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Roßweiner Bürgerpolizist: "Die Gewalt hat zugenommen"

Roßweiner Bürgerpolizist: "Die Gewalt hat zugenommen"

Roßwein. Seit dreieinhalb Jahren ist Siegfried Rantzsch Bürgerpolizist in Roßwein. Hier soll er vor allem Bürgernähe zeigen. Doch wie funktioniert das allein in einer Stadt? Den DAZ-Lesern erklärt er, wie er Verbrechen nur durch Anwesenheit verhindern kann, welche Klientel gefährlich ist und wie er eine Vermisste aus einem Pflegeheim in Hamburg in Roßwein wiederfand.

 

 

 

 

34 Jahre Berufserfahrung kann Siegfried Rantzsch inzwischen vorweisen. Zeit, die ein Bürgerpolizist braucht, um seine Aufgabe zu erfüllen. "Einer, der aus der Ausbildung kommt, wird kaum gleich Bürgerpolizist werden. Die Erfahrung gehört dazu", sagt der 56-Jährige. Denn die Anliegen, mit denen er regelmäßig konfrontiert wird, erfordern gute Menschenkenntnis sowie eine gewisse Ruhe und Sicherheit in den eigenen Handlungen. "Ich werde häufig zu familiären Streitigkeiten oder Nachbarschaftsstreits gerufen. Da muss ich entscheiden, ob es strafrechtlich relevant ist. Nur wenn jemand um Hilfe schreit, darf ich einschreiten", erklärt der Polizeiobermeister.

An zwei Tagen pro Woche hält er den Polizeiposten in der Bahndammstraße besetzt. Dienstags von 9 bis 12 Uhr und donnerstags von 14.30 bis 17.30 Uhr ist das Büro geöffnet. Zu wenig? "Die Leute haben ein Problem, wenn sie akute Sorgen haben. Es gibt Tage, an denen es dauernd klingelt, zum Beispiel, wenn es eine Serie von Garteneinbrüchen gibt, wie im vergangenen Sommer. Dann hat man alle Gartenbesitzer hier sitzen, muss Spuren und Beweise sichern und die Kripo anfordern", erzählt der Oschatzer, der jetzt in Chemnitz lebt. Im Notfall an anderen Tagen müsse das Revier in Döbeln oder 110 gewählt werden.

Auch um Alkoholiker, die er auf der Straße antrifft, kümmert sich der Bürgerpolizist. "Es gibt einige in Roßwein, die man schon kennt. Da geht Erste Hilfe über alles. Entweder ich kann sie dann Angehörigen übergeben oder muss den Rettungsdienst rufen", sagt er.

Wichtig sei es, Bürgernähe zu zeigen, draußen zu sein. "Meine Hauptaufgabe ist es, Gefahren abzuwenden", sagt Rantzsch. Das gehe oft allein schon durch die Präsenz. "Die Grundlage der Arbeit ist es, immer deeskalierend zu wirken. Man muss mit den Leuten reden, dann stellt man schnell fest, was sie für welche sind." Es komme eben auf die Klientel an, wie der Polizist gesehen werde. "Es gibt pubertierende Jugendliche, die die schon resigniert haben oder die Dankbaren, auf die man am seltensten trifft. Aber die Gewalt hat zugenommen, das ist klar zu sehen. Nicht umsonst gibt es heute andere Sanktionen bei Gewalt gegen Vollzugsbeamte als früher."

Bei Kontrollen ist Siegfried Rantzsch nie allein unterwegs. In Roßwein ist er bisher nie in eine brenzlige Situation geraten. Die Dienstwaffe hat er noch nie benutzen müssen. "Da bin ich bis jetzt drum herum gekommen. Ich hoffe, das bleibt auch so. Selbst Pfefferspray zu benutzen, ist destruktiv. Jede Art von Gewalt ist schlecht", stellt Rantzsch klar.

In Roßwein ist er oft zu Fuß unterwegs auf Streife, denn seinen Dienstwagen muss er sich mit einem Ostrauer Kollegen teilen. Ein zweiter Wagen soll demnächst angeschafft werden. Dennoch kann er gerade in einer kleinen Stadt wie Roßwein oder Niederstriegis, für die er zusammen verantwortlich ist, so viele Dinge besser wahrnehmen. "Um den Verkehrsdurchfluss zu garantieren oder den Winterdienst anzufordern, wenn es schneit, muss ich nicht im Auto sitzen", sagt er.

In einer besonderen Situation kam der Streifenwagen aber gerade recht. "Vor etwa einem Jahr hatte eine Roßweiner Familie eine hilflose ältere Person von der Straße bei sich aufgenommen. Sie schien geistig nicht sehr beweglich zu sein", beschreibt Rantzsch vorsichtig die Situation. "Ich fuhr gerade mit dem Funkwagen vorbei und die Familie winkte mich per Handzeichen heran. Am Ende stellte sich heraus, dass die Person aus einem Pflegeheim in Hamburg geflüchtet und von dort mit dem Zug bis hierher gekommen war. Da ist auch viel Zufall dabei", sagt der Bürgerpolizist.

Delikte wie Körperverletzung kommen glücklicherweise eher selten vor, Diebstähle, vor allem von Buntmetall, dagegen immer häufiger. "Wenn ich sehe, dass ein Fahrzeug auffällig schwer beladen ist, dann halte ich es an und kontrolliere den Kofferraum. Nicht selten ist dann Kupfer oder ähnliches zu finden", sagt Rantzsch. Sachbeschädigungen durch Graffiti seien ebenfalls häufig. "Es ist aber selten, dass man jemanden auf frischer Tat ertappt. Die Aufklärungsquote liegt hier in den letzten Jahren bei 59 bis 72 Prozent", weiß der erfahrene Beamte.

Hinweise auf größere Verbrechen wie den Mord in Döbeln vor wenigen Monaten kann Rantzsch auch selbst untersuchen. "Sobald mir etwas bekannt wird, gehe ich dem nach. Von der Soko dringt aber nichts an uns nach draußen." Bei der Aufklärung solcher Fälle wünscht sich Rantzsch mehr Hilfe aus der Bevölkerung. "Darauf sind wir angewiesen, aber es könnte mehr sein. Die Leute sollen sich vor allem auf die Personenbeschreibung des Täters konzentrieren", rät er.

Sebastian Fink

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