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Rentner gesteht sexuellen Übergriff auf geistig Behinderte

Justiz Rentner gesteht sexuellen Übergriff auf geistig Behinderte

Ein Dorf im Altkreis Döbeln war Tatort eines Sittlichkeits-Vergehens, dass einen Rentner auf die Anklagebank im Amtsgericht Döbeln gebracht hat. Mit seinem Geständnis ersparte er der Geschädigten eine Aussage vor Gericht. Das wiederum überraschte, indem es eine Strafe verhängte, die sogar unter dem lag, was die Verteidigung beantragt hatte.

Das Amtsgericht Döbeln verhandelte am Donnerstag die Anklage wegen eines Sittlichkeits-Vergehens.

Quelle: dpa

Region Döbeln. In einem Dorf im Altkreis Döbeln hatte ein Rentner eine junge, geistig behinderte Frau unsittlich berührt. Eine Vergewaltigung gab es aber nicht. Als die Tat bekannt wurde, hatte dies nicht nur rechtliche Folgen für den Mann.

Wegen dieses sexuellen Übergriffes hat ein Schöffengericht des Amtsgerichtes Döbeln den Mann am Donnerstag zu neun Monaten Haft mit Bewährung verurteilt. Zusätzlich zur strafrechtlichen Aufarbeitung des Falles hatte das Gericht auch noch eine zivilrechtliche Klage auf dem Tisch. Das deutsche Strafprozessrecht erlaubt es, dass Geschädigte bestimmter Straftaten in solchen Adhäsionsverfahren zivilrechtliche Ansprüche geltend machen können. In diesem Fall wollte die Geschädigte Schmerzensgeld. Klägerin und Beklagter einigten sich auf einem Vergleich: Der Mann zahlt in Raten 4000 Euro Schmerzensgeld – für seine finanziellen Verhältnisse ist das viel Geld.

Tat ist Tabubruch

Im strafrechtlichen Teil der Verhandlung hieß der Mann Angeklagter und als solcher hatte er die beiden angeklagten Taten eingeräumt. Er könne sich nicht erklären, was ihn dazu gebracht habe. Im Vergleich zu den Anträgen, die Staatsanwalt, Nebenklage und sogar die Verteidigung gestellt hatten, fiel das Urteil erstaunlich milde aus. Die Anklage hatte eine Haftstrafe von anderthalb Jahren Haft mit Bewährung, die Nebenklage sogar ein Jahr und acht Monate und die Verteidigung immerhin ein Jahr und vier Monate Haft beantragt.

„Die Taten lagen zeitlich eng beieinander. Wir werten sie daher prozessual als eine Tat“, begründete das Gericht, weshalb es nicht den Anträgen folgte, auf eine Gesamtstrafe zu erkennen. „Klar ist, so etwas darf nicht passieren, das ist absoluter Tabubruch“, heißt es in der mündlichen Urteilsbegründung weiter. Diese listet aber auch eine Reihe an mildernden Umständen auf. Zum Beispiel, dass der Angeklagte bereits bei der Polizei die Tatvorwürfe umfassend eingeräumt hatte. Ebenso, dass er dies vor Gericht wiederholte und damit der Geschädigten eine Aussage ersparte. Außerdem hat der Mann von jetzt auf gleich seine Familie verloren, denn im familiären Umfeld beging der Deutsche die Taten. „Wer sind wir denn, dass wir sagen, wir hauen hier noch mal oben drauf?“, war dazu vom Gericht zu hören. Der Strafrahmen für den im November 2016 neu geschaffenen Tatbestand beginnt bei sechs Monaten Haft. Der Verteidiger des Rentners sprach in seinem Schlussvortrag noch einige Besonderheiten des Falles an: „Mein Mandant steht noch mit der Mutter in Kontakt, wohl weil noch Dinge zu klären sind. Ein Kriegsbeil ist nicht ausgegraben worden.“

Das Urteil des Schöffengerichtes ist noch nicht rechtskräftig, der Vergleich aus dem Adhäsionsverfahren ist ein vollstreckbarer Titel.

Von Dirk Wurzel

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