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Rezepte für Flutschutz: Umsiedeln und Entsiegeln

Rezepte für Flutschutz: Umsiedeln und Entsiegeln

Ein Umdenken beim Hochwasserschutz fordern jetzt die mittelsächsischen Grünen. Im Kern geht es dabei um eine sogenannte Netto-Null-Versieglung.

Mittelsachsen/Klosterbuch. (diw). Ein Umdenken beim Hochwasserschutz fordern jetzt die mittelsächsischen Grünen. Im Kern geht es dabei um eine sogenannte Netto-Null-Versieglung. Was das heißt, erläutert Sebastian Walter, Pressesprecher des hiesigen Grünen-Kreisverbandes: "Wenn in den Gemeinden gebaut wird und damit versiegelte Flächen entstehen, müssen woanders Flächen entsiegelt werden."

 

Das Naturschutzrecht schreibt dies bereits bei Bauvorhaben im Außenbereich vor: Wer in Natur und Landschaft eingreift, muss diesen Eingriff woanders wieder ausgleichen. Dabei geht es unter anderem darum, die Fähigkeit des Bodens zu erhalten, Wasser aufzunehmen. Denn es ist bekannt: Versiegelte Flächen verstärken die Hochwassergefahr. Solche per Naturschutzrecht vorgeschriebenen Ausgleiche können zum Beispiel renaturierte Industriebrachen oder neuer Wald sein, der auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen wächst. "Plötzlich auftretender Starkregen muss auch versickern können. Dafür müssen zum Beispiel Flächen entsiegelt und weitere Bebauung in Überschwemmungsgebieten vermieden werden", sagt Sebastian Tröbs, der im Landkreis Mittelsachsen als Direktkandidat in den nächsten Bundestag einziehen will. Für die Grünen steht fest: Mauern alleine reichen nicht. Daher fordern sie von den Verantwortlichen im Hochwasserschutz ein ganzheitliches Flutschutzkonzept bis 2030. Wie bereits die sächsische SPD regen auch die mittelsächsischen Grünen an, Wohnbauten aus überflutungsfährdeten Gebieten zu verlagern. Mit solchen Überlegungen sorgte zuletzt die Klosterbucherin Elsbeth Pohl-Roux für Diskussionen. Das ganze Dorf bis auf Kloster, Fachwerkhof und das Gasthaus "Froher Mönch" solle an einen Berghang in sicherer Entfernung zur Freiberger Mulde umziehen. Aber es dürfte schwierig werden, dort Baurecht zu schaffen, weil die Idee mit gültigem Naturschutzrecht kollidiert. Zudem wäre dies im Außenbereich ein Eingriff in Natur und Landschaft, für den die gesetzliche Ausgleichspflicht gilt. "Ich bin froh, mit dem Vorschlag eine Debatte angestoßen zu haben", sagt Elsbeth Pohl-Roux, die dem christlichen Verein "Be-Greifen" vorsteht, der gestrauchelten und benachteiligten Menschen hilft.

Sie schlägt vor, Neu-Klosterbuch mit einem Minimum an versiegelter Fläche zu errichten. In Alt-Klosterbuch wäre nach der Umsiedlung und dem Abriss der Häuser genügend Fläche vorhanden, auf der das Wasser wieder versickern kann. Ein erstes "entsiedeltes" Haus hat Elsbeth Pohl-Roux bereits im Dorf ausgemacht. Der hochwassersichere Standort am Weinberg ist für sie aber nicht alternativlos. "Auch auf dem Feld unterhalb könnten Häuser stehen, wobei die Landwirte zu entschädigen sind", sagt sie mit Blick auf die naturschutzrechtlichen Hürden für das mögliche Baugebiet am Weinberg. Inwieweit das mittlerweile bestehende Baurecht für den Ringdamm um Klosterbuch die Umsiedlungs-Überlegungen beeinflussen kann, steht noch in Frage.

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