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Rentner verprügelt seine erwachsene Tochter – Gericht verhängt Geldstrafe

Hiebe auf dem Dorf bei Leisnig Rentner verprügelt seine erwachsene Tochter – Gericht verhängt Geldstrafe

Das ganze Dorf dürfte gehört haben, wie ein Rentner Ende September vergangenen Jahres seine erwachsene Tochter in einem Leisniger Ortsteil beleidigt hatte. Nun hatte der Vorfall sein Nachspiel vor Gericht. Der Endsiebziger war nämlich auch der gefährlichen Körperverletzung angeklagt.

Je oller, desto doller? 1800 Euro Geldstrafe soll jetzt ein Endsiebziger aus einem Leisniger Ortsteil zahlen, weil er seine erwachsene Tochter mit dem Hütestock geschlagen hatte, wie das Gericht feststellte.

Quelle: dpa

Leisnig/Döbeln. Wort- und Stockgefechte auf einem Hof in einem Leisniger Ortsteil beschäftigte jüngst Strafrichter René Stitterich im Amtsgericht Döbeln. Diese Gefechte trugen Vater und Tochter aus, wobei der ältere Herr der Angreifer war und seine Tochter sich lediglich verteidigt hatte. Zunächst mit Worten, dann mit einem Holzbrett. So legt es zumindest deren Zeugenaussage im Prozess gegen den Endsiebziger nahe, den die Staatsanwaltschaft der Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung angeklagt hatte.

„Ich habe drei Arbeitsstellen. Da muss ich mich nicht als asozial hinstellen lassen“, sagte geschädigte Zeugin, eine Frau Anfang der 50. Sie sei vom Einkaufen aus Leisnig zurückgekommen, hatte extra Weintrauben für ihren Vater gekauft. „Die hat er sich gewünscht.“ Als sie auf dem Hof ankam, „saß er da, und tat Schafe hüten“, sagte die Frau. „Wie aus dem Nichts“ habe er dann angefangen, seine Tochter zu beleidigen. Mit üblen Worten und ekligen Obszönitäten. Wenn er dabei in der gleichen Lautstärke geredet hat, wie im Gerichtssaal, dann dürfte das ganze Dorf die Schimpfkanonade mitbekommen haben.

Wortgefecht mit der Zeugin

Seine Tochter jedenfalls wollte sich das nicht gefallen lassen, habe ihn zur Rede gestellt, wie sie im Zeugenstand berichtete. „Da ging er mit dem Hütestock auf mich los, hat mich damit geschlagen.“ Ein Hieb traf die Frau auf der Hand – das belegte ein Foto der Polizei in der Akte, das Richter Stitterich in die öffentliche Hauptverhandlung einführte. Nicht ganz klar war dagegen, wie es zu den Hieben mit dem Brett gekommen war. Vor Gericht gab sie an, ihr Vater habe sie erst mit dem Stock und dann damit geschlagen.

Bei der Staatsanwaltschaft sagte sie im Dezember 2015, dass sie sich mit dem Brett verteidigt hatte, indem sie es schützend vor sich hielt. Als Richter Stitterich diesen Widerspruch auflösen wollte, provozierte er ein kleines Wortgefecht mit der Zeugin. Der Jurist blieb Sieger und die Frau räumte ein: „Es kann auch sein, dass ich ein Brett hatte, um mich zu verteidigen.“ Jenes Holz habe dann ihr Vater gehabt, und sie damit auf die Schulter geschlagen.

Vorstrafe aus dem Jahr 2009

„Ich kloppe mich mit niemanden rum und komme mit allen gut aus“, wies der Angeklagte die Vorwürfe von sich. Er sagte, dass seine Tochter auf ihn losgegangen sei und ihn mit dem Obst beworfen hätte. Richter Stitterich hielt ihm seine Vorstrafe aus dem Jahr 2009 vor: Ein Jahr und acht Monate Haft mit Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung. Es ging wohl um einen Nachbarschaftsstreit. „Ich habe der Polizei alles erzählt. Aber das ist alles unter den Tisch gekehrt worden“, sagte der Angeklagte.

Richter Stitterich sprach ihn schließlich der gefährlichen Körperverletzung und Beleidigung schuldig und verurteilte ihn zu 90 Tagessätzen á 20 Euro Geldstrafe. Allerdings nahm er einen minder schweren Fall an, unter anderem, weil das Vater-Tochter-Verhältnis nicht das Beste ist. „Das ist keine Art und Weise, mit dem anderen umzugehen. So geht es nicht, das muss ich Ihnen hier sagen“, sagte Richter Stitterich. Allerdings sagte er auch, dass die Tochter des Mannes „auch nicht ganz ohne“ sei. „Da sind zwei Urgewalten aufeinandergeprallt. Ich hoffe, dass nun wieder etwas Frieden auf dem Hof einkehrt“, sagte der Richter. Sein Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Dirk Wurzel

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