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Racheakt bringt Bewährungsstrafe ein

Racheakt bringt Bewährungsstrafe ein

Auf ein merkwürdiges Stück Papier mit bedrohlichem Inhalt stieß Dieter A. am 15. Juli, als er den Versammlungssaal der Zeugen Jehovas an der Waldheimer Straße aufschloss.

"Wenn ihr das Spiel nicht sofort beendet, fliegt bei euch 'ne Bombe hoch", stand auf dem Wisch, den jemand unter der Tür durchgeschoben hatte.

 

Stefan F. gilt der Staatsanwaltschaft Chemnitz als Verfasser dieser Drohung. Die Anklage lautet auf "Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten" und wurde gestern am Amtsgericht Döbeln verhandelt. Jedoch ohne Angeklagten. Dieser schwänzte seinen Prozess. So verurteilte Strafrichterin Menzel auf Antrag der Staatsanwaltschaft ihn per Strafbefehl zu neun Monaten Haft mit Bewährung. Zur Auflage machte die Richterin, dass Stefan F. eine Drogenlangzeit-Therapie absolviert. Der Mann gilt als Konsument der Droge Meth-Amphetamin (Crystal) und Trinker. Er würde die Tat gestehen, wenn er vor Gericht erschienen wäre, ließ sein Verteidiger, Rechtsanwalt Mathias Renner, das Gericht wissen.

 

Bereits aus einem früheren Verfahren vor dem Amtsgericht Chemnitz wegen Diebstahls und Sachbeschädigung stammt ein psychiatrisches Gutachten, das sich mit der Schuldfähigkeit des Angeklagten befasst. Ergebnis: Der Mann ist nur eingeschränkt schuldfähig. Das Gutachten bescheinigt F. aggressive Impulse und auch wahnhafte Züge. Als solche wäre die Bombendrohung gegen die Zeugen Jehovas in Döbeln anzusehen, steht in der forensischen Einschätzung. Die Drohung sei demnach ein Racheakt, weil die Zeugen Jehovas Stefan F.´s Familienleben gestört hätten. Rechtsanwalt Renner wollte seinen Mandanten in einer Entziehungsanstalt unterbringen. Laut Strafgesetzbuch ist das möglich, wenn ein Mensch überwiegend im berauschten Zustand Straftaten begeht. Laut Gutachten sei aber eine solche Zwangseinweisung nicht gerechtfertigt.

 

Trotzdem entspann sich über diese Frage im Gerichtssaal eine umfangreiche Diskussion, an der sich auch Stefan F.´s Betreuer und eine Vertreterin des sozialen Dienstes beteiligten. Vor allem Arbeitsstunden, das zeigte dieses Gespräch, würden bei F. nichts bringen. Über 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit aus seiner früheren Verurteilung seien noch offen. Zudem bestünden erhebliche Schwierigkeiten, den Mann überhaupt erfolgreich zu vermitteln. Hatte er bereits in einem Jobcenter randaliert, was entsprechende Befürchtungen bei möglichen Trägern auslöste, bei denen Straftäter ihre Arbeitsstunden ableisten können.

 

Rechtsanwalt Renner konnte sich nicht damit durchsetzen, Stefan F. per Gerichtsurteil in eine Entziehungsanstalt einzuweisen. Aber gegen einen Strafbefehl, der F. zu einer Geld- und Bewährungsstrafe verurteilt hätte, hätte der Anwalt Einspruch eingelegt. Folge: Eine neue Hauptverhandlung.

Dirk Wurzel

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