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Döbeln Raub in Döbeln: Wichtiger Zeuge fehlt erneut vor Gericht
Region Döbeln Raub in Döbeln: Wichtiger Zeuge fehlt erneut vor Gericht
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12:14 14.06.2016
Der 33-jährige Döbelner Frank M. soll seinen Schuldner in den Kofferraum gesperrt haben. Deswegen ist unter anderem der Freiheitsberaubung angeklagt. Quelle: dpa-Zentralbild
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Döbeln/Chemnitz

Das Landgericht Chemnitz fahndet nach Chris F. Der soll dort als Zeuge gegen den mutmaßlichen Räuber Frank M. aussagen, schwänzte aber am Montag schon zum zweiten Mal. Bisher konnte ihn auch die Polizei nicht aufspüren. Die 1. Große Strafkammer legt aber Wert auf diese Zeugenaussage. „Offensichtlich hat der Zeuge kein Interesse mehr an der Strafverfolgung“, meinte Richterin Simone Herberger, die Vorsitzende dieser Strafkammer.

Mit recht rüden Methoden hat der Döbelner Drogendealer Frank M. in den ganz frühen Morgenstunden des 14. Juni 2015 versucht, Geld bei F. einzutreiben: Er schlug seinen Schuldner, nahm sich dessen Auto, hielt dem Geschädigten während der Fahrt einen Elektroschocker an den Körper und löste diesen aus. Der Elektrogeschockte saß zunächst auf dem Beifahrersitz, Frank M. am Steuer. Der sollte ihn später in den Kofferraum sperren und noch ein Stück fahren. Dann parkte er den Wagen und lief zum Rasthof Heiterer Blick, aß dort eine Bockwurst. Als er wieder zum Auto zurück kam, hatte sich Chris F. daraus befreit und war geflohen. Frank M. parkte den Audi in einer abgelegenen Garage in Döbeln, wo ihn schließlich die Polizei einige Tage später fand. Das alles hat M. bereits am ersten Verhandlungstag eingeräumt. Die Aussage des Zeugen F. ist wichtig, um sie mit dem Geständnis abzugleichen.

Schmuggelfahrt endet an Hauswand

Der Geschädigte hatte sich selbst aus dem Kofferraum befreit. „Der linke Bereich der Rückbank ließ sich problemlos nach vorne klappen“, heißt es im Bericht der Kriminaltechnik, den die Vorsitzende vortrug und damit in die öffentliche Hauptverhandlung einführte. Durch eine Öffnung von 48 mal 38 Zentimetern kraxelte F. aus dem Kofferraum und gelangte so ins Freie. Am Auto – auch das verrät der Bericht der Kriminaltechnik – fanden sich keine Spuren von Frank M. Ein Abgleich der gefundenen DNA ergab keine Übereinstimmung mit dem genetischen Fingerabdrucks von Frank M..

Der sitzt bereits in der JVA Waldheim wegen bewaffneten Drogenhandels. Als seine Firma schlecht lief, begann er mit Crystal zu handeln. So verkaufte er 30 Gramm der Droge an den Mann, der später mit seiner Aussage Verfahren gegen M. und weitere Angehörige der Döbelner Drogenszene ins Rollen brachte. Die Drogen holte M. unter anderem aus Tschechien. Hier ging er dem Zoll nach einer Verfolgungsjagd ins Netz. M. hatte auf einem Vietnamesenmarkt kurz hinter dem Grenzübergang Bahratal 97 Gramm Crystal mit einem Wirkstoffgehalt von 68 Gramm Methamphetaminbase gekauft. Das ist knapp das 14fache von dem, was laut Entscheidung des Bundesgerichtshofes als geringe Menge gilt. Bis nach Bad Gottleuba jagte der Zoll M damals, der auf einem Motorrad fuhr, für das er keine Fahrerlaubnis hatte. Sechs Kilometer nach der Grenze endete die Fahrt für M. an einer Gottleubaer Hauswand. Er hatte Crystal genommen, als er die Drogen einschmuggelte. Neben dem Rauschgift stellten die Beamten auch noch ein Springmesser und ein Piexon-Tierabwehrgerät sicher. Das verschießt aus einer Kartusche einen Klecks Pfeffergel, was eine ähnliche Wirkung wie Pfefferspray hat.

Neue Strafe als Gesamtpaket

Für das bewaffnete Handeltreiben mit Betäubungsmittelmitteln in nicht geringer Menge sieht das Gesetz mindestens fünf Jahre Haft vor. Aber die 1. Große Strafkammer des Chemnitzer Landgerichtes nahm einen minder schweren Fall an, als es M. am 2. Februar zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilte, und konnte so unter der Mindeststrafe bleiben. „Die sichergestellten Gegenstände sind weniger gefährlich, als eine Schusswaffe. Außerdem hat der Angeklagte ein Teilgeständnis abgelegt, ist nicht vorbestraft und war durch die konsumierten Betäubungsmittel enthemmt“, trug die Kammervorsitzende weiter vor. Das Gericht muss dieses Urteil auflösen und mit der zu erwartenden Strafe für den Raub ein neues Gesamtpaket schnüren. „Nachträgliche Gesamtstrafenbildung“ nennen das die Juristen. Notwendig ist das, weil die jetzt angeklagte Tat – also der schwere Raub und der Freiheitsberaubung zu Lasten des Zeugen F. – zeitlich vor der Drogen-Verurteilung liegt. So regelt es Paragraf 55 Strafgesetzbuch.

Für ein Geständnis sichert die Kammer M. eine Gesamtstrafe zu, die sich zwischen vier Jahren und elf Monaten sowie fünf Jahren und drei Monaten bewegt. Sollte sich der Sachverhalt mit dem geraubten Auto wesentlich anders darstellen, als es M. bereits gestanden hat, ist die Kammer nicht mehr an die Verfahrensabsprache gebunden. Ob das so ist, wird sich möglicherweise am nächsten Verhandlungstag herausstellen.

Von Dirk Wurzel

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