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Raub in Döbeln: 33-Jähriger zu fast fünf Jahren Haft verurteilt

Landgericht Chemnitz Raub in Döbeln: 33-Jähriger zu fast fünf Jahren Haft verurteilt

Mit recht rüden Methoden hat der Döbelner Großdealer Frank M. (33) seine Schulden eingetrieben. Die strafrechtliche Quittung bekam er am Mittwoch im Landgericht Chemnitz, das den Mann zu vier Jahren und elf Monaten Haft verurteilte.

Für fast fünf Jahre schickte das Landgericht am Mittwoch den Döbelner Großdealer Frank M. hinter Gitter.

Quelle: dpa

Döbeln/Chemnitz. Mit einem Schuldspruch ging am Mittwoch der Prozess gegen den Döbelner Großdealer Frank M. (33) am Landgericht Chemnitz zu Ende. Ihm lag im aktuellen Verfahren Raub und Freiheitsberaubung zur Last. Er hatte gestanden, im Juni 2015 auf recht brutale Weise Schulden eingetrieben zu haben. Es ging um 400 Euro. „Drogengeld“, wie der Geschädigte sagte. Er habe bei M. fünf Gramm Crystal gekauft, konnte aber nicht bezahlen. Damit belastete sich Chris F. trotz Belehrung selbst. Es ist nämlich strafbar, Crystal anzukaufen.

M. räumte vor Gericht ein, den Geschädigten geschlagen zu haben. Außerdem zwang er ihn zunächst in dessen Audi. Frank M. saß am Steuer, Chris F. auf dem Beifahrersitz. Nach einer kurzen Tour durch Döbeln parkte M. das Auto in der Nähe des Autohofes „Heiterer Blick“ und ging eine Bockwurst essen. Chris F. hatte er in den Kofferraum gesperrt. Als M. zu dem Fahrzeug zurückkam, hatte sich der Eingesperrte selbst befreit. M. nahm dann den Audi und stellte ihn in einer abgelegenen Garage bei Döbeln ab, wo ihn die Polizei später fand.

Zeuge sagt endlich aus

Die 1. Große Strafkammer verurteilte M. nun wegen schweren Raubes, Freiheitsberaubung und versuchter schwerer räuberischer Erpressung zu einer Gesamtstrafe von vier Jahren und elf Monaten Haft. Die Kammer bezog ihre frühere Entscheidung ein. Sie hatte M. wegen Drogenverbrechen zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. „Das Wegfahren des Autos sehen wir als versuchte schwere räuberische Erpressung“, sagte die vorsitzende Richterin Simone Herberger, als sie das Urteil der Kammer begründete. Diese sah zudem als erwiesen an, dass M. dem Geschädigten 20 Euro aus dem Portemonnaie genommen hatte – was sie juristisch als schweren Raub wertete. Weil das Gericht diesen wegen der geringen Beute als minder schweren Fall ansah, konnte es das Strafmaß mildern. Bei dem Versuch der schweren räuberischen Erpressung als Milderungsgrund, dass die Tat im Versuchsstadium stecken geblieben war. M. hatte das Auto nicht verkauft. Den geschädigten Zeugen musste die Polizei vorführen. Er gab Geldschwierigkeiten an, weshalb er bisher schwänzte. Aber seine Vernehmung lieferte auch Anhaltspunkte dafür, dass er noch immer Angst vor Frank M. hatte. Am Mittwoch schließlich bestätigte er im Groben die Angaben M.´s.. Allerdings sagte er, dass ihm M. im Auto eine Handfeuerwaffe an den Kopf gehalten hatte – was ihm das Gericht glaubte. „Der Zeuge hat glaubhaft und ohne Belastungseifer ausgesagt. Auch an den pistolenähnlichen Gegenstand konnte er sich gut erinnern“, sagte Richterin Herberger.

„Wir wünschen Ihnen, dass Sie von Ihrem Lebenswandel weg und wieder auf die gerade Bahn geraten“, sagte Richterin Herberger zu M. Der hatte aus finanziellen Schwierigkeiten mit dem Crystal-Handel begonnen. Er ist bisher nicht vorbestraft. Das aktuelle Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Weil dem Urteil eine sogenannte Verfahrensabsprache zugrunde lag, dürfen Staatsanwaltschaft und Verteidigung keinen Rechtsmittelverzicht erklären. Das sieht die Strafprozessordnung so vor. Im Falle eines Geständnisses hatte die Kammer einen Strafrahmen zugesichert, der zwischen vier Jahren und elf Monaten sowie fünf Jahren und drei Monaten bewegt. „Ich bereue diese Tat. ich werde alles daran setzen, den Rest meines Lebens straffrei zu bleiben“, sagt Frank M. in seinem letzten Wort als Angeklagter.

Verteidiger: Kein Raub, nur Nötigung

Mit dem nun verhängten Strafmaß folgte das Gericht dem Antrag der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Thomas H. Fischer aus Döbeln und Rechtsanwalt Uwe Sabel aus Zwickau. Die Anwälte bewerteten die Taten des Angeklagten juristisch unterschiedlich. Während Uwe Sabel Freiheitsberaubung, schweren Raub und versuchte räuberische Erpressung sah, ging sein Kollege Fischer „nur“ von Nötigung und dem unbefugten Gebrauch eines Kraftfahrzeuges aus. „Mein Mandant hatte nicht die Absicht, sich das Auto zuzueignen. Bei der Freiheitsberaubung muss man das Nachtatverhalten sehen: Mein Mandat hat dem Opfer die Möglichkeit gegeben zu fliehen“, sagte Rechtsanwalt Fischer. Den Raub der 20 Euro sah er als nicht erwiesen an. „Der Zeuge hat nicht gesehen, dass ihm Herr M. 20 Euro aus dem Portemonnaie genommen hat. Er hat nur bemerkt, dass ihm das Geld fehlt.“ Das Geld hätte auch eine dritte Person genommen haben können. Schließlich lag das Portemonnaie lange im Auto. Was die Rechtsfolgen betrifft, schloss sich Thomas H. Fischer seinem Kollegen an und sah keinen Grund den „Deal“ platzen zu lassen.

Über die Gründe für die unterschiedliche Bewertung der Verteidiger lässt sich nur spekulieren. Vielleicht ist es nur ein Manierismus des Anwalts. Möglicherweise sammelt Thomas H. Fischer aber auch Gründe für eine Revision beim Bundesgerichtshof. Mit seiner Einordnung der Taten als Nötigung und unerlaubten Gebrauch von Kraftfahrzeugen könnte sich jedenfalls eine Sachrüge begründen lassen. Sachrüge heißt: ein Gericht hat materielles Recht falsch angewendet. Zum Beispiel, jemand wegen Diebstahls verurteilt, der eigentlich eine Unterschlagung begangen hat. Oder jemanden des schweren Raubes, des Versuch der schweren räuberischen Erpressung und der Freiheitsberaubung schuldig gesprochen, der nach Ansicht seines Verteidigers „nur“ jemanden nötigte und dessen Auto unbefugt nutzte.

Von Dirk Wurzel

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