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Roßweiner Schilder in Jets und Tonstudios

Schilderwerk Kleine mit sachsenweit einmaligem Produktspektrum Roßweiner Schilder in Jets und Tonstudios

Im Schilderwerk Kleine in Roßwein wird alles außer den zu erwartenden Verkehrszeichen hergestellt. Der Familienbetrieb in dritter Generation hat sich auf Industriefronten und Typenschilder spezialisiert und ist mit der Zeit gegangen. Inhaber Bernd Kleine und seine zehn Mitarbeiter können alles vom Prägeschild bis zur Touchscreen-Folie.

Aus dem 19. Jahrhundert in die Moderne: Sieb- und Digitaldruckerin Sandra Langer zeigt ihrem Chef Bernd Kleine, woran sie gerade arbeitet.

Quelle: Sebastian Fink

Roßwein. Wer an ein Schilderwerk denkt, hat sofort Bilder von Stopp-Zeichen und Richtungspfeilen im Kopf. Doch auf das Schilderwerk Kleine in Roßwein trifft genau das nicht zu. Im 151 Jahre alten Familienbetrieb hat der heutige Firmenchef Bernd Kleine die richtige Nische gefunden: „Wir sind Lieferant für die Industrie – Typenschilder für Maschinen, Frontplatten und -folien für Bedienelemente, aber keine Straßenschilder“, betont der 56-Jährige.

Wenn man sich gefragt hat, woher die aus Aluminium gefertigten und mit feinsten Beschriftungen versehenen Fronten für Anlagen wie Mischpulten in Tonstudios, rund um die Bedienelemente im Lear-Jet oder die Bedienfolien auf der Medizintechnik im Krankenhaus kommen, der findet in Roßwein die Antwort. Selbst die Folie über den heute modernen Touchscreens wird gefertigt. Und auch die kleinen Typenschilder auf Industrieanlagen oder der metallene Hinweistext auf der Innenkante von feuerfesten Türen wird hier produziert. Die traditionelle Prägetechnik, mit der die Firma einst groß geworden war, kommt immer noch bei stählernen Waggon- oder Pufferschildern zum Einsatz. „Die müssen unkaputtbar sein“, erklärt Kleine. „Wenn so ein Gerät 50 Jahre vor sich hingerottet hat, muss einer mit der Drahtbürste dran gehen können und sie wieder blank machen.“

Ein Blick auf die Produktpalette, die mindestens sachsenweit einmalig ist, würde vermuten lassen, dass Dutzende Mitarbeiter mit der Produktion im langen zweigeschossigen Firmenbau im Roßweiner Wohngebiet Wanne befasst sein müssen. Dabei arbeiten hinter den Kulissen nur elf Mitarbeiter. Die allerdings sind Spezialisten jeweils auf ihrem Fachgebiet. „Wir haben Zerspanungsmechaniker, Setzer, Sieb- und Digitaldrucker, einen Graveur und Schlosser“, zählt Kleine auf. Er selbst ist für Kundenkontakt und Aufträge zuständig. Seine Tochter ist mit Setzen und Design von Oberflächen beschäftigt, während die Ehefrau sich um die Auftragsvorbereitung kümmert.

Die Familie hat schon immer eine große Rolle gespielt im Unternehmen. Bernd Kleine arbeitet in dritter Generation an der Spitze. Sein Großvater Herbert Franke hatte die Firma 1919 vom Gründer und Roßweiner Ehrenbürger Friedrich Oswald Naupert übernommen und sie 1925 mit einem Neubau an den jetzigen Standort gebracht. 1966 hatte er das Unternehmen an Kleines Mutter und einen Onkel übertragen. Nach der Enteignung und Umbenennung in VEB Prägewerk Roßwein 1972 sahen Bernd Kleine und sein Bruder keine Perspektive für sich in der Firma. Letzterer wurde Zahnarzt, Bernd Kleine machte seinen Augenoptikermeister und leitete sein eigenes Geschäft in Freital.

Das änderte sich durch die neuen Möglichkeiten nach der Wiedervereinigung. 1993 kauft die Familie den Betrieb zurück. Ohne extra Ausbildung übernimmt Bernd Kleine den Chefposten. „Ich war 29 und dachte: Optiker kann ja jeder, darum mache ich was Neues“, sagt er scherzhaft. Und fügt ernst hinzu: „Durch meine Hobbys und Interessen war ich gut auf die neue Aufgabe vorbereitet. Ich warte heute noch alle PCs selbst, kannte schon damals das Designprogramm, das wir heute in neuester Version benutzen.“

Der Weg erweist sich für Bernd Kleine als der richtige. In den wirtschaftlich in Ostdeutschland schwierigen 90er Jahren findet er viele Kunden in den alten Bundesländern. „Hier sind damals viele Firmen pleite gegangen. In den alten Bundesländern hatte ich nie Zahlungsausfälle“, erklärt er. Heute hat er Kundschaft bundesweit sowie in Österreich und den Benelux-Ländern.

Auch an die technische Entwicklung hat er seinen Betrieb angepasst. „Das ist ein evolutionärer Prozess“, sagt Kleine. Das einstmals vorherrschende Prägeverfahren macht heute nur noch zehn bis 15 Prozent des Geschäfts aus. Etwa die Hälfte wird mit Frontfolien für Apparate verdient, 30 Prozent mit Frontplatten und Typenschildern. Die Technik ist auf dem neuesten Stand – und so blickt Kleine optimistisch in die Zukunft, in der seine Tochter das Unternehmen weiter führen soll: „Dass wir in ganz vielen Branchen stecken, ist gut für uns – irgendwo läuft es immer gut“, meint er. Da kann die Feier zum 100. Jubiläum in der Wanne 2025 kommen.

Von Sebastian Fink

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