicht ihrer neuen Liebe noch dagegen sträuben, kann sie den plastisch gewordenen Tod (Nikolaus Nitzsche in einer beeindruckenden stummen Rolle) zunächst sogar aussperren – das Schicksal schwebt dennoch über ihr wie das Schwert des Damokles, und der Tod lässt nicht mit sich spaßen.

Siegerts Idee vom Gegenüber der ärmlichen Innenwelt und der unendlich weiten transzendenten Außenwelt findet auf der von Moritz Nitsche gebauten Bühne ihre Entsprechung in einer großen, transparenten Wand, die sich immer dann hebt, wenn die Protagonisten den Realismus ihres Lebens hinter sich lassen und in pure Poesie flüchten. Im ersten Akt finden Rodolfo und Mimi zueinander, die Wand entschwindet und öffnet den Blick auf den Pariser Sternenhimmel. Ähnlich funktioniert auch das Schlussbild, nur dass hier die sich wieder senkende Wand zur Grabplatte wird, zu einer unüberwindlichen Barriere, hinter der die so schmerzvoll Verstorbene in eine neue Welt ohne Armut und Leid tritt. Ein solches Konzept braucht im Graben und auf der Bühne kongeniale Partner. Leonora del Rio hat in dieser Produktion die bisher stärksten Momente ihres Engagements am Theater. Denn sie ist eben keine dauerhaft ins Taschentuch hüstelnde Mimi, sondern vertraut den nachdenklichen, pastellenen Tönen, was ihr dunkel gefärbtes Timbre besonders schön entfalten lässt. An ihrer Seite ist mit Sebastian Fuchsberger ein Rodolfo, der seine Partie ebenfalls nicht als olympischen Wettstreit ums hohe C ansieht, sondern der die Angst des jungen Künstlers im Mimik, Gestik und Stimme legt.

Dieses bewusste Zurücknehmen des Hauptpaares, die Versenkung in Poesie anstelle von Dramatik gibt dem zweiten Paar (Guido Kunze als Marcello und Lindsay Funchal als Musetta) angenehm viel Raum, ihr Dauerspiel um Eifersucht und Leidenschaft als spürbaren Kontrast zu zeichnen. An ihrer Seite agiert Sergio Raonic Lukovic als Musiker Schaunard mit Hang zur Komödie und Martin Gäbler als in sich ruhender Philosoph Colline.

Zusammengehalten wird der Abend durch einen zurückhaltend agierenden Dirigenten. Geschickt weiß Raoul Grüneis die Balance zu halten zwischen guter Sängerführung (bei der er nie der Versuchung erliegt, den Apparat zu laut tönen zu lassen) und vielschichtiger, fast impressionistischer Kolorierung an den Stellen, an denen die Geschichte vom Lieben und Sterben nur vom Orchester erzählt wird.

Von Hagen Kunze

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