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Region Döbeln: Spontane Aktionen des Schweigens

Region Döbeln: Spontane Aktionen des Schweigens

Spontan oder gar nicht wurde gestern auf den Aufruf zur Schweigeminute in der Region Döbeln reagiert. Gewerkschaften und Arbeitgeber hatten zwar die Aktion initiiert, mit der bundesweit der Opfer der Neonazi-Morde gedacht werden sollte, doch die Menschen erreichte die Botschaft in der Regel zu spät.

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Mitarbeiter der Döbelner Stadtverwaltung und der Döbelner Allgemeinen Zeitung gestern zur Schweigeminute auf dem Obermarkt.

Quelle: Gerhard Dörner

Region Döbeln. Die DAZ und in der Folge die Stadtverwaltung Döbeln luden kurzfristig zu einer gemeinsamen Gedenkminute auf den Obermarkt ein. Als die Uhr des Rathauses, dessen Fahnen mit Trauerflor versehen waren, 12 Uhr schlug, wurde es still. Hinterher äußerte Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU): "Ich hoffe, dass die Aktion auf einen fruchtbaren Boden fällt." Regionalverlagsleiter Jan Simon betonte: "Es ist wichtig, in der Öffentlichkeit zu demon-strieren, dass die rechte Szene bei uns keine Chance haben soll."

Das Landratsamt hatte den Aufruf zum Gedenken an die Opfer rechtsextremer Gewalt ins Intranet gestellt. Somit waren alle Mitarbeiter informiert. Es wurde ihnen freigestellt, sich zu beteiligen. Die Fahnen der Gebäude der Kreisbehörde, auch die in Döbeln, wurden auf Halbmast gesetzt.

"Das Anliegen der Aktion unterstütze ich", sagte Pfarrer Lutz Behrisch. "Aber es ist schlecht kommuniziert worden. Er selbst hatte erst am Vormittag davon gehört. "Jetzt kann ich niemanden mehr erreichen, um uns als Kirchgemeinde noch geschlossen zu beteiligen. Sofern aber Mitarbeiter davon wissen, befürworte ich es, wenn sie die Schweigeminute einhalten." Er selbst wollte dies auf alle Fälle tun.

Ähnlich erging es Arnold Liebers, Superintendent des Kirchenbezirks Leisnig-Oschatz. Auch er konnte nur noch auf individuelle Lösungen setzen. "Die Sache ist gut, aber ich kritisiere, wie sie kommuniziert wurde", erklärte er. "Wäre ich eher informiert worden, hätte ich noch einen Impuls an die Kirchgemeinden herausgeben können." Er selbst wollte, wie jeden Mittag, 12 Uhr beten, wenn in Leisnig die Glocken läuten. "Christen beziehen in dieses Gebet immer die aktuellen Themen mit ein."

In vielen Städten standen die Busse für eine Minute still. Nicht so rund um Döbeln. Michael Tanne, Geschäftsführer der Regiobus Mittelsachsen, bedauerte, dass er erst am Morgen im Radio von dem Aufruf erfahren hatte. Da war es zu spät, um den Fahrern die Information zukommen zu lassen. "Wie ich heute im Radio gehört habe, bringen sich unsere Partner im Verkehrsverbund Mittelsachsen, die Städtischen Verkehrsbetriebe Zwickau, hingegen ein", sagte er.

Die Stadtverwaltung Waldheim hatte gestern früh noch keine offizielle Aufforderung zur deutschlandweiten Schweigeminuten vorliegen. "Wenn das aber so ist, werden auch wir uns daran beteiligen", erklärte Waldheims Bürgermeister Steffen Blech (CDU). Er informierte umgehend alle Mitarbeiter der Verwaltung. "Ich habe angeordnet, dass bei uns in der Stadt Halbmast geflaggt wird." Auch die Mitarbeiter des Kulturamts wurden aufgefordert, die Arbeit für eine Minute ruhen zu lassen, um der Opfer der Zwickauer Terrorzelle zu gedenken. Nach Angaben von Blech wurde ebenso im Abwasserzweckverband Untere Zschopau die Schweigeminute eingehalten.

"Die Beamten, die nicht direkt mit den Häftlingen zu tun haben, werden sich an der Aktion beteiligen", sagte Joachim Kreyß, Amtsinspektor der Justizvollzugsanstalt Waldheim. Die Häftlinge selber können von den Beamten aber nicht aufgefordert werden, sich an der Schweigeminute zu beteiligen, so Kreyß.

Hartha hat der Aufruf kaum erreicht. Verwaltungen, Vereine und Kirchengemeinde erfuhren häufig erst mit der Presseanfrage der DAZ von der Aktion. Viele der wichtigsten Vertreter waren im Urlaub. Conny Zimmermann vom Heimatverein Wendishain war hingegen auf dem Laufenden. "Aber etwas spezielles geplant haben wir nicht", sagte sie. "Ich denke, dass es auf jeden Fall ein wichtiges Thema ist. Doch es ist auch so überrepräsentiert in den Medien, dass viele einfach abstumpfen und die Signalwirkung ausbleibt - traurigerweise."

Per Mail wurden die Mitarbeiter der Harthaer Sparkasse in Kenntnis gesetzt. "Wir wurden gebeten, für eine Minute die Arbeit niederzulegen", berichtete Ronny Walter und wollte dem Punkt 12 Uhr nachkommen.

Im Roßweiner Rathaus wurde ebenfalls der Opfer der Nazi-Terrorzelle gedacht. "12 Uhr legen wir alle im Haus eine Schweigeminute ein", sagte der stellvertretende Hauptamtsleiter, Michael Klöden. "Um diese Zeit wird das Rathaus ohnehin über Mittag geschlossen, so kommen wir mit der Unterbrechung der Arbeit nicht unseren Bürgern am Sprechtag dazwischen."

In Leisnig gab Bürgermeister Tobias Goth (CDU) die Bitte an die Mitarbeiter in den einzelnen Ämtern weiter, für die Schweigeminute innezuhalten. "Es ist eine Geste, mit der man sich selbst und auch untereinander bewusst macht, wie wichtig das Thema ist." In Leisnig habe es im Hinblick auf die Resolution gegen den in Sachsen beabsichtigten Polizeiabbau ein gewisses Gewicht. Goth: "Diese Dinge greifen schließlich ineinander."

Die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung im Ostrauer Rathaus schwiegen für eine Minute. Dies bestätigte der erste stellvertretende Bürgermeister, Wolfram Hirsch (Freie Wähler). Außerdem sei kurz über das Thema gesprochen worden. Im Bauhof der Gemeinde hätten die Mitarbeiter ebenfalls kurz innegehalten. Bauhofleiter Jürgen Bartoschick erfuhr von der Gedenkminute im Radio.

Für Mochau kam der Aufruf zu kurzfristig. Bürgermeister Gunter Weber (CDU): "Wir haben nichts geplant." Seinem Amtskollegen von Zschaitz-Ottewig erging es ähnlich. Immo Barkawitz (Freie Wähler) erklärte: "In der Gemeinde ist nichts geplant. Und von anderen Initiativen in dieser Richtung weiß ich nichts." FP, HS, kas, sf, sro, nga

 

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