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Rechtsrutsch in Roßwein: Pegida-Ableger redet Horrorszenarien herbei

Rechtsrutsch in Roßwein: Pegida-Ableger redet Horrorszenarien herbei

Roßwein. "Wir sind keine Rechten, wir sind keine Linken, sondern ganz normale Bürger." Fast gebetsmühlenartig sagt Jens Tamke, Sprecher und Gesicht der asylkritischen Gruppe "Roßwein wehrt sich - nein zum Wohnheim" solche Sätze in seinen wöchentlichen Reden auf dem Roßweiner Markt.

Keine Rechten? Prof. Matthias Pfüller, Hochschullehrer im Ruhestand, sieht das anders. Er hat sich mit der Facebook-Seite der Gruppe befasst. "Diese ist weit nach rechts gerückt und dort geblieben", sagt er. Jens Tamke rede Horroszenarien herbei, sagt Prof. Pfüller. Und zwar damit: Ausländer würden ihre Unterkünfte anzünden, ließen ihre Umgebung verwahrlosen, treiben sich im Ort herum, würden Mädchen und Frauen belästigen, mit Drogen dealen. Auch solche Sprüche sind auf den Zusammenkünften des Roßweiner Pegida-Ablegers auf dem Markt aus dem Mund Tamkes zu hören. "Mit der Verteufelung dieser Mini-Minderheit nähert sich Tamke ebenso wie die Facebook-Seite immer stärker rechtsextremen Positionen, für die jeder Ausländer einer zu viel ist und die Öffentlichkeit verpestet", sagt Prof. Pfüller. Als Mini-Minderheit bezeichnet er die in Roßwein lebenden Asylbewerber wegen der Zahlenverhältnisse: Selbst wenn in ein paar Wochen 100 Menschen im Haus M der ehemaligen Hochschule leben werden, macht diese Zahl im Verhältnis zu den anderen 7600 Roßweiner Einwohnern einen Anteil von 1,3 Prozent aus.

 

Für Prof. Pfüller stellt sich nicht nur die Frage, ob Tamke und die Facebook-Seite von "Roßwein wehrt sich" bereits Rassismus predigen, sondern ob diese nicht schon Volksverhetzung betreiben. Zumindest auf vorangegangenen Kundgebungen ließ sich Jens Tamke ziemlich undifferenziert über Muslime aus. "Der Hass der Moslems gegenüber Christen, Ungläubigen, Juden und was auch immer ist abgrundtief". Belege für diese These lieferte er nicht.

 

Professor Matthias Pfüller registriert zudem eine zunehmende verbale Radikalisierung der Kommentare auf der Facebook-Seite. "Inzwischen war bereits zweimal die Rede von der G-Kammer, in die verhasste Ausländer gehörten, denen man ohnedies wünscht, dass möglichst viele von ihnen ("Dreckspack" oder "Viehzeug") bei der Flucht umkämen, was sie ohnehin verdienten, weil sie ihre Familien im Stich ließen", sagt Prof. Pfüller. "G-Kammer" steht in diesem Zusammenhang für Gaskammer.

 

Die DAZ gab Jens Tamke per Email die Möglichkeit, sich zu den Beobachtungen und Einschätzungen des Professors zu äußern. Als aber die dafür gesetzte Frist gestern gegen 17 Uhr verstrich, war keine Antwort eingetroffen.

 

Prof. Pfüller freut sich indes über den wachsenden Zuspruch und die wachsende Unterstützung für das asylfreundliche Bündnis "Willkommen in Roßwein". Im Stich gelassen fühlt er sich indes vom Landkreis Mittelsachsen. "Man hat zwar die erste Unterstützung gerne angenommen - aber inzwischen geschieht nichts mehr. Schlimmer noch: Ehrenamtlich Tätige, wie zum Beispiel beim vorerst letzten Antrag auf Demonstrationsgenehmigung für den 13. Mai, werden mit Androhung von Strafen beim Verstoß gegen allgemeine Bestimmungen brüskiert. Es ist - gelinde gesagt - ein Armutszeugnis für die immer wieder geforderte' gelebte Demokratie." © Kommentar

Dirk Wurzel

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