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Region Döbeln: Mammobil fährt Erfolge ein

Region Döbeln: Mammobil fährt Erfolge ein

"Die Erkrankung an Brustkrebs ist Schicksal", sagt Dr. Klaus Hamm, Facharzt in einer Chemnitzer Röntgen-Gemeinschaftspraxis. "Wir können die Erkrankung nicht verhindern, aber wir geben den Frauen die Chance, den Brustkrebs früher zu erkennen und damit die Heilungschancen und die Lebensqualität zu erhöhen.

Region Döbeln. Das Mammobil soll ab Mitte März in Döbeln stehen. Damit ist die fahrende Röntgenpraxis das dritte Mal im Altkreis unterwegs, erklärt Klaus Hamm. Der Arzt ist in der Screening-Einheit Mittelsachsen-Chemnitz-Erzgebirge unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Programmverantwortliche Ärztinnen sind Dr. Larissa Kotrini und Dr. Gesine Kindel.

Wer hat das Screening eingeführt?

Der Deutsche Bundestag hat vor zehn Jahren beschlossen, das Mammographie-Screening-Programm deutschlandweit einzuführen. Auch die Frauenselbsthilfe nach Krebs sowie andere Frauen- und Selbsthilfeorganisationen hatten sich für ein bundesweites und flächendeckendes Screening-Programm stark gemacht.

Warum gibt es diese Form der Vorsorge-Untersuchung?

"Wir suchen und finden mit dem Screening nahezu ausschließlich Tumore, die nicht tastbar sind", erklärt Dr. Klaus Hamm. "Genau das ist ja der Ansatz für diese Form der Untersuchung, die zur früheren Erkennung von Befunden führt, als das bisher durch die alleinige Tastuntersuchung möglich war."

Brustkrebs wird tastbar, wenn der Tumor eine Größe von mehr als zwei Zentimetern hat. Beim Screening werden aber in sieben bis acht von zehn Erkrankungs-Fällen Vorstufen entdeckt, die nicht tastbar sind, erklärt Klaus Hamm. "Nur zwei bis drei von zehn diagnostizierten Befunden haben eine Größe, die bei regelmäßiger, systematischer Tastuntersuchung zu finden wären." Die Betonung liege dabei auf "regelmäßig und systematisch", so Hamm.

Macht das Screening die Tastuntersuchung überflüssig?

Nein, auf keinen Fall. Die regelmäßige Selbstuntersuchung zwischen den Screening-Kontrollen behält einen sehr hohen Stellenwert und wird von Medizinern dringend empfohlen. Es gibt allerdings Defizite bei der Umsetzung der Selbstuntersuchung, sagt Klaus Hamm. Daher würden in Brustzentren Schulungen angeboten.

Was hat die Untersuchung bislang gebracht?

Im Jahr 2010 wurden in der Screeningeinheit Mittelsachsen-Chemnitz-Erzgebirge insgesamt 255 Karzinome im Rahmen der Untersuchungen entdeckt. Bei rund 80 Prozent dieser Befunde waren noch keine regionalen Lymphknoten befallen. "Das ist mit einer deutlich günstigeren Prognose für die Frau verbunden", sagt Klaus Hamm. Vor der Screening-Einführung habe die Quote bei nur 58 Prozent gelegen.

Wie ist der Ablauf und wer führt die Untersuchung durch?

Frauen zwischen 50 und 69 Jahren erhalten etwa bis Ende Februar eine Informationsbroschüre und eine Einladung zu einem bestimmten Termin, Ausweichtermine sind möglich. Das Mammobil steht ab Mitte März für mehrere Wochen in Döbeln, immer montags bis freitags, jeweils zwischen 7 und 19 Uhr. Wer ins Mammobil kommt, legt sein Einladungsschreiben und die Versichertenkarte vor. Die Untersuchung selbst führen medizinisch-technische Assistentinnen für Radiologie durch. Innerhalb von sieben Werktagen muss der untersuchten Person ein schriftlicher Befund vorliegen; in vielen Fällen geht es aber schneller, erklärt Dr. Klaus Hamm. Im Rahmen der Diagnostik müssen immer zwei Ärzte unabhängig voneinander einen Befund erstellen. Wird etwas gefunden, liegen fünf unabhängige Befunde vor, bevor die Patientin informiert wird. Die radiologischen Geräte sind auf dem modernsten Stand und werden täglich geprüft. "Unsere Qualitätsstandards sind sehr hoch", betont Klaus Hamm.

Entstehen Kosten für die Frauen?

Nein, es muss auch keine Praxisgebühr bezahlt werden.

Gibt es Kritikpunkte an der Untersuchung?

Kritiker führen ins Feld, dass auch extrem frühe Stadien diagnostiziert werden, die ohne Diagnose womöglich nie zu Problemen geführt hätten. Dr. Klaus Hamm ist von der Untersuchung mit Blick auf die bisherigen Erfolge dennoch überzeugt. Und: "Wenn wir 200 Frauen über zehn Jahre untersuchen, wird eine davon nicht an Brustkrebs sterben." Statistisch gesehen wird aber auch eine Frau von einem Befund erfahren, der für sie nie zu Beschwerden geführt hätte. Unter dem Strich stehen für Klaus Hamm aber die Senkung der Sterblichkeit sowie die Verbesserung der Heilungschancen und der Lebensqualität durch die Erkennung von Tumoren in frühen Stadien.

-Standpunkt

 

Björn Meine

q Bei der ersten Untersuchung im Altkreis Döbeln im Jahr 2008 wurden 4880 Frauen eingeladen, 60 Prozent nahmen teil. Bei der zweiten Runde 2010 kamen 70 Prozent der 4620 eingeladenen Frauen.

q 2008 wurde bei 28 Frauen Brustkrebs festgestellt. Bei 22 Diagnosen waren die Tumore kleiner als 20 Millimeter, bei sechs Diagnosen zwischen 20 und 50 Millimeter. Bei 19 Patientinnen waren keine Lymphknoten befallen.

q 2010 wurde bei 25 Frauen Brustkrebs festgestellt. Bei 18 Diagnosen waren die Tumore kleiner als 20 Millimeter, bei sechs Diagnosen zwischen 20 und 50 Millimeter, bei einer Diagnose größer als 50 Millimeter. Bei 18 aller operierten Patientinnen waren keine Lymphknoten befallen.

q Vor der Screening-Einführung waren Diagnosen und Prognosen in der Region Döbeln erheblich schlechter.

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