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Döbeln Roßwein: Buchen bereiten Bauchschmerzen
Region Döbeln Roßwein: Buchen bereiten Bauchschmerzen
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21:34 26.09.2013
Dirk Tenzler

Im DAZ-Interview erklärt er, warum die Waldpflege so kostspielig ist und wie man noch effizienter auf dem Hartenberg arbeiten könnte. Sorgen machen ihm die Buchen rund um den Waldkindergarten.

Frage: Herr Tenzler, 2012 haben sie 560 Festmeter Holz für knapp 11 000 Euro aus dem Hartenbergwald geholt. Für das kommende Jahr sind nur noch Einnahmen in Höhe von 2000 Euro geplant. Ist der Wald bald leer?

Dirk Tenzler: Nein, es war nur so, dass wir 2012 einen extra großen Einschlag vorgenommen haben, um die 8000 Euro für Verkehrssicherung im Stadtwald insbesondere für den Waldkindergarten zu decken. Wir waren in der glücklichen Lage, dass auf dem Hartenberg lange nichts passiert ist. Vor der Wiedervereinigung wurde der Wald nicht durch uns verwaltet und nicht genutzt. Da konnte auch einiges wachsen. An den Ecken, wo wir stark geschlagen haben, ist aber jetzt auch für zehn Jahre Ruhe.

Der Wald darf jetzt ungehindert regenerieren?

Die Flächen die vom Holzeinschlag betroffen waren, bekommen jetzt Zeit, sich zu regenerieren und das durch die Pflege mehr einfallende Licht umzusetzen, sprich dicker und damit wertvoller zu werden. Auch die Bodenvegetation und die Naturverjüngung können sich jetzt erholen. So sieht es auch die Forsteinrichtung vor. Es soll nicht mehr Holz geschlagen werden als zuwächst. Wir haben immer zwei Pläne: Einen Jahres- und einen Zehn-Jahresplan. Nach jetzigem Stand werden wir einen Hektar als Verjüngungsfläche ausweisen. Wir werden aber dennoch immer wieder Holz zur Versteigerung schaffen, um die Verwaltungskosten zu decken. Wenn wir die Verkehrssicherung im Rahmen halten, schaffen wir es, ausgeglichen zu wirtschaften Ein weiterer großer Kostenfaktor in der Planung für 2014 war die Bachlaufberäumung des Kaiserbachs zwischen Mahlitzsch und Ossig. Um Schäden an Brückenbauwerken und dem Weg zu verhindern, sollten abgestorbene Bäume und Äste aus dem Bachbett beseitigt werden. Dafür wurde ein größerer Geldbetrag eingeplant. Da aber ein großer Teil dieser Arbeiten schon in diesem Jahr realisiert wurde, werden sich die Kosten 2014 deutlich verringern

Sie haben den Waldkindergarten angesprochen: Wie gut tut diese Einrichtung dem Wald?

Das ist natürlich toll für die Knirpse. Für den Wald sind die Kinder keine ­Gefahr, im Gegenteil: sie lernen in und mit der Natur zu leben. Die großen alten Buchen machen mir aber Bauch­schmerzen, denn Zwiesel können auch ohne Sturm auseinanderbrechen. Außerdem hängen da viele tote Äste drin. Trotzdem wäre es schade, diese Bäume zu fällen, weil sie den Charakter dieses Waldgebietes mit prägen und auch von Seiten des Naturschutzes immens wichtig sind.

Das heißt, die Bäume müssen gefällt werden?

Das ist noch nicht klar. Das Fällen wäre jedenfalls sehr aufwändig, eventuell müsste man mit einem Steiger hinauf und die Bäume untersuchen. Vielleicht reicht es auch, Äste herauszunehmen. Ich habe den Handlungsbedarf schon an die Stadt gemeldet. Für nächstes Jahr ist dort eine Aktion geplant. Aber es wäre schade, denn die Buchen sind rein aus Naturschutzsicht wertvoll, sie sind echte Spechtbäume. Außerdem reißt ein Einschlag eine Lücke, aus der der Wind eine größere Schneise machen könnte. Und mehr als Brennholz ergeben sie auf dem Markt auch nicht.

Hätte dann der Kita-Bauwagen nicht woanders stehen können?

In diese Richtung hat damals keiner gedacht und es ist ja auch gigantisch, unter diesen Bäumen zu stehen.

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit der Roßweiner Stadtverwaltung?

Die funktioniert gut, wenn auch nicht so perfekt wie in Döbeln, wo es einen eigenen Waldarbeiter gibt. Aber das lohnt sich für Roßwein nicht, weil es zu wenig Fläche gibt. Selbst in Döbeln arbeitet der Mitarbeiter nur zum Teil im Wald.

Was ist der Vorteil eines Waldarbeiters?

Er kennt sich in seinem Gebiet aus und ist vom Fach, so dass er auch allein mal etwas erledigen kann. Doch selbst alle Kommunen im Altkreis Döbeln zusammen haben nur rund 250 Hektar Wald. Das reicht nicht für einen vollbeschäftigten Waldarbeiter. Eine Option wäre aber, dass sich jede Kommune einen Mitar­beiter ausbildet, der sich auskennt und auf den ich dann jeweils zurückgreifen könnte.Interview:

Sebastian Fink

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