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Döbeln Kühlwasserpumpe aus Hartha soll in Hockenheim durchstarten
Region Döbeln Kühlwasserpumpe aus Hartha soll in Hockenheim durchstarten
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22:19 19.07.2018
In diesem Rennwagen namens „greenHORNet“ geht in zwei Wochen eine Harthaer Kühlwasserpumpe in Most an den Start. Quelle: Livian Lehmann
Hartha

Bei der Pierburg Pump Technology GmbH in Hartha werden nicht nur sehr kleine und leichte Wasserumwälzpumpen gebaut. Eins dieser Aggregate wird außerdem in Kürze extrem schnell unterwegs sein – in einem Rennwagen namens „greenHORNet“, grüne Hornisse. Das Fahrzeug hat nicht nur 100 PS unter der Haube, sondern auch das in Hartha gefertigte Bauteil mit der Bezeichnung CWA 100-3. Es kühlt den Elektromotor nebst Fahrzeugelektronik des Rennwagens.

Konstrukteure holen Bauteil persönlich ab

Mit dem Team von T.U.C. Racing nimmt es in Kürze die Rennstrecken in Most und Hockenheim unter die Reifen. Cornelius Schaffer und Richard Fritzsche vom Verein T.U.C. Racing holten sich das begehrte Bauteil persönlich in Hartha ab.

Der Beginn einer langen Freundschaft

Tobias Dettmer, Abteilungsleiter für die Entwicklung elektrischer Wasserpumpen, hatte zum Termin geladen, bei dem Projektmanager Dr. Wolfram Zacher den jungen Männern das kleine Kraftpaket in die Hände und ans Herz legte. Das könnte der Beginn einer langen Freundschaft werden, und zwar zwischen dem Harthaer Unternehmen und der TU Chemnitz.

Elektronische Steuermöglichkeit entscheidend

Ausschlaggebend für die Wahl genau dieser Pumpe sind nicht allein geringe Größe und Gewicht, sondern die Möglichkeit ihrer elektronischen Steuerung. Die Schnittstelle zur Fahrzeugelektronik macht die Pumpe steuerbar und damit effizient. Bei hohen Drehzahlen muss der Elektromotor, mit dem die grüne Hornisse fährt, stärker gekühlt werden, bei niedrigen weniger.

Langer Kampf um passende Pumpe

Fahrzeugelektronik und Pumpe kommunizieren über eine Schnittstelle, tauschen Diagnosesignale aus – ein Energiesparfaktor. Zacher: „Wir haben lange gekämpft, um für dieses Projekt die passende Pumpe zu finden.“ Schaffer schätzt an der Kooperation den flexiblen, schnell und komplikationslos herstellbaren Kontakt. Er gesteht, auch bei anderen Unternehmen wegen einer derartigen Pumpe nachgefragt zu haben. Wirklich gut funktioniert habe es mit Pierburg.

Internationaler Wettbewerb der Universitäten

Mit der Pumpe unterstützen die Harthaer das Rennteam des T.U.C. Racing, welches vollständig aus TU-Studenten besteht. Jährlich wird ein Rennfahrzeug gebaut. Mit diesem treten die jungen Leute in der Formula Student an. Studierende verschiedener europäischer Hochschulen und Universitäten messen sich bei diesem internationalen Konstruktionswettbewerb. Seit 2015 sind die Chemnitzer Studenten dabei.

Es geht um mehr als Geschwindigkeit

Bei den einzelnen Disziplinen geht es nicht allein um Geschwindigkeit. Schaffer erläutert: „man muss beispielsweise mit dem Businessplan ebenso überzeugen wie mit dem Design und der Kostenkalkulation .“ Er selbst ist im Studiengang Automobil eingeschrieben, Richard Fritzsche studiert Maschinenbau.

Projekt kostet auch Studienzeit

Auch angehende Wirtschaftswissenschaftler oder Finanzmathematiker gehören zu den rund 50 Mitgliedern des Vereins, wobei es ein ziemliches Kommen und Gehen ist: „Wer in das Projekt eingebunden ist, muss einkalkulieren, dass dies viel Zeit in Anspruch nimmt. Die Rennen laufen zum Beispiel in der Prüfungszeit. Man muss sich entscheiden: Wer dabei sein will, hängt bei der Studienzeit mit Sicherheit einiges dran.“

Was zählt, ist die gewonnene Kompetenz

Dann müssten sich die Unternehmen auch entscheiden: Wollen sie jemanden im Team, der in kürzester Zeit sein Studium, aber nichts anderes gemacht hat, oder wollen sie wen, der vielleicht länger studiert, dafür in einem solchen Projekt eine gewisse Kompetenz gesammelt hat.

Businessplan und Kalkulation müssen überzeugen

In der Disziplin um den besten Businessplan gewann das Chemnitzer Team im vergangenen Jahr den ersten Platz. Dieses Jahr soll es erstmals auf die Strecke gehen, in 14 Tagen zum Beispiel in Most. Zu den dynamischen Disziplinen der Formula Student Germany (FSG) gehört eine Runde Auto Cross sowie ein 22 Kilometer Indurance-Rennen mit Fahrerwechsel. Beim Skid Pad muss eine Acht möglichst schnell gefahren werden.

Von null auf 100 in anderthalb Sekunden

Damit wird die maximal erreichbare Querbeschleunigung während einer konstanten Kreisfahrt ermittelt. Die Formula Student mag relativ unbekannt sein. Doch Schaffer weist darauf hin: „Eine Reihe von Beschleunigungsrekorden wurden bei diesem Rennwettbewerb aufgestellt.“ Zuletzt schaffte es ein Team innerhalb von 1,5 Sekunden von null auf 100 Kilometer pro Stunde. „Das geschieht dann auf etwa 30 Metern, das muss man sich mal vorstellen.“

Unternehmen will qualifizierte Ingenieure gewinnen

Die Rennfahrer kommen im Übrigen auch aus den Reihen der Studenten, sind demnach keine Profis. Schaffer sagt: „Wer gut Cart fährt, ist auch in unserem Auto ein guter Fahrer.“ Tobias Dettmann sagt über die neue Kooperation von Pierburg mit der TU Chemnitz: „Unser Hauptanliegen ist es, in der Region qualifizierte Ingenieure zu bekommen. Das wird immer schwieriger.“

Von Steffi Robak

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