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Döbeln Region Döbeln: Mit Sohlen-Heizung und Orgasmus
Region Döbeln Region Döbeln: Mit Sohlen-Heizung und Orgasmus
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21:25 01.02.2012
Region Döbeln

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Es pustet kräftig über das Dach, auf dem Mike Müller gerade den Schornstein fegt. Der starke Wind, der direkt aus Sibirien zu kommen scheint, beißt ins Gesicht. Aber der 42-Jährige aus Ziegra-Knobelsdorf kann nicht einfach kneifen. "Zurzeit kehren wir die Kohle-Schornsteine in unserer ersten Tour", erklärt er. "Im März ist die zweite Kehrung dran, da müssen wir mit der ersten durch sein."

Der Schornsteinfegermeister verweist auf die Durchführungspflicht. "Der Ruß muss raus, sonst kann es zu einem Schornsteinbrand kommen." So steigt er nach oben, wie er sagt, "mit langen Unterhosen, einem warmen Arbeitsanzug und guter Laune." Das sei Gewohnheitssache. Ein wenig hustet er und spricht davon, dass dies sein regelmäßiger Begleiter sei. Am meisten mache ihm der Wechsel zwischen dem warmen Büro und der Tätigkeit im Freien zu schaffen. Wirklich krank wäre er aber nicht, er sei abgehärtet.

Zum Abhärten suchen viele andere lieber nicht das Dach, sondern die Sauna auf. Entsprechend Betrieb herrscht bei Christine Naumann im Stadtbad. Ihre Nackedeis setzen sich Temperaturen von bis zu 95 Grad aus. Aber sie können wenigstens sitzen und genießen. Christine Naumann hingegen bereitet ihnen den Aufguss und wedelt ihnen die Hitze entgegen.

"Ich freue mich, wenn die Leute einen Sauna-Orgasmus bekommen", sagt sie mit einem Grinsen. Gemeint sind damit keine Ferkeleien, sondern ein künstliches Heilfieber. Extreme Hitze kann dazu führen, dass einem plötzlich kalt wird - Gänsehaut inbegriffen. Manchmal ereilt Christine Naumann ebenfalls dieses Gefühl.

Jede Stunde macht sie den Aufguss, der fünf bis zehn Minuten dauert. Anstrengend ist das zwar. "Aber ich kann mich draußen oder unter den Duschen abkühlen. Außerdem habe ich zwischendurch Ruhephasen", winkt sie ab. Sie sieht in allem eine Gewohnheitsfrage und betont: "Ich habe meinen Lieblingsjob gefunden und möchte ihn nicht tauschen."

Das merkt sie schon allein, wenn sie nach getaner Arbeit heim geht. Zwar freut sie sich, an die frische Luft zu kommen. "Aber lange darf es nicht kalt sein, denn ich friere schnell", sagt sie. "Und wenn ich friere, freue ich mich schon wieder auf den nächsten Tag in der Sauna." Dann wird sie wieder wedeln. "Die Temperatur steigt dadurch übrigens gar nicht an. Die höhere Luftfeuchte, die beim Aufguss entsteht, vermittelt das Gefühl, dass es heißer wird", verrät sie.

Von einer höheren Luftfeuchte will Carola Göppert aus Casabra bei Mügeln lieber nichts wissen. "Nasses Wetter und Temperaturen zwischen null und minus fünf Grad, da holt man sich eine Erkältung", weiß sie aus Erfahrung. Die Händlerin verkauft zum gestrigen Döbelner Markttag warme Unterwäsche und sieht den jetzigen Dauerfrost gelassen. "Diese trockene Kälte tut einem nichts."

Nur ein bisschen steif wirkt sie. Das liegt an ihrer Kleidung, die sie als Zwiebel-Look bezeichnet. Schale um Schale streifte sie am Morgen über: Leggins, eine Unterhose, Skihose, zwei Pullover, Oma für den Hals, Jacke, Mütze und Handschuhe. Der besondere Clou: In den Schuhen liegen beheizbare Sohlen, die von Batterien gespeist werden, die sie an den Waden befestigt hat. So kann Carola Göppert fast schon jedem Wetter trotzen. Erst das Wärmen von Innen macht aber alles vollkommen. "Viel heißer Tee und ab und zu eine Zigarette, das muss ein."

Lieber wäre ihr dennoch gewesen, wenn der Winter einen normalen Verlauf genommen hätte. "Wenn es ab Herbst ständig kälter wird, gewöhnt man sich besser an die Temperaturen", schätzt Carola Göppert ein. "Dieser plötzliche Kälteeinbruch ist schon etwas schwierig."

Das ist er auch für Sabrina Noack aus Waldheim, denn sie kann schon den geringsten Hauch von Kälte nicht ab. So gesehen, hat sie den richtigen Job in der Roßweiner Wäscherei Zinnecker gefunden. Dort steht sie zwischen drei Pressen, eine für die Ärmel, eine für die Vorder- und Rückseiten sowie eine für die Kragen von Kitteln und Kasacks. Alle drei Geräte werfen Wärme ab. Ideal für die 25-Jährige.

Jetzt im Winter ist es in der Halle gemütlich, weil die Tore immer mal geöffnet werden. Aber im Sommer, wenn sich die Hitze staut, kann die Belegschaft ins Schwitzen kommen. Sabrina Noack weniger. "Mir ist es selbst im Sommer hier drin nicht zu heiß. Wenn die anderen schon Shorts und T-Shirts bei der Arbeit anziehen, laufe ich immer noch mit langen Hosen und Sweatshirt herum."

Klar, dass sie nicht mit einer Händlerin auf dem Wochenmarkt tauschen möchte. Ihr reicht es schon, wenn sie nachmittags nach Hause fahren muss. In drei Jacken hüllt sie sich dann. In den heimischen vier Wänden muss es kuschelig warm sein. Am liebsten hätte sie es um die 30 Grad. "Da macht aber mein Freund nicht mit", schränkt sie ein. "Er sagt, mehr als 25 Grad gibt's nicht." Frank Pfeifer

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