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Roßweiner Senioren versuchen Signalklau per Radlader

Roßweiner Senioren versuchen Signalklau per Radlader

Roßwein/Leipzig. Es mutet an wie ein Hollywood-Krimi: Zwei ältere Herren besorgen sich einen Radlader, warten die frühen Abendstunden ab und versuchen das Objekt ihrer Begierde zu stehlen.

 

Senioren versuchen

Signalklau per Radlader

Ein 72- und ein 58-Jähriger aus Roßwein von Bundespolizei am Bahnhof gestellt / Anzeige wegen versuchten schweren Diebstahls

 

 

 

 

 

 

Es muss ein seltsames Bild gewesen sein, dass sich den Beamten des Döbelner Polizeireviers vorgestern gegen 17.50 Uhr am Roßweiner Bahnhof geboten hat: Zwei ältere Männer sind mit einem Radlader vorgefahren und versuchen emsig, das erste der drei rund fünf Meter hohen und mehrere hundert Kilogramm schweren Flügelsignale aufzuladen. "Sie waren gerade kräftig am Arbeiten", berichtet Damrau. Die roten Signalflügel hatten sie bereits abgeschraubt. Seine Kollegen von der Leipziger Bundespolizeiinspektion werden kurz vorher von der Döbelner Polizei informiert. Einer von mindestens zwei Augenzeugen der Tat hatte die Beamten alarmiert, die per Streifenwagen zum Tatort eilten.

Um die Täter nicht entkommen zu lassen, schickte die Bundespolizei einen Suchhubschrauber aus der Chemnitzer Inspektion nach Roßwein. "Der ist ein ganzes Stück schneller da, als der aus Leipzig und war schon kurz nach dem Streifenwagen über dem Tatort", erzählt Damrau. "Der Einsatz war aber anlassbezogen, das ist kein normales oder geplantes Vorgehen gewesen." Die beiden Männer werden gestellt und kurzzeitig festgenommen. Weil ihre Personalien festgestellt werden können, sind sie kurze Zeit später wieder auf freiem Fuß. Laut Damrau seien es zwei Männer aus dem Roßweiner Postleitzahlenbereich. Sie erwarte eine Anzeige wegen versuchten schweren Diebstahls.

Signalflügel trotzdem gestohlen

Abschreckend scheint der Einsatz der Bundespolizei dennoch nicht gewirkt zu haben, denn schon gestern Mittag fehlten zwei der fünf markanten rot-weißen Flügel am Tatort. Am Abend zuvor waren sie nach dem Polizeieinsatz noch da gewesen. Einer der kurzen Flügel konnte nicht abgeschraubt werden, da das Signal darauf angelegt ist (siehe kleines Foto rechts), zwei weitere stehen in der Nähe an einen Baum gelehnt.

Bernd Hoffmann, begeisterter Hobbyfilmer und Mitglied beim Meisenbahnclub Roßwein (MEC), steht fast täglich auf dem Platz des ehemaligen Heizwerks und filmt die vorbeifahrenden Züge am Bahnhof. Er beobachtete zufällig das Geschehen. "Ich wollte den 18-Uhr-Zug nach Döbeln aufnehmen, da habe ich mich über den gelben Radlader auf dem Bahnsteig gewundert", erzählt er beim Besuch im DAZ-Büro. Später ging er über den Bahnhof zurück nach Hause und sah schon die Szenerie mit Polizei und Tätern. "Da war schon alles vorbei. Ich habe die beiden Männer gesehen, aber ich kannte sie nicht. Ich bin nur enttäuscht über so ein Vorgehen", meint Hoffmann. Ähnlich sieht das MEC-Vereinschef Torsten Stein, der nun um zukünftige Museumsstücke der Bahn bangt. "Ich traue mich gar nicht, bei der Signalverwertung der Bahn in Wuppertal anzurufen nach diesem Zwischenfall und zu fragen, ob wir trotzdem ein Signal bekommen können", sagte er gestern. Dorthin sollen die Signale zur Bewertung kommen. "Da sie nirgendwo in Deutschland wieder aufgebaut werden können, ist es eher wahrscheinlich, dass sie im Schrott landen", befürchtet Stein, der sich auch keinen Reim auf die Herkunft der Täter machen kann. "Bei uns im Verein gibt es niemanden in diesem Alter und ich traue das auch keinem unserer Mitglieder zu."

Dass die Signale nun immer noch am Bahnhof liegen, findet Sammler Sven Hundshammer aus Etzdorf "großen Quatsch. Die haben eben ihre turnusmäßigen Rhythmus der Abholung. Da liegen ja noch etliche auf dem Weg nach Leipzig herum", sagt er. Hundshammer hofft ebenfalls noch auf eines der Signale für seinen Garten. "Für Eisenbahnfans sind so seltene Masten wie eine Mauritius für Briefmarkensammler", weiß auch Damrau - und wundert sich trotzdem noch über die dreisten älteren Herren.

 

 

 

Spuren einer dreisten Tat. Wo am Mittwochvormittag noch der Lastkran der Deutschen Bahn stand, um die alten Signale gegen neue auszutauschen, fuhr am Abend desselben Tages ein gelber Radlader vor. Damit wollten die Diebe die mehrere hundert Kilo schweren Anlagen wegbringen. Im Hintergrund ist die neu installierte Signalanlage zu sehen.Fotos (3): Wolfgang Sens

Ein Signal ist auf dem kürzeren unteren Flügel abgelegt, so dass dieser nicht abgeschraubt werden konnte.

... fehlten zwei der rot-weißen Flügel gestern bereits.

 

 

Vorgestern noch angeschraubt am alten Signal ...

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