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Döbeln Rinderfilet für die Roßweiner Fluthelfer
Region Döbeln Rinderfilet für die Roßweiner Fluthelfer
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22:30 04.07.2013
Peter Ihling in seinem zweiten Zuhause: Seit gestern steht er wieder am Herd in der Küche des Feuerwehrmuseums Roßwein und bereitet Spaghetti Bolognese und eine Asiapfanne für das Benefizkonzert des Jugendhauses morgen vor. Hier hat er auch eine Woche lang für die Fluthelfer gekocht. Quelle: Wolfgang Sens

Die Helfer haben viele Gesichter. Sie sollen am 6. September im Döbelner Rathaussaal mit dem Flutstiefel 2013 ausgezeichnet werden, den die DAZ zusammen mit dem Landkreis Mittelsachsen und der Kreissparkasse Döbeln stiftet. Von gleich mehreren Lesern dafür vorgeschlagen ist Peter Ihling aus Roßwein.

Der 55-Jährige wurde während des Juni-Hochwassers zum Fels in der Brandung für viele Helfer rund um den Flutschwerpunkt in der Stadtbadstraße. Als Mitglied des Vereins für Feuerwehrhistorik betreut Peter Ihling erst seit Februar dieses Jahres Küche und Catering - ein großes Glück während der schweren Flutwoche Anfang Juni. Über 600 Essensportionen und hektoliterweise Kaffee und Tee kochte er zum Teil ohne Strom aus den Vorräten des Vereins und seinen eigenen.

Barbara Uhlig und Ilona John aus Roßwein nahmen dies zum Anlass, den Hobbykoch vorzuschlagen. "In der Nacht zum 2. Juni wurde Herr Ihling aus dem Bett geklingelt, um das Feuerwehrmuseum mit Sandsäcken zu schützen. Da er gesehen hat, wie sich alle Beteiligten abmühten, hat er alle Helfer erst mit Kaffee und Tee, dann mit Mittagessen und ab Montag regelmäßig bis Samstag mit Frühstück, Mittagessen und Vesper vorzüglich versorgt", schreibt Uhlig in ihrer Begründung. "Obwohl sie alle Hände voll zu tun hatten, kochten sie noch warmes Essen - auch ohne Strom. Not macht erfinderisch", fügte John hinzu.

Peter Ihling selbst macht das Helfen Spaß. Als er Sonnabendnacht kurz vor 2 Uhr zum Stadtbad kommt, schippt er noch Sandsäcke. Doch schnell zeigt sich die wahre Berufung des Kfz-Meisters. "Ab 4.15 Uhr gab es das erste Mal Kaffee. Dann hab ich gesagt, ich kann Frühstück machen", erinnert er sich. Da wusste er noch nicht, dass er erst am Mittwochabend um sieben wieder nach Hause kommen würde. Das erste Frühstück steht 6.30 Uhr am Sonntag auf dem Tisch. Rund 30 Leute freuen sich über die Stärkung. Als am Sonntagvormittag die Straße zwischen Museum und Stadtbad überschwemmt ist, ziehen Ihling und die gegenüber eingeschlossenen Helfer ein Seil über die Straße. Körbchenweise wandert warme Kartoffelsuppe über die ­Fluten. 80 Helfer werden so versorgt.

Zwei Damen helfen Peter Ihling in der Küche. Auch als in der Nacht zu Montag der Strom für vier Tage ausfällt, machen sie weiter. Ihling holt über den Hinterausgang Gaskocher aus seinem Haus. An einen Besuch in seinem Modellbahnladen in der Nossener Straße ist nicht zu denken. Bis zu 170 Portionen pro Tag kocht Ihling - neben Linsensuppe auch Rinder- und Schweinefilet mit Kartoffeln. "Wir konnten nur noch eine Kühltruhe über Notstrom laufen lassen und bevor der Rest schlecht wird, hab ich dat mit rausgegeben", sagt Ihling in seinem markanten westfälischen Dialekt. Der Recklinghauser weiß, wie man schnell viele Gäste bewirtet. Im Hotel der Mutter hat er von Kindesbeinen an geholfen.

Geärgert hat sich Ihling über die mangelnde Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. "Bei uns ist keine Lebensmittelspende angekommen. Im Rathaus wurden jede Menge Brötchen und anderes abgegeben. Auch ein Notstromaggregat konnten wir nicht bekommen und mussten eines aus NVA-Tagen von 1961 reaktivieren", berichtet er. Vom Helfen lässt er sich dennoch nicht abbringen. Letzte Woche war er in seiner Heimat unterwegs, um Spenden für Roßwein zu sammeln. Für das Benefizkonzert des Jugendhauses morgen kocht er 150 Portionen, für die nur die Zutaten bezahlt werden müssen. Und beim Bergrennen am Sonntag ist er auch wieder im Einsatz. "Wir könnten hier ein Catering-Service aufmachen", sagt Ihling und kann auch schon wieder lachen.

Weitere Vorschläge bis 17. August schriftlich an: Döbelner Allgemeine Zeitung, Obermarkt 28, 04720 Döbeln, per Fax an 03431/71 95 19 oder per E-Mail an daz.aktion@lvz.de. Schreiben Sie uns in ein paar Sätzen, was denjenigen auszeichnet und ihn als potenziellen Preisträger ausmacht. Vergessen Sie nicht, Ihre Telefonnummer oder E-Mail-Adresse dazu zu schreiben, um mit Ihnen und dem Kandidaten Kontakt aufnehmen zu können.

Sebastian Fink

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