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Döbeln Rettungskräfte gehen in kaltem Wasser baden
Region Döbeln Rettungskräfte gehen in kaltem Wasser baden
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22:33 10.06.2014
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Döbeln

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Oder aber: Die ehrenamtlichen Lebensretter sind dufte Truppen, die zusammenhalten und dafür auch gemeinsam durchs kalte Wasser gehen. Denn Cold Water Challenge (Kaltwasser-Herausforderung) heißt der aktuelle Trend, der sich im Internet verbreitet.

Vor gut einem Jahr waren es Jugendliche, im Halbstarken-Alter, die sich beim Trinken eines Bieres auf Ex filmten und danach Freunde nominierten, es ihnen innerhalb einer 24 Stunden-Frist gleich zu tun. Den idiotischen Biernominierungen setzten kreativere Jugendliche im Raum Döbeln das Posten lustiger eigener Kinderbilder entgegen. Man postete ein süß bemütztes Babyfoto und nominierte Eltern, Mitschüler, Lehrer, Freunde und Bekannte, innerhalb der nächsten Stunden das Fotoalbum zu wälzen und sich selbst als niedlichen Racker auf die Facebook-Pinnwand zu stellen. Das System funktioniert wie die Kettenbriefe im analogen Zeitalter.

Statt Kinderbilder zu posten, haben Feuerwehrleute und Rettungskräfte rund um die Welt einen neuen Trend entdeckt? Immer mehr Videos der sogenannten "Cold-Water-Challenge" tauchen im Internet auf. Feuerwehrfrauen und -männer werfen sich - nach der Nominierung durch eine andere Wehr oder eine befreundete Hilfsorganisation - in kalte Fluten eines Sees, Pools oder dergleichen. Besonders gelungen ist der Streich, wenn das Wässern auf eine außergewöhnlich kreative Art und Weise stattfindet.

Deutschland erfasst hatte der aus den Vereinigten Staaten kommende Wasser-Wettbewerb, als am 2. Mai die Feuerwehr in einem Hanauer Stadtteil die Herausforderung einer befreundeten Wehr aus den USA annahm. Die Idee in Amerika sieht allerdings statt einer Grillparty bei Nichterfüllung eine größere Spende für einen guten Zweck (etwa für brandverletzte Kinder) vor.

Die ersten Döbelner, die am 19. Mai für ein lustiges Video ins kalte Wasser sprangen, waren die Jungs vom Ortsverband Döbeln des Technischen Hilfswerkes. Die Freunde vom Technischen Hilfswerk Wetzlar hatten die Döbelner nominiert. Vor einem Jahr bei der Hochwasserkatastrophe in Döbeln pumpten die THW-Helfer aus Döbeln und Wetzlar gemeinsam in Döbeln die Keller aus. Für ihr Internetvideo funktionierten die Döbelner mit einer Plane die Ladefläche des THW-eigenen Kippers zum Swimmingpool um. In den sprangen einige Helfer johlend von der Schaufel des Radladers. Für die nächste Kaltwasserprüfung nominierten die Döbelner den Partnerortsverband vom THW Bamberg, das THW in Dippoldiswalde und die Johanniter Unfallhilfe Leisnig.

Dank der Fluthilfe durch die Feuerwehr aus Döbelns Partnerstadt Heidenheim kam vergangene Woche eine Nominierung von der Feuerwehr Heidenheim, Abteilung Schnaitheim. Mit Gummiboot und Schwimmweste lösten die Döbelner Feuerwehrmänner und -frauen die Aufgabe und filmten sich im dichten kalten Wasserschleier auf dem Hof des Gerätehauses. Die Döbelner nominierten die Feuerwehr Hartha, die Feuerwehr Heidenheim, Abteilung Heidenheim, und den DRK Ortsverein Döbeln. Die Rot-Kreuzler um Ralf Fillies lösten ihre Aufgabe fristgerecht in der Zschopau bei Limmritz. Die Feuerwehren Hartha und die Hauptabteilung der Heidenheimer müssten jetzt eigentlich die Döbelner zur Grillparty einladen, weil deren Beitrag nicht innerhalb von 24 Stunden zustande kam. "Wir sehen das jetzt nicht als Wettschuld an", sagt Döbelns Gemeindewehrleiter Eric Rost. Denn er weiß, dass die Cold Water Challenge die Retter deutschlandweit spaltet. Die einen halten es für groben Unfug. Andere finden, dass die Aktionen für den Spaß am Ehrenamt in den Hilfsorganisationen werben. Einige Trägerkommunen verboten ihren Wehren allerdings mit zu machen. In Baden-Württemberg schalteten sich Innenministerium, Landesfeuerwehrverband und Landesunfallkasse ein und fordern die Kameraden auf, die Challenge zu unterlassen. Einige Wehren hätten sich der Lächerlichkeit preis gegeben. Vom Missbrauch von mit Steuermitteln angeschafften Ausrüstungsgegenständen ist die Rede.

Döbelns Feuerwehrchef Eric Rost sieht die Aktion seiner Kameraden positiv und trägt sie mit.: "Natürlich habe ich auch darauf hingewiesen, dass der Spaß auf unsere eigene Kappe geht und nicht durch die Unfallkasse abgesichert ist. Aber ich kann mich auf meine Leute verlassen. Die wissen auch bei spaßigen Aktionen, vernünftige Grenzen zu ziehen", so Eric Rost. "Die Challenge stärkt das Gruppengefühl und zeigt, dass wir bei allem gebotenen Ernst auch Spaß an unserer Arbeit haben."

Thomas Sparrer

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