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Döbeln Raub im Rausch in Döbeln: Gericht verurteilt Araber zu langer Haftstrafe
Region Döbeln Raub im Rausch in Döbeln: Gericht verurteilt Araber zu langer Haftstrafe
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Das Landgericht Chemnitz hat Yassine B. unter anderem wegen schweren Raubes verurteilt. Quelle: Dirk Wurzel
Döbeln/Chemnitz

Er zog raubend, schlagend und klauend durch Döbeln, widersetzte sich Polizeibeamten: Wegen einer ganzen Litanei an Straftaten, darunter Verbrechen wie schwerer Raub, hat die 6. Große Strafkammer des Landgerichtes Chemnitz Yassine B. am Mittwoch zu sieben Jahren Haft verurteilt. Außerdem ordnete die Kammer an, den 25-jährigen Marokkaner in einer Entziehungsanstalt unterzubringen. Denn dessen Crystal-Sucht ist mit dafür verantwortlich, dass B. diese schweren Straftaten beging.

„Wir wollen Ihnen mit auf den Weg geben, dass ein Verhalten, wie Sie es seit Jahren an den Tag legen, nicht damit vereinbar ist, wenn sie tatsächlich vorhaben, hier in Deutschland zu leben , vor allem auf freiem Fuß zu leben. Solches Verhalten ist keine Option“, sagte Richter Kay-Uwe Sander, Vorsitzender de 6. Großen Strafkammer, als er deren Urteil begründete. Die beiden Berufsrichter und zwei Schöffen, die diesem Spruchkörper angehören, hatten mehrheitlich keine Zweifel, dass die Zeugen die Wahrheit sagen. In einem Punkt konnte sich der Geschädigte allerdings vor Gericht nicht mehr genau erinnern, ob ihn der Marokkaner am 30. August 2016 im Zimmer des Geschädigten mit einem Messer bedroht und 50 Euro aus der Tasche gezogen hatte. „In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten – mussten wir Sie von diesem Tatvorwurf des schweren Raubes freisprechen. Das hat aber nichts damit zu tun, dass wir dem Zeugen nicht glauben“, sagte der Vorsitzende.

Mildernde Umstände durch Crystal-Sucht

Messer spielen bei vielen Taten eine Rolle, derer das Gericht Yassine B. für schuldig befand. So hatte die Kammer keinen Zweifel, dass er am 3. November 2016 einen anderen Asylbewerber an der Volkshauskreuzung mit dem Messer bedrohte, den Mann stach und Geld sowie Mobiltelefon stahl. Oder dass er einen anderen Bewohner der Asylunterkunft an der Mastener Straße in Döbeln mit dem Messer verletzte, was als gefährliche Körperverletzung Eingang ins Urteil fand. Die 6. Große Strafkammer nahm bei allen der Vergehen und Verbrechen, die Yassine B. nach ihrer Sicht begangen hat, minder schwere Fälle an. Mit der Crystal-Sucht begründete das Gericht diese mildernden Umstände.

Yassine B. kam vor etwa sechs Jahren nach Deutschland und fiel gleich mit einem Verbrechen auf. Er raubte in Hamburg einem Mann dessen Mobiletelefon. „Seine Delinquenzentwicklung begann zwei Tage nach seiner Einreise in Deutschland“, sagte Dr. Thomas Kasten. Der forensische Psychiater hatte die Schuldfähigkeit des Angeklagten für das Gericht einzuschätzen. Er kam zu dem Ergebnis, dass B. durch seine Abhängigkeit vermindert schuldfähig ist. Er sprach sich zudem dafür aus, den Marokkaner zur Therapie in den Maßregelvollzug zu schicken. Dr. Kasten nannte den Marokkaner einen „spätjugendlichen Intensivtäter“. Drei Jahre Jugendhaft in Regis hat B. ebenfalls hinter sich. Im Knast demolierte er eine Überwachungszelle, zerschlug Scheiben und zerschlitzte die Matratze. Als er im Frühjahr vergangenen Jahres freikam, dauerte es nicht lange, bis er wieder Crystal nahm und kriminelle Dinge tat. Dr. Kasten hat in der Vorführzelle des Landgerichtes mit Yassine B. gesprochen. „Ich war überrascht, auf einen höflichen, umgänglichen jungen Mann zu treffen“, schilderte er seine positiven Eindrücke. Die passen nicht so recht zu dem Bild, das Yassine B. im Sommer und Herbst vergangenen Jahres in Döbeln hinterließ, als er raubend und prügelnd durch die Stadt zog.

Staatsanwältin Annett Ströse hatte in ihrem Plädoyer beantragt, Yassine B. unter anderem wegen zweifachen schweren Raubes sowie räuberischen Diebstahls, gefährlicher Körperverletzung und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Gesamtstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten Haft zu verurteilen. Außerdem forderte sie, Yassine B. zusätzlich zur Haftstrafe in der Entziehungsanstalt unterzubringen.

„Das entscheiden, was Recht ist“

Rechtsanwalt Thomas H. Fischer verteidigte Yassine B.. Er zog in seinem Schlussvortrag die Aussagen der Zeugen in Zweifel. In einem Fall sah er den Straftatbestand als nicht erfüllt an. So habe B. die Waren im Kaufland vergessen zu bezahlen, als ihn die Ladendetektive zur Rede gestellt hatte. Diese Leute hatte B. dann angegriffen. Das war als räuberischer Diebstahl angeklagt. Wer beim Klauen erwischt wird und Gewalt anwendet, um sich im Besitz der Beute zu halten, macht sich dieses Verbrechens schuldig. Rechtsanwalt Fischer meinte aber, dass sein Mandant gar nicht vorgehabt hatte, sich die gestohlenen Sachen anzueignen. Gegen das Sicherheitspersonal habe er sich gewehrt, weil er wusste, dass ein Haftbefehl gegen ihn vorlag und er sich der drohenden Festnahme durch die Polizei entziehen wollte.

Keine Straftat ohne Gesetz und Taten, die Mangels glaubhafter Zeugenaussagen, nicht nachweisbar sind – in der logischen Konsequenz hätte Rechtsanwalt Fischer in seinem Plädoyer Freispruch fordern müssen. Aber überraschenderweise stellte der Verteidiger keinen konkreten Antrag. Er bat das Gericht stattdessen, „das zu entscheiden, was Recht ist.“

Yassine B. hatte sich in der dreitätigen Hauptverhandlung nicht zu den Tatvorwürfen eingelassen, sondern geschwiegen. Beim Plädoyers seines Verteidigers weinte er. Wie sein Verteidiger im Schlussvortrag sagte, sei ihm die Tragweite des Verfahrens gar nicht so recht bewusst. Er glaubte mit Bewährung und Arbeitsstunden davon zu kommen.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Verteidigung und Staatsanwaltschaft können es mit der Revision anfechten. Staatsanwältin Ströse geht nicht davon aus, Rechtsmittel einzulegen.

Von Dirk Wurzel

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