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Döbeln Riesenhäcksler frisst 21 Pappeln – Streit um Mammutbaum im Bürgergarten
Region Döbeln Riesenhäcksler frisst 21 Pappeln – Streit um Mammutbaum im Bürgergarten
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17:31 26.02.2018
Mit schwerer Technik wurden am Klinikum Döbeln gestern 21 Pappeln gefällt und anschließend zur Biomasse gehäckselt. Quelle: Fotograf Sven Bartsch
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Döbeln

21 große Pappeln hat am Montagnachmittag ein riesiger Häcksler direkt an der Sörmitzer Straße in Döbeln gefressen. Das Häckselgut landete in einem Biomasse-Heizkraftwerk. Die Stadtverwaltung hatte mit der Grünland GmbH aus Hermsdorf bei Hohenstein-Ernstthal extra eine Spezialfirma angeheuert, die den Bäumen mit schwerer Forsttechnik zu Leibe rückte.

Ein 34 Tonnen schwerer Fällbagger mit zwei riesigen Greifarmen und einem Sägeuntersatz wurde gegen halb zehn abgeladen. Auf Gummiketten rollte er über den Asphalt, um keine Schäden zu verursachen. Knapp 80 Zentimeter Stammdurchmesser schafft das Monstrum zu zersägen. Im Stehen zerlegte das Gerät die etwa 25 Meter hohen Bäume in zehn bis 15 Meter lange Stammstücke. Größere Stämme lud der Bagger im Ganzen auf die bereitstehenden Großcontainer. Bis kurz nach Mittag waren die 21 Pappeln umgelegt und gestapelt. Nachmittags wurden sie häppchenweise an den Großhäcksler verfüttert.

Futter für die Riesenhäcksler: Das waren die Pappeln am Klinikum Döbeln. Quelle: Sven Bartsch

„Sämtliche Pappeln in dem Bereich müssen gefällt werden“, bekräftigt Stadtpressesprecher Thomas Mettcher „Die Bäume waren instabil und stellten besonders bei Sturm eine Gefahr dar. Zuletzt hat beim Sturm Frederike eine umgestürzte Pappel erheblichen Schaden am Klinikgelände angerichtet“, so Thomas Mettcher weiter. Herabgefallene Äste hatten zudem ein Privatgrundstück sowie eine Freileitung der Straßenbeleuchtung beschädigt. Anwohner und weitere Bürger teilten der Stadtverwaltung schon vor länger ihre Bedenken über den Zustand der Bäume mit. Im Zuge der Hochwasserschutzarbeiten in diesem Bereich der Sörmitzer Straße war das Umsägen der Pappeln ohnehin geplant. Ersatz wird deshalb nicht unmittelbar an gleicher Stelle gepflanzt.

Mammutbaum sorgt für Aufregung

Standfest und gesund ist dagegen der riesige Mammutbaum vor dem Eingang der Gaststätte „Bürgergarten“ in Döbeln.

Direkt vor dem Eingang zum Restaurant Bürgergarten steht der Mammutbaum. Quelle: Sven Bartsch

Dennoch will Gaststättenbetreiber Lars Lemke den Nadelbaum gern fällen lassen. Das hatte Stadtgärtner Gerd Lauterbach auf den Plan gerufen (DAZ berichtete am Montag ausführlich – hier geht es zu dem Bericht und zum Kommentar). Lauterbachs Vorgänger hatte den in der Region seltenen Baum vor 35 Jahren an dieser Stelle gepflanzt. Schon beim Neubau der Bürgergartengaststätte, Ende der 1990-er Jahre konnte Lauterbach den Baum retten. Doch jetzt, sieht es für den Baumriesen schlecht aus, weil er als Nadelbaum nicht durch Baumschutzsatzung und Naturschutzrecht geschützt ist. Der DAZ-Beitrag über das geplante Umsägen des Baumes sorgte für Wirbel. „Auf Facebook hat sich eine ziemlich emotionale Diskussion entwickelt. Wir als Grüne wurden konkret angesprochen. Ich werde deshalb dringend ein Gespräch mit Herrn Lemke suchen“, sagt Berno Ploß von den Döbelner Grünen.

Gastwirt begründet Pläne sachlich

Gastwirt Lars Lemke kann die Aufregung dagegen nicht so recht nachvollziehen. „Ich bin doch kein Umweltfrevler. Ich möchte, dass es im Bürgergarten noch attraktiver wird“, sagt er. Der langjährige Pächter kaufte die Gaststätte und das zugehörige Gelände im vergangenen Jahr von der TAG und plant die Küche zu vergrößern, den Gastraum zu modernisieren und den Wintergarten zu befestigen. Vor dem Eingang entsteht ein neuer Freisitz. Doch dort steht der Mammutbaum. „Der Flachwurzler hat die alten Gehwegplatten immer wieder angehoben. Dort sind schon Leute gestürzt, mit denen ich mich jetzt auseinandersetzen muss“, argumentiert Lars Lemke. Außerdem verliert der Baum komplett seine Nadeln und verursacht an Dach und Dachrinnen aufwendige Arbeiten. Nicht zuletzt zeigte Sturm Frederike dass er in so einem Fall direkt auf die Gaststätte fiele. „Ich würde ihn aus diesen Gründen dort gern weg haben. Na klar, werde ich dafür neue Bäume pflanzen. Gern auch einen Mammutbaum, der an anderer Stelle in meinem Grundstück besser wachsen und gedeihen kann“, versichert der Gastwirt. Zudem verweist er darauf, dass er rund um das beliebte und gut gehende Ausflugslokal schon aus eigenem Interesse für Grün und für Ordnung sorgt. „Fragen sie nicht, was es in Döbeln für Leute gibt, die ihren Hausmüll über unsere Papierkörbe entsorgen oder ihre Dönerreste ins Gelände werfen.“

Oberbürgermeister bedauert

Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer bedauert, dass der Mammutbaum im Bürgergarten gefällt werden soll. Doch der Nadelbaum befindet sich auf einem Privatgrundstück. Während der Fällzeit vom 1. Oktober bis 29.Februar ist dafür keine Genehmigung notwendig. Die Stadtverwaltung habe keine rechtliche Grundlage, um in dem Fall tätig zu werden.

(Hier finden Sie einen Link zur Baumschutzsatzung der Stadt Döbeln.)

Von Thomas Sparrer

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