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Randale in Hartha: Angeklagter womöglich seelisch krank und nicht zurechnungsfähig

Justiz Randale in Hartha: Angeklagter womöglich seelisch krank und nicht zurechnungsfähig

Wie ein Berserker soll ein 25-Jähriger im Frühjahr vergangenen Jahres auf Autos in Hartha losgegangen sein, wobei er einen Fahrer beleidigt haben soll. Das Amtsgericht Döbeln konnte den Prozess gestern nicht zu Ende führen. Der Angeklagte hat offenkundig ein seelisches Handicap und muss erstmal zum Sachverständigen.

Ein 25-Jähriger soll in Hartha Autos beschädigt, deren Fahrer und Polizisten beleidigt haben. Nun steht er in Döbeln vor Gericht.

Quelle: dpa

Hartha/Döbeln. Für tüchtig Ungemach soll ein 25-Jähriger im Frühjahr vergangenen Jahres in Hartha gesorgt haben. Autofahrer anhalten und beschimpfen, Autos beschädigen, Polizisten beleidigen – die Anklage listet ein e ganze Litanei an Straftaten auf: Nötigung, Sachbeschädigung, Beleidigung.

Anhand der bisher erhobenen Beweise in Gestalt der Aussagen der Zeugen hätte Richterin Magdalena Richter im Amtsgericht Döbeln wohl wenig Schwierigkeiten gehabt, dem Mann die Taten nachzuweisen und eine Strafe zu finden. Wenn da nicht sein Handicap wäre. Rechtsanwältin Peggy Wetzig, die Verteidigerin des mutmaßlichen Störenfriedes, erklärte: „Er hatte seine Tabletten nicht genommen und kann sich an viele Dinge nicht erinnern, die damals passiert sind. Er hatte zu der Zeit auch eine Räumungsklage vom Vermieter, weil er Unfug in dem Mietshaus angestellt hatte“, sagte die Anwältin und benannte auch das seelische Leiden ihres Mandanten. Der Prozess warf kein gutes Licht auf die Arbeit des psychiatrischen Sachverständigen. Ein dem Gericht vorliegendes psychiatrisches Gutachten bescheinigte dem Mann volle Schuldfähigkeit. Aber offenbar hatte der Arzt den Auftrag recht rasch und oberflächlich abgearbeitet. „Wieso haben Sie dem denn gesagt, sie seien damals zurechnungsfähig gewesen und hätten ihre Medikamente immer reingenommen?“, wollte Staatsanwältin Lehmann vom Angeklagten wissen. „Ich habe mich geschämt“, sagte der junge Mann, der vor Gericht einen ruhigen Eindruck hinterließ, recht klar und besonnen wirkte.

Aggressiver Tatverdächtiger nur mit Pfefferspray zu bändigen

Ganz anders dagegen im Frühjahr vergangenen Jahres „Der war auf 180“, sagte ein Zeuge. In soll der Angeklagte genötigt haben, mit seinem Transporter anzuhalten. „Er stand auf der Straße, ich wollte anhalten, das ließ er nicht zu“, schilderte der Mann. Er hielt an, der Angeklagte habe ihm einen Scheibenwischer abgebrochen und ihn als Stasischwein beschimpft. Beide kannten sich, waren mal Kollegen beim Harthaer Bauhof. Trotzdem wundert sich der Zeuge über die Attacke. „Wir sind immer gut miteinander ausgekommen.“ Einer Frau soll der 25-Jährige eine Delle ins Auto getreten haben. Als die Polizei bei einem dieser Vorfälle anrückte, erlebten die Beamten einen aggressiven Tatverdächtigen. „Er fragte, mich ob ich ein paar auf die Fresse haben will. Das wollte ich nicht, griff zum Pfefferspray und sprühte ihn damit ein“, sagte eine Polizeihauptkommissar des Döbelner Reviers. Ein Kollege des Polizisten hatte den Mann, der jetzt in Chemnitz wohnt, bei einem anderen Einsatz als ziemlich wirr erlebt. „Der war total neben der Spur“, sagte der Polizeioberkommissar.

Die Juristinnen waren sich einig, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der vorgeworfenen Straftaten wohl nicht ganz Herr seiner Sinne war. Deshalb ordnete Richterin Richter an, die Schuldfähigkeit erneut einen Psychiater untersuchen zu lassen. Bis Ergebnisse vorliegen, setzte sie die Hauptverhandlung aus.

Von Dirk Wurzel

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