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Regiobahnen rollen wieder zwischen Chemnitz und Elsterwerda

Nach Chaostagen im Schienenverkehr Regiobahnen rollen wieder zwischen Chemnitz und Elsterwerda

Die Mitteldeutsche Regiobahn hat derzeit massive Probleme mit Zugausfällen. Nachdem der Zugverkehr auf der Strecke Chemnitz – Elsterwerda ersatzlos eingestellt wurde, rollen die Waggons nach Angaben der Bahn seit Donnerstag wieder.

Am Mittwoch und Donnerstag stellte die MRB den Zugverkehr auf der Strecke Chemnitz-Elsterwerda über Döbeln komplett und ersatzlos ein.Foto: Thomas Sparrer

Döbeln. Mit drastischen Worten machte am Mittwoch Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU) seinem Ärger über die Chaostage bei der Mitteldeutschen Regiobahn Luft. „Der Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen verscheißert die Menschen in Mittelsachsen und besonders in der Region Döbeln.“ Denn nach den Zugausfällen vom Montag und Dienstag auf der Bahnstrecke Chemnitz-Riesa-Elsterwerda über Waldheim und Döbeln legte die Mitteldeutsche Regiobahn am Mittwoch die Bahnstrecke komplett still. Denn von 29 der nagelneuen Elektrotriebzüge Coradia Continental des Herstellers Alstom sind gerade mal noch neun fahrbereit (DAZ berichtete darüber).

Während die Mitteldeutsche Regiobahn die beiden anderen Strecken (Dresden-Hof und Dresden-Zwickau) weiter im Stundentakt bedient und Schienenersatzverkehr einrichtet, heißt es für die Menschen in der Region Döbeln, Waldheim, Mittweida auf der Homepage des Bahnbetreibers nur: „Die Regionalbahn 45 (Chemnitz – Elsterwerda) wird ab morgen (6. Dezember) aufgrund des Fahrzeugmangels komplett ausfallen. Fahrgäste werden gebeten, alternative Reiserouten zu nutzen.“ Dazu stellt die MRB noch einen Hinweis auf die Internetadresse der Bahn und eine kostenpflichtige Servicenummer.

Dieses Vorgehen des Bahnanbieters und des Verkehrsverbundes Mittelsachsen VMS ließ Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer fast platzen vor Wut. Auch Mittelsachsens Landrat Matthias Damm tobte über diese „bodenlose Frechheit“ gegenüber den Menschen in Mittelsachsen. „Wo leben wir denn?“, fragt der Landrat in Richtung Verkehrsverbund Mittelsachsen und spricht von groben Pflichtverletzungen. Auch Döbelns Oberbürgermeister gibt dem Zweckverband VMS eine schallende Ohrfeige: „Es ist eine Sauerei, wenn sich die Fahrgäste nun selbst kümmern müssen und der VMS ein solches Vorgehen des Bahnbetreibers duldet. Wenn von 29 Fahrzeugen nur neun fahrbereit sind, dann stimmt beim Bahnbetreiber und beim VMS einiges nicht. Und wenn dann nicht mal ein Schienenersatzverkehr eingerichtet wird, zeigt das mit welch geringer Wertschätzung der VMS die Region Döbeln behandelt.“

Ausbaden müssen das Chaos bei der Mitteldeutschen Regiobahn und dem VMS seit Mittwoch die Fahrgäste. So etwa die Döbelner Berufsschüler. „Ich weiß, dass viele unserer Schüler, die an unserer Außenstelle in Mittweida die Fachoberschule Technik besuchen, heute nicht zur Schule kamen“, sagt Michael Winkler, stellvertretender Schulleiter des Beruflichen Schulzentrums Döbeln-Mittweida. Viele Döbelner Schüler besuchen zudem das Berufsschulzentrum Riesa, weil das Fachabi in Döbeln nicht mehr angeboten wird. Auch sie standen gestern auf dem Bahnhof und kamen nicht weg.

An der Oberschule Waldheim werden in der DAZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) Flüchtlingskinder unterrichtet. Einige leben im Raum Ostrau und kommen mit dem Zug nach Waldheim zur Schule. „Am Montag und Dienstag fand sich noch eine Mutter, die einen minderjährigen Flüchtling in Pflege hat, die die Kinder mit dem Auto brachte. Aber da fuhren zumindest heimwärts am Nachmittag die Züge. Jetzt müssen die Kinder für die nächsten zwei Tage leider ganz zu Hause bleiben“, war gestern im Sekretariat der Oberschule Waldheim zu erfahren.

Eisenbahnfreunde, die nach dem Desaster um die Einstellung der Bahnstrecke über Döbeln und Roßwein nach Meißen ohnehin am Verkehrsverbund Mittelsachsen zweifeln, diskutieren die „Chaostage bei der Bahn“ in ihren Internetforen heftig. „Es ist in großem Maße unmoralisch, was hier mit Steuergeldern getrieben wird. Der VMS hat dreistellige Millionenbeträge in Züge investiert, damit das System nicht mal sechs Monate störungsfrei durchhält! Nach dem Desaster um die Hybridbahnen zwischen Leipzig und Döbeln, die auch noch nicht serienreif sind, ist dies der zweite Vorfall in einem ÖPNV-System, welcher seines Gleichen in Deutschland sucht“, so ein Eisenbahnfreund. Ein anderer kommentiert: „Der nächste Hit ist jetzt die Einstellung des Gesamtverkehrs auf der RB 45, während die RE 3 sowie die RB 30 weiter im Stundentakt aufrechterhalten werden. Ich frage mich, wer das festgelegt hat! Anstatt auf allen Linien einen Notbetrieb im 2-Stunden-Takt zu halten, koppelt man jetzt ganze Landstriche ab – wo man in den Chefetagen der Verbände schon liebäugelt, nach Ablauf des Verkehrsvertrages keine neue Leistung mehr bestellen zu müssen. Also darf man sich nun freuen, dass die RB 45 trotz Geldzuflüssen weiter auf der Abschussliste steht und man jetzt die Fahrgastzahlen mutwillig weiter ruiniert. Getreu dem Motto – ist die Bahn erst ruiniert, fährt der Bus ganz ungeniert...“

Auch Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer ist auf den Verband VMS, der in der Region den Bahnverkehr auf die Schiene stellen soll, stinksauer: „Die Millionengelder, welche der Verband dafür bekommt, fließen ins Chemnitzer Modell, während die Region Döbeln bahntechnisch abgehängt wird.“ Verbandsgeschäftsführer Neuhaus habe keine seiner Zusagen an die Stadt Döbeln eingehalten. „Für Juni 2016 war versprochen, dass in Döbeln wieder die Züge bis zum Bahnhof Zentrum rollen. Davon ist auch nichts zu sehen“, so Egerer.

Kommentar: Bahnverbund grenzt Döbelner aus

Die Verkehrspolitik in Sachsen ist an Kleinstaaterei und der Unterteilung in fürstentum-ähnliche Verkehrsverbünde gescheitert. Zu diesem Fazit muss man aus Sicht der Region Döbeln kommen. Bahntechnisch wird Döbeln mehr und mehr abgehangen. Die Einstellung der Bahnlinie nach Meißen ist dafür ein Beispiel. Die macht einen Innenstadtbahnhof zum hohlen Vogel an dem keine Züge halten und hängt die Stadt Roßwein komplett ab. Bahntechnisch ist die Reise nach Dresden für die Region Döbeln somit eine Weltreise. Im Oktober folgt das Chaos um die Dieseltriebwagen auf der Bahnstrecke von Döbeln über Grimma nach Leipzig. Jetzt die Kompletteinstellung des Fahrbetriebes auf der Bahnstrecke Chemnitz-Elsterwerda. Die Döbelner werden einfach stehen gelassen. Auf den beiden anderen Fahrstrecken traut man sich eine solche Frechheit mit den Menschen nicht. Ganz klar, der Verkehrsverbund Mittelsachsen setzt seine Prioritäten in Chemnitz und ist rein vom Namen her eine Mogelpackung.

Gefühlt wird gerade im Umfeld der drei sächsischen Großstädte jedes Dorf per S-Bahn angebunden. Ein Mittelzentrum wie Döbeln wird abgehängt. Das ist eine dramatische Fehlentwicklung.Gerade vor dem Hintergrund, dass Städte wie Dresden und Leipzig explosionsartig wachsen, müsste doch gerade jetzt noch mehr in den Schnellbahnverkehr in Mittelzentren wie Döbeln investiert werden. Hier steht die Infrastruktur an Schulen, Kitas , Wohnungen, die in den bald übervollen Großstädten für Milliardensummen erst geschaffen werden muss.

Schnelle Nahverkehrsverbindungen könnten verhindern, dass im ländlichen Raum irgendwann Infrastruktur mit Förderprogrammen abgerissen wird und man in übervollen Großstädten mit dem Bauen, Investieren und Spekulieren gar nicht hinterher kommt.

th. sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer

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