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Religion in Schwarz und Weiß

Alternativer Unterricht Religion in Schwarz und Weiß

Ein Jesus mit Stinkefinger, und das im Religionsunterricht - so etwas gibt es in Leisnig bei Kristin Dorias-Thomas. Mit Schülern der neunten Klasse besuchte die Rektorin der Apian-Oberschule die aktuelle Fotoausstellung in der Kaplanstube der Burg Mildenstein. Dort zeigt Steffi Robak bis 31. Oktober Fotos unter dem Titel „Momente des Erinnerns - Was zu sehen bleibt“.

Manche schauen noch, andere denken schon, manche wissen bereits, was sie aufschreiben wollen – Religionsunterricht in der Fotoausstellung auf Burg Mildenstein.

Quelle: Sven Bartsch

Leisnig. Warum der Jesus auf dem Foto den Stinkefinger zeigt? Egal, cooler Typ jedenfalls... Religionsunterricht kann schräg aussehen, in einer Fotoausstellung auf der Burg Mildenstein statt im Klassenraum. Beim ersten Hinsehen gibt es manchmal etwas zum Lachen, beim zweiten mindestens etwas zum Nachdenken, beim dritten vielleicht zum Reden. Mit zwanzig Schülern einer Religionsklasse rückte die Rektorin und Religionslehrerin Kristin Dorias-Thomas dort ein.

Mehr als Zeigen und Ansehen

Die Idee stammt von der Vernissage der Ausstellung im Juli. Die zwölf großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien unter dem Titel „Momente des Erinnerns – Was zu sehen bleibt“ folgen einem Konzept, das die Grenze des bloßen Zeigens und Anschauens überschreitet. Motive von verlassenen, vergessenen Orten, Abrisshäusern, Fabriken, Kliniken, wiedergegeben mit den Mitteln der subjektiven Fotografie, fordern die geistige Beweglichkeit des Betrachters. Sie verlangen nach Interpretation.

In einigen Motiven provokativ

„Einiges ist trotz oder gerade wegen des Rückgriffs auf christliche, mythologische, literarische Kontexte offen provokativ“, so die bekennende Christin. Brüskiert fühle sie sich nicht. Bei einzelnen Vernissage-Besuchern war das noch anders gewesen. Die Religionslehrerin fühlt sich herausgefordert und wagt das Experiment: Was würden ihre Reli-Schüler zu den Motiven sagen? Wie steigen 15-Jährige in eine Interpretation ein? Es wird kein Ausstellungsbesuch, bei dem Gott sei Dank der Unterricht schnell vergeht. Mit Arbeitsblättern und Stift ausgerüstet, entdecken die Schüler die Motive für sich. Eine Woche später wird das Aufgeschriebene im Unterricht ausgewertet.

Selbstständig arbeiten und denken

Der Jesus dort ist offenbar nicht unsympatisch - Jean-Pierre Fischer muss jedenfalls gleich lachen. „Schlafes Bruder“ beschäftigt ihn schon stärker: Auf ein Krankenhausbett ist das Gemäuer von der Decke herab gestürzt, begräbt das Gestell unter sich. „Gefährlich ist es da drin. In Abrisshäuser sollte man nicht gehen. Obdachlose können manchmal nicht anders.“ Die Schüler arbeiten selbstständig in kleinen Gruppen. Was sie sehen, sollen sie aufschreiben, und was die Fotografin gemeint haben könnte. Die Religionslehrerin hat Steffi Robak mit zu dieser Unterrichtsstunde gebeten. Ihre Fotos könnte sie von vorn herein erklären, soll sie aber nicht. Wird sie von Schülern auf ein Motiv konkret angesprochen, gibt sie einen Hinweis - selber denken ist gefordert.

Interpretieren mit eigener innerer Logik

Tatsächlich folgen die Interpretationen der 14- und 15-Jährigen deren eigener innerer Logik. Einige Jungen versuchen, einzelne Gegenstände, Materialien zu erkennen, bauen auf deren Eigenschaften ihre Interpretation auf. Für manche Mädchen sind Gesamteindruck und Grundstimmung prägnanter. So lautet die Empfehlung der Fotografin: „Macht euch eure eigenen Gedanken und euer Bild von dem, was ihr seht. Und fragt danach, wie es jemand anders sieht, sprecht darüber. Dann haben alle Seiten etwas davon. Man kann dabei nichts falsch machen.“

Entwicklungsstufen erkennen

In der 9b gibt es in einer Woche die Auswertung. Danach besucht Kristin Dorias-Thomas die Ausstellung mit Schülern der Klassenstufe 7. Für die Pädagogin hat das einen wissenschaftlich-theologischen Hintergrund: Ihr geht es um die Entwicklungsstufen des Glaubens nach Fritz Oser und Paul Gmünder. „Das kommt nicht mit einem bestimmten Alter, sondern mit den Erfahrungen, unter anderem mit der Christenlehre“, so Dorias-Thomas. Zwölf Fotos in der Ausstellung und zwölf Apostel zum Beispiel - für Lukas Lißner hat auch das schon eine erkennbare Logik.

Von Steffi Robak

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