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Regenbogenverein gibt auf

Frauenzentrum Döbeln Regenbogenverein gibt auf

Ende September geht in Döbeln eine Ära zu Ende: Nach 23 Jahren löst sich der Verein zur Förderung von Fraueninitiativen auf, der sich mit seinem Frauenzentrum „Regenbogen“ auf die Fahnen geschrieben hatte, gegen Diskriminierung, Gewalt und soziale Benachteiligung von Frauen zu agieren und entsprechende Projektarbeit zu leisten. Beschlossen wurde die Auflösung im Mai in der jüngsten Mitgliederversammlung des Vereins, der aktuell noch 28 Mitglieder zählt.


Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. Vor allem fehlende finanzielle Mittel nennt der Vorstand als Grund für die Aufgabe der Vereinsarbeit.

In den zurückliegenden drei Jahren war es eher still um den Regenbogenverein geworden. Man buk kleinere Brötchen, hielt aber elf verschiedene Gruppen am Leben und war mit diesen und der florierenden Kleiderkammer Anlaufpunkt für Frauen jeden Alters. Um die 150 Leute pro Woche, schätzt Marina Schulze vom Vorstand, nutzen die Angebote, die der Verein bis jetzt noch am Leben gehalten hat.

Große Projekte aber, wie es sie vor 2014 gegeben hatte, konnten nicht mehr verwirklicht werden. Engagiert war der Verein unter anderem in der Kinder- und Jugendarbeit. Es gab Ferienprojekte und einen Mädchentreff. Heute sind die Räume hinter der Tür mit den bunten Buchstaben nur noch Büros. Die Frauenschutzwohnung gehörte ebenso zu den Leistungen des Regenbogenvereins. Die musste der Verein im April 2014 schließen.

Ausgangspunkt für die Misere waren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Verein wegen angeblichen Subventionsbetruges. Das Verfahren wurde zwar eingestellt, die Vorwürfe erwiesen sich als haltlos – die Geldgeber aber froren die finanziellen Mittel ein.

Damit war die Finanzierung der fest angestellten Sozialarbeiterinnen nicht mehr möglich. „Uns fehlen somit die Leute, die Projekte entwickeln könnten, für die es dann auch wieder Fördermittel gäbe. Und ohne Geld bekommen wir auch keine Leute“, beschreibt Marina Schulze das Dilemma, in dem sich der Verein seither befindet und dem er bis jetzt versucht hat die Stirn zu bieten. Fördergeld gab es lediglich noch von der Bürgerstiftung „Wir für Deutschland“ für die Aufwandsentschädigung der ehrenamtlichen Helfer im Verein.

Doch es funktioniert einfach nicht mehr so, wie es sollte. Die finanziellen Reserven, die der Verein noch hatte, sind aufgebraucht. Und: „Wir können dem Anspruch, mit dem dieser Verein gegründet worden ist, nicht mehr gerecht werden.“

Seit etwa einem halben Jahr sei man schwanger gegangen mit dem Gedanken, den Verein aufzulösen. Und zwar zur rechten Zeit – nämlich bevor er in die Insolvenz gehen muss. „Wir haben die Reißleine gezogen.“ Bis jetzt hatte das Frauenzentrum die Räumlichkeiten in der Zwingerstraße 3/4 unterhalten können. Einnahmen kamen durch Vermietung, den Kleiderbasar und die kleinen Beiträge, die für die Angebote in den Gruppen gezahlt werden.

Doch Marina Schulze hat als Finanzchefin des Vereins die Zahlen genau im Blick. Allein 1000 Euro für die Nebenkosten im Monat muss das Frauenzentrum erwirtschaften. „Bis September kommen wir hin“, sagt Marina Schulze. Ihr ist es wichtig, nicht ins Minus zu geraten. „Wir können ohne Schulden aufhören.“ Zurzeit räumen die Frauen schon aus, geben Materialien, die nicht mehr benötigt werden weiter – an Kindereinrichtungen beispielsweise.

Dass sie erst so spät mit der Information an die Öffentlichkeit gegangen sind, begründet Marina Schulze mit der Rücksichtnahme auf ihre Gruppen. „Die wollte ich einfach gern persönlich informieren.“ Dass die Frauen, die beim Seniorentanz, beim Frauenfrühstück, Tanz und Gymnastik oder auch bei Handarbeit Kontakte pflegen können, auch weiterhin die Möglichkeit dazu haben, wünscht sich Marina Schulze sehr. „Wir geben das Haus hier zum 30. September ab. Aber vielleicht besteht ja die Möglichkeit, durch die TAG eine Begegnungsstätte zu schaffen. Oder dass unsere Sportgruppen wenigstens weiter den Turnraum nutzen können“, hofft sie.

Der Verein zur Förderung von Fraueninitiativen ist 1994 von Birgit Lehmann gegründet worden. Gemeinsam mit 20 Gleichgesinnten hatte die inzwischen verstorbene erste Vereinschefin die Initiative aufgebaut. Das Frauenfrühstück ist ein Angebot der ersten Stunde. Es folgten ungezählte Projekte zur Förderung von Frauen und Kindern in Notlagen, unter anderem eine Beratungsstelle, Selbsthilfegruppenarbeit für Eltern mit verhaltensauffälligen Kindern und ein Netzwerk für Frauen im ländlichen Raum. Der Verein ist Träger des Regine-Hildebrandt-Preises und des Sächsischen Integrationspreises.

Von Manuela Engelmann

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