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Raub in Döbeln: Angeklagter gesteht, aber Belastungszeuge fehlt

Gerichtsbericht Raub in Döbeln: Angeklagter gesteht, aber Belastungszeuge fehlt

Geschlagen, bedroht, mit Stromstößen traktiert und zu guter Letzt noch in den Kofferraum seines eigenen Autos gesperrt: Frank M. war nicht zimperlich, als er Schulden bei Chris F. eintreiben wollte. Vor dem Landgericht Chemnitz gestand er dies jetzt. Wer allerdings fehlte, war der Hauptbelastungszeuge.

Der 33-jährige Döbelner Frank M. soll seinen Schuldner in den Kofferraum gesperrt haben. Deswegen ist unter anderem der Freiheitsberaubung angeklagt.

Quelle: dpa

Döbeln/Chemnitz. Mit recht rüden Methoden hat der Döbelner Drogendealer Frank M. in den ganz frühen Morgenstunden des 14. Juni 2015 versucht, Geld einzutreiben: Er schlug seinen Schuldner, nahm sich dessen Auto, hielt dem Geschädigten während der Fahrt einen Elektroschocker an den Körper und löste diesen aus. Der Elektrogeschockte saß zunächst auf dem Beifahrersitz, Frank M. am Steuer. Der sollte ihn später in den Kofferraum sperren und noch ein Stück fahren. Dann parkte er den Wagen und lief zum Rasthof Heiterer Blick, aß dort eine Bockwurst. Als er wieder zum Auto zurück kam, hatte sich Chris F. daraus befreit und war geflohen. Frank M. parkte den Audi in einer abgelegenen Garage in Döbeln, wo ihn schließlich die Polizei einige Tage später fand.

Geständnis nach Verfahrensabsprache

Das ist im Groben der Tatablauf, den Frank M. am Mittwoch im Landgericht Chemnitz schilderte „Das war ein riesengroßer Fehler“, sagte der 33-Jährige. Für die Staatsanwaltschaft erfüllen M.´s Handlungen in jener Juninacht den Tatbestand des Raubes in Tateinheit mit Freiheitsberaubung. Dessen hat sie M. angeklagt und seit Mittwoch verhandelt nun die 1. Große Strafkammer des Chemnitzer Landgerichtes. Gleich zu Beginn verkündete Richterin Simone Herberger, die Vorsitzende dieser Strafkammer, das Ergebnis eines Rechtsgesprächs zwischen Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung. Für ein Geständnis sichert die Kammer M. eine Strafe zu, die sich zwischen vier Jahren und elf Monaten sowie fünf Jahren und drei Monaten bewegt. Das soll dann eine Gesamtstrafe sein, bei der das Gericht eine frühere Verurteilung einbezieht. Denn wegen Drogenverbrechen hatte die 1. Große Strafkammer M. am 2. Februar zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Weil die jetzt angeklagte Tat zeitlich vor dieser Verurteilung liegt, muss das Gericht laut Paragraf 55 Strafgesetzbuch nachträglich eine Gesamtstrafe bilden.

Frank M. galt als Größe in der Döbelner Drogenszene. Ins Visier der Fahnder geriet er auch, weil ein anderer Döbelner Dealer umfassend bei der Polizei aussagte und dabei Frank M. belastete. Nicht nur ihn, auch in einem noch laufenden Verfahren am Amtsgericht Döbeln gegen eine 31-jährige mutmaßliche Drogenhändlerin spielt dieser Kronzeuge eine wichtige Rolle. Auf seinen Angaben fußt die Anklage gegen die Frau.

Im Kofferraum des eigenen Autos eingesperrt

Frank M. sitzt mittlerweile in der JVA Waldheim seine Haftstrafe ab, zu der ihn die Herberger-Kammer im Februar verdonnert hatte. Dieses Urteil ist rechtskräftig. In seinem aktuellen Prozess am Landgericht stritt er ab, einen „pistolenähnlichen Gegenstand“ verwendet zu haben, als er Chris F. unter anderem dazu zwang, sein Mobiltelefon sowie seine Brieftasche herauszugeben, wie es im Anklagesatz steht. Allerdings gab er zu, den Elektroschocker verwendet zu haben – auch wenn er versuchte, dies so zu relativieren: „Da war eh die Batterie runter.“ Die Drohung, mit dem Geschädigten im Kofferraum nach Tschechien zu fahren und dort das Auto samt des lebendigen Kofferraum-Inhalts zu verkaufen, räumte er ein. Um dann wiederum zu versuchen den Tatverdacht zu zerstreuen, er sei ohne Fahrerlaubnis am 14. Juni 2015 mit dem Motorrad zum Heiteren Blick zu gefahren, wo er seinen Schuldner treffen wollte. „Ich bin nicht auf öffentlichen Straßen sondern auf Feldwegen gefahren“, so Frank M. Es mutet seltsam an, dass er die schwereren Anklagepunkte gestand – solche Pillepalle-Taten wie das Fahren ohne Fahrerlaubnis aber nicht. Zumal das noch nicht mal angeklagt ist.

Zeuge schwänzt Verhandlung

Seinem Geld ist Frank M. laut eigenem Angaben lange hinterhergelaufen. „Ich dachte, wenn ich sein Auto nehme, zahlt er endlich“, sagte er. Seinen Schuldner kenne er aus der Döbelner Drogenszene. Die 400 Euro habe der sich wohl geborgt, um Crystal zu kaufen.

Der Audi A 4 scheint Chris F. recht wichtig zu sein, wie dessen Profil im sozialen Netzwerk Facebook im Internet zeigt. Gleich mehrere Bilder des Autos hat er dort eingestellt. Nach Chemnitz ist er aber damit am Mittwoch nicht gefahren, denn im Gericht wartete man vergeblich auf ihn. Dort sollte F als Zeuge aussagen, was er über die verhängnisvolle Fahrt in den frühen Morgenstunden des 14. Juni vergangenen Jahres weiß. Das Gericht fragte bei fast allen sächsischen Gefängnissen an, ob F. gerade einsitzt. Zum Beispiel, weil er eine Geldstrafe des Amtsgerichtes Eilenburg nicht bezahlt haben könnte. „Im Gefängnis hält er sich nicht auf“, fasste Richterin Herberger das Ergebnis dieser Recherchen zusammen. Zuvor hatte sie versucht, bei F. anzurufen, kriegte ihn aber nicht an die Strippe. So blieb der Strafkammer nichts anderes übrig, als den Prozess zu vertagen und gegen F. 300 Euro Ordnungsgeld zu verhängen.

Von Dirk Wurzel

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